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Amantadine ist ein Antivirusmedikament, das pflegte, bestimmte Grippe-Infektionen zu verhindern oder zu behandeln.
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Amantadin ist ein Arzneimittel mit zwei Hauptanwendungsgebieten: der Behandlung der Parkinson-Krankheit und der Vorbeugung sowie Behandlung der Virusgrippe Typ A. Bei Parkinson mildert es die Symptome des Dopaminmangels, indem es die Freisetzung von Dopamin fördert und seine Wiederaufnahme hemmt. Antiviral wirkt es durch die Blockade des M2-Proteins, wodurch die Vermehrung der Grippeviren gestoppt wird.
Die übliche Dosis von Amantadin beträgt: In der Regel wird mit 100 mg pro Tag begonnen. Nach einer Woche kann die Dosis schrittweise auf eine Erhaltungsdosis von 100 bis 200 mg zweimal täglich (entsprechend 200 bis 400 mg pro Tag) erhöht werden.
Darreichungsform: Filmtabletten (100 mg).
Wirkungseintritt: Bei Parkinson meist innerhalb von 48 Stunden. Die antivirale Wirkung beginnt innerhalb weniger Tage.
Wirkdauer: Die Plasmahalbwertszeit beträgt etwa 10–30 Stunden, bei Niereninsuffizienz verlängert.
Alkoholempfehlung: Alkohol kann die Verträglichkeit herabsetzen und sollte während der Behandlung vermieden werden.
Häufigste Nebenwirkungen: Schlafstörungen, motorische Unruhe, Schwindel, Mundtrockenheit.
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Allgemeine Informationen über Amantadin
- INN (Internationale Nicht-Eigentumsbezeichnung): Amantadin
- In Deutschland verfügbare Markennamen: Amantadin-ratiopharm, Amantadin STADA, Amantadin-neuraxpharm, Amantadin AbZ, Amantadin-1A Pharma, PK-Merz.
- ATC-Code: N04BB01 (Parkinson-Mittel) / J05AC02 (Antiviral)
- Darreichungsformen und Dosierungen: Filmtabletten mit 100 mg Amantadinhydrochlorid bzw. Amantadinhemisulfat.
- Hersteller in Deutschland (Auswahl): ratiopharm GmbH, STADAPHARM GmbH, neuraxpharm Arzneimittel GmbH, AbZ Pharma GmbH, 1A Pharma GmbH.
- Registrierungsstatus in Deutschland: Zugelassen
- OTC / Rx‑Klassifikation: Verschreibungspflichtig (Rezeptpflichtig, Rx)
Wirkmechanismus und Pharmakologie
Amantadin wirkt über zwei grundsätzlich verschiedene Mechanismen. Bei der Parkinson-Krankheit ist die Wirkung komplex und nicht vollständig geklärt. Es fungiert als schwacher, nicht-kompetitiver Antagonist des NMDA-Rezeptors, wodurch glutamaterge Überaktivität in den Basalganglien reduziert wird. Zudem verstärkt es die präsynaptische Dopamin-Freisetzung und hemmt dessen Wiederaufnahme, was zu einer Erhöhung des Dopaminspiegels im synaptischen Spalt führt. Diese dopaminerge und antidyskinetische Wirkung lindert die motorischen Hauptsymptome Rigor, Tremor und Hypo-/Akinese.
Die antivirale Wirkung von Amantadin beschränkt sich auf Influenza‑A‑Viren. Es blockiert das vom viralen M2-Protein gebildete Ionenpaar, das für die Ansäuerung des Virusinneren entscheidend ist. Diese Ansäuerung ist notwendig, damit das Virus seine Hülle ablegen (Uncoating) und mit der Vermehrung beginnen kann. Durch die Blockade wird die Freisetzung der viralen Nukleinsäure in die Wirtszelle verhindert.
Anwendungsgebiete
- Parkinson-Syndrome: Behandlung von Symptomen der Parkinsonschen Krankheit wie Rigor (Steifheit), Tremor (Zittern) und Hypo- bzw. Akinesie (Bewegungsarmut).
- Medikamenteninduzierte extrapyramidale Symptome: Behandlung von Frühdyskinesie, Akathisie und Parkinsonoid bei neuroleptischer Therapie.
- Virusgrippe Typ A: Chemoprophylaxe und Chemotherapie zur Vorbeugung und Behandlung der echten Influenza.
- Vigilanzminderungen: Behandlung von Wachheitsstörungen, insbesondere bei postkomatösen Zuständen verschiedener Genese.
Wichtige Warnungen und Einschränkungen
Risikogruppen
- Ältere Patienten: Bei älteren Patienten und insbesondere bei solchen mit Erregungs- und Verwirrtheitszuständen ist wegen einer erhöhten Empfindlichkeit Vorsicht geboten.
- Schwangerschaft: Amantadin ist während der Schwangerschaft kontraindiziert. Bei Kinderwunsch muss die Therapie rechtzeitig beendet oder umgestellt werden.
- Stillzeit: Da Amantadin in die Muttermilch übergeht und beim Säugling zu unerwünschten Wirkungen führen kann, ist die Anwendung in der Stillzeit kontraindiziert (Kontraindikation laut Roter Liste).
Fahrtauglichkeit und Alkohol
Amantadin kann Schwindel, Sehstörungen und zentralnervöse Effekte wie Unruhe oder Verwirrtheit verursachen. Die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen können erheblich beeinträchtigt sein. Alkohol verstärkt diese unerwünschten Wirkungen und sollte während der Behandlung strikt vermieden werden.
Dosierungsanleitung
- Parkinson-Syndrome: Die Therapie wird einschleichend begonnen: Initial 1-mal täglich 100 mg über 4–7 Tage. Anschließend wöchentliche Steigerung um 100 mg bis zur Erhaltungsdosis von 100–200 mg zweimal täglich (d.h. 200–400 mg pro Tag). Letzte Tagesdosis nicht nach 16.00 Uhr einnehmen, um Schlafstörungen zu vermeiden.
- Virusgrippe Typ A: Die Dosis beträgt für Erwachsene 200 mg pro Tag (z.B. 100 mg zweimal täglich) i.d.R. über 5–10 Tage. Eine Dosisreduktion auf 100 mg/Tag kann bei Unverträglichkeit erwogen werden.
- Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance unter 50 ml/min): Dosisanpassung erforderlich. Bei schwerer Nieren- oder Leberinsuffizienz kontraindiziert.
- Besonderer Hinweis: Plötzliches Absetzen von Amantadin kann bei Parkinson-Patienten zu einer starken Verschlechterung der Symptome bis hin zur akinetischen Krise führen. Die Therapie muss ausschleichend beendet werden.
Nebenwirkungen und Kontraindikationen
Häufige Nebenwirkungen (mehr als 1/100)
- Schlafstörungen, motorische und psychische Unruhe
- Orthostatische Dysregulation (Blutdruckabfall beim Aufstehen)
- Schwindel, Kopfschmerzen, Sehstörungen
- Mundtrockenheit, Übelkeit, Appetitlosigkeit
- Livedo reticularis (netzartige, bläuliche Hautzeichnung, insbesondere an den Beinen) – typische, aber meist reversible Nebenwirkung
Gelegentliche bis seltene Nebenwirkungen (weniger als 1/1000)
- Halluzinationen, Verwirrtheitszustände (insbesondere bei älteren Patienten oder höherer Dosierung)
- Harnverhalt (insbesondere bei Prostatahyperplasie)
- Periphere Ödeme (Wasseransammlungen)
- Sehr selten: Auslösung epileptischer Anfälle (meist bei Überdosierung), periphere Neuropathie, Kardiomyopathie (bei Langzeittherapie)
Absolute Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit gegen Amantadin oder einen sonstigen Bestandteil
- Schwere Herzinsuffizienz (NYHA III/IV) und Kardiomyopathie
- AV‑Block 2. oder 3. Grades, relevante Bradykardie oder QT‑Verlängerung
- Schwere Leber- oder Niereninsuffizienz
- Epilepsie (erhöhte Anfallsbereitschaft)
- Engwinkelglaukom
- Prostatahyperplasie mit Restharnbildung (Kontraindikation bei Harnverhalt)
- Schwangerschaft und Stillzeit
- Delirium oder schwere psychiatrische Erkrankungen (Prädelir)
Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln
- Anticholinergika (z.B. Biperiden, Trihexyphenidyl) und trizyklische Antidepressiva: Verstärkung der anticholinergen Wirkung, erhöhtes Risiko für Verwirrtheit, Halluzinationen, Mundtrockenheit, Harnverhalt.
- Levodopa: Kann die Wirksamkeit von Levodopa verbessern, bzw. dessen Nebenwirkungen reduzieren; gleichzeitig erhöht sich das Risiko für Verwirrtheit und Halluzinationen.
- Andere zentral dämpfende Substanzen (Alkohol, Beruhigungsmittel, Antipsychotika): Verstärkt die sedierenden Wirkungen.
- Neuroleptika (z.B. Haloperidol): Der antipsychotische Effekt kann abgeschwächt werden; gleichzeitig können extrapyramidale Symptome von Amantadin verringert, aber paradoxe zentralnervöse Reaktionen begünstigt werden.
- QT‑verlängernde Medikamente (z.B. bestimmte Antibiotika, Antiarrhythmika, Antidepressiva): Erhöhtes Risiko für lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen. Vor und während der Therapie sind regelmäßige EKG-Kontrollen erforderlich (Basis‑EKG, nach 1 und 3 Wochen, sowie jährlich).
- Memantin und andere NMDA‑Antagonisten: Theoretisch additive NMDA-Blockade, klinische Relevanz unklar.
- Trimethoprim/Sulfamethoxazol (Cotrimoxazol): Kann den Amantadin‑Spiegel erhöhen (Nierenfunktion überwachen).
- Da Amantadin überwiegend renal ausgeschieden wird, können Arzneimittel, die die glomeruläre Filtration und tubuläre Sekretion beeinflussen (z.B. Cimetidin, Trimethoprim), zu erhöhten Plasmaspiegeln durch verminderte Ausscheidung führen.
Praktische Hinweise
- Einnahme: Nehmen Sie die Filmtabletten mit ausreichend Flüssigkeit (ein Glas Wasser) ein. Die Einnahme sollte vorzugsweise morgens und nachmittags (aber nicht nach 16.00 Uhr) erfolgen, um die Schlafqualität nicht zu beeinträchtigen.
- Therapiedauer: Bei Parkinson ist die Behandlung langfristig. Bei Grippe erfolgt die Einnahme üblicherweise über 5 bis 10 Tage. Die Prophylaxe kann mehrere Wochen bis zu drei Monaten dauern. Die genaue Dauer bestimmt der Arzt.
- Absetzen: Die Therapie darf nicht plötzlich beendet werden. Ein abruptes Absetzen kann bei Parkinson-Patienten eine lebensbedrohliche akinetische Krise auslösen. Die Dosis muss über mehrere Wochen (i.d.R. 2–4 Wochen) ausgeschlichen werden.
- Regelmäßige Überwachung: Wegen des Risikos von Herzrhythmusstörungen ist vor Therapiebeginn sowie zu den Kontrollterminen (nach 1, 3, 6 Wochen und dann jährlich) ein EKG durchzuführen, insbesondere zur Kontrolle der QT‑Zeit. Auch Nierenfunktion und Blutdruck sollten regelmäßig überwacht werden.
- Lagerung: Bei Raumtemperatur (15‑25°C) trocken und vor Licht geschützt lagern. Außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren.
Alternative Medikamente (bei Unverträglichkeit oder Kontraindikation)
- Bei Parkinson-Krankheit:
Levodopa (L‑Dopa) plus Decarboxylasehemmer (Carbidopa oder Benserazid) – Goldstandard und wirksamstes Medikament. Dopaminagonisten (Pramipexol, Ropinirol, Rotigotin) – früher Einsatz als Monotherapie. MAO‑B‑Hemmer (Selegilin, Rasagilin) – leicht wirksam, insbesondere in frühen Stadien. COMT‑Hemmer (Entacapon, Opicapon) – Zusatz bei Wirkungsfluktuationen unter Levodopa. Anticholinergika (Biperiden) – vor allem bei starkem Tremor junger Patienten (aufgrund der vielen Nebenwirkungen in der Geriatrie mit Vorsicht). - Bei Virusgrippe (Influenza A):
Neuraminidasehemmer (Oseltamivir / Tamiflu, Zanamivir / Relenza) – aktuell die antiviralen Mittel der ersten Wahl bei Influenza A und B (Resistenzraten gegen Amantadin bei Grippeviren sind heute hoch, daher nicht mehr Mittel der 1. Wahl gemäß WHO). - Bei Vigilanzstörungen:
Modafinil – unter bestimmten Bedingungen zur Verbesserung der Tagesschläfrigkeit, nicht zugelassen für postkomatöse Syndrome (off‑label).
Klinische Wirksamkeit
Amantadin wurde 1973 in den USA für die Behandlung des Morbus Parkinson zugelassen. Als schwacher NMDA‑Antagonist mit dopaminergen Eigenschaften zeigt es insbesondere eine gute Wirkung auf Rigor, Tremor sowie die L‑Dopa-induzierten Dyskinesien. Die Evidenz basiert auf zahlreichen kleineren Studien, Placebo-kontrollierte randomisierte Studien mit unmittelbarer Freisetzung (Immediate‑Release) bei motorischen Fluktuationen liegen jedoch nur begrenzt vor. Dennoch ist Amantadin aufgrund seines günstigen Nebenwirkungsprofils und des Fehlens einer Levodopa-ähnlichen Langzeittoxizität weiterhin eine wichtige Therapieoption in der Kombinationsbehandlung.
Als antivirales Mittel wurde Amantadin gegen Influenza A eingesetzt. In den letzten Jahren haben jedoch viele A-Viren weltweit Resistenzen entwickelt (M2-Genmutationen), sodass die CDC/WHO Amantadin nicht mehr für die routinemäßige Grippetherapie oder ‑prophylaxe empfiehlt. In Deutschland wird es vereinzelt noch auf ärztliche Entscheidung verwendet, insbesondere in der adjuvanten Therapie oder bei speziellen Ausbruchsituationen (weniger als 10 % Residuen). Ergänzend gibt es positive Hinweise für den Effekt von Amantadin bei der Bewusstseinsverbesserung von Patienten mit nichttraumatischen Hirnerkrankungen. Eine randomisierte kontrollierte Studie zeigte eine signifikante Bewusstseinsverbesserung innerhalb von fünf Tagen nach Therapiebeginn. Die Evidenz für die Wirksamkeit bei Fatigue bei Multipler Sklerose ist hingegen nicht ausreichend, laut Cochrane Review.
Wichtig: Amantadin ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel und darf nur unter ärztlicher Überwachung angewendet werden. Vor Beginn einer Therapie stehen eine genaue Diagnose (Parkinson- oder Parkinson-Syndrom durch Medikamente, gesicherte Influenzainfektion), ein EKG zur Prüfung der QT‑Zeit, die Bestimmung der Nierenfunktion sowie eine Aufklärung über Risiken von Wechselwirkungen und plötzlichem Absetzen. Wegen der Gefahr von Herzrhythmusstörungen (QT‑Verlängerung bis hin zu Torsade de pointes) ist die regelmäßige EKG-Kontrolle (zu Beginn, nach 1 und 3 Wochen, dann jährlich) zwingend erforderlich. Bei Auftreten von ungewohnten Herzsensationen (Palpitationen, Schwindel, Synkopen), schweren Hautreaktionen oder auffälligen Veränderungen des Sehens / der geistigen Verfassung ist sofort ein Arzt aufzusuchen. Amantadin ist aufgrund der Wechselwirkungen mit vielen Substanzen (Alkohol, QT-verlängernden Medikamenten) und der Notwendigkeit der ausschleichenden Beendigung nicht für eine Selbstbehandlung geeignet. Die vollständige Fachinformation und die Packungsbeilage sind zu beachten; der behandelnde Arzt ist in allen Fragen der Therapie der einzig verbindliche Ansprechpartner.
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