Baclofen

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Baclofen wird zur Behandlung von Spasmen der Skelettmuskeln, des Muskelklonus, von Muskelkrämpfen, Starrheit, Verletzungen des Rückenmarks und durch Krankheiten wie zum Beispiel multiple Sklerose verursachte Schmerzen verwendet.

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Baclofen ist ein zentral wirksames Muskelrelaxans (Myotonolytikum) zur Behandlung von krankhaft erhöhter Muskelspannung (Spastizität) bei neurologischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose, Rückenmarkserkrankungen oder -verletzungen sowie bei Spastizität zerebralen Ursprungs (z. B. nach Schlaganfall oder bei infantiler Zerebralparese). Als chemisches Analogon des hemmenden Neurotransmitters Gamma‑Aminobuttersäure (GABA) stimuliert es die GABAB-Rezeptoren im Rückenmark, dämpft die Erregungsübertragung auf die Muskulatur, reduziert den Muskeltonus und lindert schmerzhafte Muskelkrämpfe, ohne die neuromuskuläre Erregungsübertragung selbst zu beeinträchtigen.

Die übliche Dosis von Baclofen (10 mg / 25 mg) beträgt: Die Therapie wird einschleichend begonnen: Erwachsene erhalten initial 15 mg pro Tag (z. B. 5 mg morgens, 5 mg mittags, 5 mg abends), verteilt auf 2‑4 Einzeldosen. Die Tagesdosis kann frühestens jeden 3. Tag in Schritten von 5‑15 mg gesteigert werden. Die übliche optimale Erhaltungsdosis liegt bei 30‑75 mg pro Tag. Die maximal empfohlene Tagesdosis beträgt 75 mg (stationär ausnahmsweise bis 120 mg). Kinder erhalten eine gewichtsadaptierte Dosierung (Initial ca. 0,3 mg/kg/Tag, übliche Erhaltungsdosis 0,75‑2 mg/kg/Tag, maximale Tagesdosis für Kinder unter 8 Jahren: 40 mg, über 8 Jahre: 60 mg).
Darreichungsform: Filmtabletten mit 10 mg und 25 mg Baclofen (als Hydrochlorid). Die 10‑mg‑Tabletten sind in gleiche Hälften teilbar, die 25‑mg‑Tabletten haben eine Bruchkerbe zur Erleichterung des Schluckens.
Wirkungseintritt: Die muskelrelaxierende Wirkung setzt innerhalb weniger Stunden ein, maximale Plasmakonzentrationen werden etwa 2 Stunden nach oraler Gabe erreicht.
Wirkdauer: Die Plasmahalbwertszeit beträgt etwa 6,8 ± 0,7 Stunden, daher ist eine Aufteilung der Tagesdosis auf 2‑4 Einzelgaben erforderlich.
Alkoholempfehlung: Während der Behandlung mit Baclofen ist der Konsum von Alkohol strikt zu vermeiden, da Alkohol die sedierende Wirkung erheblich verstärken und das Risiko schwerwiegender Nebenwirkungen (Atemdepression, Koma) erhöhen kann.
Die häufigsten Nebenwirkungen sind: Schläfrigkeit (Sedierung), Schwindel, Muskelschwäche, Müdigkeit, Übelkeit, Kopfschmerzen und Verwirrtheitszustände, insbesondere zu Beginn der Therapie.

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Allgemeine Informationen über Baclofen

  • INN (Internationale Nicht-Eigentumsbezeichnung): Baclofen
  • In Deutschland verfügbare Markennamen: Lioresal® (nicht mehr im Markt), Baclofen-neuraxpharm, Baclofen-ratiopharm, Baclofen AL, Baclofen STADA, Baclofen dura, sowie zahlreiche weitere Generika.
  • ATC‑Code: M03BX01
  • Darreichungsformen und Dosierungen: Filmtabletten mit 10 mg und 25 mg Baclofen (als Hydrochlorid); zusätzlich intrathekale Lösungen für die direkte Applikation in den Spinalkanal.
  • Hersteller in Deutschland (Auswahl): neuraxpharm Arzneimittel GmbH, ratiopharm GmbH, ALIUD Pharma GmbH, Sintetica GmbH, durachemie GmbH, STADAPHARM GmbH, Hexal AG.
  • Registrierungsstatus in Deutschland: Zugelassen
  • OTC / Rx‑Klassifikation: Verschreibungspflichtig (Rezeptpflichtig, Rx)

Wirkmechanismus und Pharmakologie

Baclofen ist ein chemisches Analogon des hemmenden Neurotransmitters Gamma‑Aminobuttersäure (GABA) und wirkt als selektiver Agonist an GABAB-Rezeptoren im Rückenmark. Durch die Aktivierung dieser präsynaptischen Rezeptoren wird die Freisetzung exzitatorischer Neurotransmitter (insbesondere Glutamat und Aspartat) aus den spinalen afferenten Fasern gehemmt. Dies führt zu einer Verringerung der monosynaptischen und polysynaptischen Reflexerregung der Motoneurone, wodurch der pathologisch erhöhte Muskeltonus (Spastizität) gesenkt wird, ohne die neuromuskuläre Erregungsübertragung selbst zu beeinträchtigen. Die orale Bioverfügbarkeit von Baclofen beträgt etwa 70‑80 % und ist dosisabhängig; maximale Plasmakonzentrationen werden etwa 2 Stunden nach der Einnahme erreicht. Die Plasmaproteinbindung ist gering (ca. 30 %). Die Plasmahalbwertszeit beträgt etwa 6,8 Stunden; etwa 70‑85 % einer oralen Dosis werden unverändert über die Nieren ausgeschieden, der Rest wird in der Leber metabolisiert (Hydroxylierung, Glucuronidierung).

Anwendungsgebiete

  • Behandlung der Spastizität der Skelettmuskulatur bei Multipler Sklerose, Rückenmarkserkrankungen oder -verletzungen sowie bei Spastizität zerebralen Ursprungs (z. B. nach Schlaganfall, bei infantiler Zerebralparese).
  • Kinder und Jugendliche: Symptomatische Behandlung einer Spastizität zerebraler Genese (infantile Zerebralparese, nach zerebrovaskulären Ereignissen, bei neoplastischen/degenerativen Hirnerkrankungen) sowie bei Spastizität bei Rückenmarkserkrankungen infektiöser, degenerativer, traumatischer, neoplastischer oder unbekannter Genese (z. B. Multiple Sklerose, spinale Paraplegie, amyotrophe Lateralsklerose, traumatische Paraplegie).
  • Nicht geeignet für Spastizität bei rheumatischen Erkrankungen, Parkinsonismus oder peripheren Verletzungen (fehlende Wirksamkeit).

Wichtige Warnungen und Einschränkungen

Risikogruppen

  • Epilepsie und zerebrale Anfallsleiden: Baclofen senkt die Krampfschwelle und ist daher bei unbehandelter Epilepsie kontraindiziert.
  • Terminale Niereninsuffizienz (Kreatinin‑Clearance kleiner als 15 ml/min): Kontraindiziert, da Baclofen überwiegend renal eliminiert wird und sich toxische Spiegel aufbauen können.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Baclofen passiert die Plazenta und geht in die Muttermilch über. Die Anwendung sollte nur nach strenger Nutzen‑Risiko‑Abwägung erfolgen (tierexperimentell erhöhtes Risiko für Nabelbrüche). In der Stillzeit wird die Anwendung nicht empfohlen, anderenfalls muss abgestillt werden.
  • Eingeschränkte Nieren‑ oder Leberfunktion, Atemstörungen, Blasenentleerungsstörungen, Magen‑Darm‑Ulzera, zerebrovaskuläre Insuffizienz: Besondere Vorsicht geboten; Dosisanpassung und engmaschige Überwachung erforderlich.
  • Ältere Patienten (65 Jahre und älter): Erhöhte Empfindlichkeit für Nebenwirkungen; niedrigere Startdosis (5‑10 mg/Tag) wird empfohlen.
  • Weizenallergie (Tabletten enthalten Weizenstärke): Die Tabletten enthalten sehr geringe Mengen Gluten (weniger als 0,02 mg Gluten pro Tablette). Für Patienten mit Zöliakie sind sie verträglich, bei Weizenallergie jedoch kontraindiziert.

Fahrtauglichkeit und Alkohol

Baclofen kann eine ausgeprägte Schläfrigkeit, Benommenheit, Muskelschwäche und Koordinationsstörungen verursachen, die die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen erheblich beeinträchtigen können. Während der Behandlung ist das Führen von Fahrzeugen zu unterlassen. Alkohol verstärkt diese Effekte in gefährlichem Maße und ist strikt zu vermeiden.

Dosierungsanleitung

  • Erwachsene: Einschleichende Therapie mit 15 mg/Tag (z. B. 5 mg morgens, mittags, abends), verteilt auf 2‑4 Einzeldosen. Steigerung der Tagesdosis in 5‑15‑mg‑Schritten frühestens jeden 3. Tag. Übliche Erhaltungsdosis 30‑75 mg/Tag. Maximale Tagesdosis 75 mg (stationär ausnahmsweise bis 120 mg möglich). Die Tabletten sollten vorzugsweise zu den Mahlzeiten mit etwas Flüssigkeit oder Milch eingenommen werden, um die Magenverträglichkeit zu verbessern.
  • Kinder (0‑18 Jahre): Beginn mit sehr niedriger Dosierung (ca. 0,3 mg/kg/Tag), aufgeteilt auf 2‑4 Einzelgaben (vorzugsweise 4 Gaben). Vorsichtige Steigerung in etwa wöchentlichen Intervallen. Übliche Erhaltungsdosis 0,75‑2 mg/kg/Tag. Maximale Tagesdosis für Kinder unter 8 Jahren: 40 mg, über 8 Jahre: 60 mg.
  • Ältere Patienten: Niedrigere Anfangsdosis (5‑10 mg/Tag) empfehlenswert.
  • Niereninsuffizienz (Hämodialysepatienten): Besonders niedrige Dosis, z. B. 5 mg täglich.
  • Therapiedauer: Langzeittherapie; bei fehlendem Nutzen nach 6‑8 Wochen bei maximaler Dosis ist ein Abbruch zu erwägen. Nach längerer Anwendung (mehr als 2‑3 Monate) darf Baclofen nicht abrupt abgesetzt werden (Entzugserscheinungen: Verwirrtheit, Halluzinationen, Krampfanfälle, Rebound‑Spastik); die Dosis ist über etwa 3 Wochen ausschleichend zu reduzieren.

Nebenwirkungen und Kontraindikationen

Sehr häufige/häufige Nebenwirkungen (mehr als 1 von 100 Behandelten)

  • Schläfrigkeit (Sedierung, Somnolenz) – vor allem zu Beginn der Therapie
  • Schwindel, Kopfschmerzen, Tremor, Ataxie (Gangunsicherheit)
  • Muskelschwäche (Asthenie), Müdigkeit, Verwirrtheit
  • Übelkeit, Erbrechen, Obstipation, Mundtrockenheit
  • Hypotonie (Blutdruckabfall)

Gelegentliche bis seltene Nebenwirkungen (weniger als 1 von 1.000 Behandelten)

  • Parästhesien, Schlafstörungen, Albträume, Halluzinationen
  • Erhöhung der Leberenzyme (SGOT, SGPT) – dosisabhängig und reversibel
  • Harnverhalt (erschwertes Wasserlassen), Erektile Dysfunktion
  • Zentrales Schlafapnoe‑Syndrom (bei sehr hohen Dosen, mehr als 100 mg)

Seltene, schwerwiegende Nebenwirkungen (weniger als 1 von 10.000 Behandelten)

  • Respiratorische Depression (Atemdepression), Bradykardie, Hypotonie bis Schock
  • Krampfanfälle (insbesondere bei plötzlichem Absetzen oder bei Epilepsiepatienten)
  • Serotonin‑Syndrom (bei gleichzeitiger Gabe serotonerger Substanzen)
  • Schwere allergische Reaktionen (Angioödem, anaphylaktischer Schock)
  • Entzugserscheinungen: nach abruptem Absetzen können Delirium, Halluzinationen, Psychosen, Krampfanfälle, Status epilepticus, Tachykardie, Hyperthermie, Rhabdomyolyse und eine vorübergehende Verstärkung der Spastik auftreten.

Absolute Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegen Baclofen oder einen sonstigen Bestandteil (z. B. Lactose, Weizenstärke – bei Weizenallergie kontraindiziert).
  • Epilepsie und andere zerebrale Anfallsleiden (Kontraindikation wegen Senkung der Krampfschwelle).
  • Terminale Niereninsuffizienz (Kreatinin‑Clearance kleiner als 15 ml/min).
  • Gleichzeitige Einnahme von Alkohol (gefährliche Wechselwirkungen).

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln

  • Alkohol und zentral dämpfende Substanzen (Benzodiazepine, Opioide, Barbiturate, Neuroleptika, sedierende Antidepressiva, andere Muskelrelaxanzien): Additive Verstärkung der sedierenden, atemdepressiven und hypotensiven Wirkungen. Gleichzeitige Anwendung vermeiden oder Dosis reduzieren, Alkohol strikt vermeiden.
  • Antihypertensiva (blutdrucksenkende Mittel): Verstärkte Blutdrucksenkung – besonders sorgfältige Blutdruckkontrolle erforderlich.
  • Trizyklische Antidepressiva: Mögliche Verstärkung der muskelrelaxierenden Wirkung.
  • Nephrotoxische Arzneimittel (z. B. Aminoglykoside, NSAR): Können die renale Baclofen‑Ausscheidung reduzieren und damit das Toxizitätsrisiko erhöhen.
  • Lithium: Kann die muskelrelaxierende Wirkung von Baclofen verstärken.
  • Levodopa (L‑Dopa): Bei Patienten mit Parkinson kann Baclofen die Wirkung von Levodopa abschwächen.
  • CYP450‑Interaktionen: Keine relevanten Interaktionen bekannt, da Baclofen vorwiegend renal und nicht hepatisch über CYP‑Enzyme eliminiert wird.

Praktische Hinweise

  • Einnahme: Die Tabletten sollten vorzugsweise zu den Mahlzeiten mit etwas Flüssigkeit oder mit Milch eingenommen werden, um die Magenverträglichkeit zu verbessern. Bei Einnahme auf nüchternen Magen ist eine vermehrte Sedierung möglich. Die Tagesdosis ist auf 2‑4 Einzelgaben zu verteilen (z. B. morgens, mittags, abends, ggf. vor dem Schlafengehen).
  • Kontrolle von Nebenwirkungen: Zu Beginn der Therapie sind häufige ärztliche Kontrollen erforderlich, insbesondere auf Muskelschwäche, Sturzgefahr, Verwirrtheit, Blutdrucksenkung und Krampfanfälle. Regelmäßige Kontrolle der Nierenfunktion (Kreatinin), Leberenzyme und bei Risikopatienten der Atemfunktion wird empfohlen.
  • Absetzen: Bei einer Behandlungsdauer von mehr als 2‑3 Monaten darf Baclofen nicht abrupt abgesetzt werden. Die Dosis ist langsam über etwa 3 Wochen auszuschleichen, um Entzugserscheinungen (Rebound‑Spastik, Halluzinationen, Krampfanfälle) zu vermeiden.
  • Lagerung: Bei Raumtemperatur (15‑25 °C) in der Originalverpackung, trocken und vor Licht geschützt, außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren.
  • Überdosierung: Symptome sind schwere Sedierung, Bewusstseinstrübung bis Koma, Atemdepression, Hypotonie, Bradykardie, Krampfanfälle. Bei Verdacht sofort Notarzt (112) rufen. Es gibt kein spezifisches Antidot; die Behandlung ist symptomatisch (Atem‑ und Kreislaufunterstützung, ggf. Magenspülung, Aktivkohle). Bei Nierenversagen kann eine Hämodialyse sinnvoll sein.

Alternative Medikamente (bei Unverträglichkeit oder Kontraindikation)

  • Tizanidin (Sirdalud, Tizanidin Generika): Zentraler alpha‑2‑Adrenozeptor‑Agonist, ebenfalls bei Spastizität und schmerzhaften Muskelverspannungen wirksam. Kürzere Halbwertszeit, höheres Sedierungs‑ und Hypotonierisiko.
  • Tolperison (Mydocalm, Tolperison Generika): Zentral und peripher wirksames Muskelrelaxans, besonders bei schmerzhaften Muskelverspannungen des Bewegungsapparats. Geringeres Sedierungsprofil, aber weniger wirksam bei schwerer neurogener Spastik.
  • Dantrolen (Dantrium): Direkt auf die Skelettmuskulatur wirkendes Muskelrelaxans, bei schwerer, therapierefraktärer Spastik wirksam, jedoch erhebliches Risiko für Hepatotoxizität (Leberversagen).
  • Gabapentin (Neurontin, Gabapentin Generika): Antiepileptikum, das auch bei Spastik (insbesondere bei Multipler Sklerose) wirksam sein kann. Weniger sedierend als Baclofen, jedoch nicht für die Indikation Spastik zugelassen (Off‑Label).
  • Orale Analgetika (NSAR wie Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen): Bei leichten, rein schmerzhaften Muskelverspannungen ohne ausgeprägte Spastik eine Alternative. Keine direkte muskelrelaxierende Wirkung.
  • Physiotherapie (Krankengymnastik, Dehnungsübungen, Massagen, Elektrostimulation): Grundlegende nicht‑medikamentöse Maßnahmen, die mit der medikamentösen Therapie kombiniert werden können.
  • Intrathekale Baclofen‑Therapie (ITB): Bei sehr schwerer, oral nicht kontrollierbarer Spastik (z. B. Querschnittlähmung) kann Baclofen mittels einer implantierten Pumpe direkt in den Spinalkanal verabreicht werden – deutlich niedrigere Dosierungen, weniger systemische Nebenwirkungen, aber invasiv und nur in spezialisierten Zentren.

Klinische Wirksamkeit

Baclofen ist seit Jahrzehnten ein etablierter Goldstandard in der Behandlung neurogener Spastizität. In placebokontrollierten Studien (z. B. bei Multipler Sklerose) zeigte Baclofen eine signifikante Verbesserung des Ashworth‑Spastizitäts‑Scores (Reduktion des pathologischen Muskeltonus um durchschnittlich 1‑1,5 Punkte) sowie eine Reduktion der Häufigkeit und Schwere schmerzhafter Beugespasmen und Kloni. Die Wirksamkeit ist dosisabhängig; die meisten Patienten profitieren von Erhaltungsdosen zwischen 30 und 75 mg/Tag. Die Nationale MS‑Gesellschaft und die Deutsche Gesellschaft für Neurologie empfehlen Baclofen als Mittel der ersten Wahl bei spastischen Symptomen der Multiplen Sklerose und bei Rückenmarkserkrankungen. Im Vergleich zu Tizanidin ist Baclofen weniger sedierend (bei äquipotenter Dosis) und hat ein geringeres Hypotonierisiko, jedoch ein höheres Risiko für Muskelschwäche und Verwirrtheit. Die intrathekale Baclofen‑Therapie (ITB) zeigt bei schwerer, therapierefraktärer Spastik eine überlegene Wirksamkeit mit besserer Verträglichkeit, ist jedoch invasiv und kostenintensiv. Eine aktuelle Cochrane‑Metaanalyse (2022) bestätigt die Wirksamkeit von oralem Baclofen bei Spastizität der unteren Extremitäten, weist jedoch auf die begrenzte Evidenz für eine langfristige Verbesserung der Funktionalität hin. Die Therapie sollte daher individuell mit dem Ziel der Symptomkontrolle und Verbesserung der Lebensqualität durchgeführt werden.

Wichtig: Baclofen ist ein verschreibungspflichtiges Muskelrelaxans, das nur unter strenger ärztlicher Aufsicht angewendet werden darf. Eine Selbstmedikation ist wegen der erheblichen ZNS‑dämpfenden Wirkungen (starke Sedierung, Atemdepression, Koordinationsstörungen), des Risikos schwerer Entzugserscheinungen bei abruptem Absetzen und möglicher Krampfanfälle (insbesondere bei Epilepsiepatienten) gefährlich. Vor der ersten Einnahme muss eine gründliche ärztliche Diagnostik (Ausschluss von Epilepsie, terminaler Niereninsuffizienz, Leber‑ und Nierenfunktionstests) erfolgen. Während der Behandlung sind regelmäßige ärztliche Kontrollen (Blutdruck, Leber‑, Nierenfunktion, klinische Überwachung auf Muskelschwäche und Atemdepression) erforderlich. Baclofen darf nicht bei Patienten mit Epilepsie, terminaler Niereninsuffizienz, Alkoholismus oder bekannter Überempfindlichkeit angewendet werden. Aufgrund der starken Sedierung ist die Teilnahme am Straßenverkehr während der gesamten Behandlung untersagt. Alkoholkonsum ist strikt zu vermeiden. Die Therapie darf nach längerer Anwendung nicht abrupt beendet werden; ein Ausschleichen über mehrere Wochen ist zwingend erforderlich. Bei Auftreten von Halluzinationen, Krampfanfällen, schwerer Atemnot oder Zeichen einer schweren allergischen Reaktion ist sofort ein Arzt aufzusuchen. Die vollständige Fachinformation und die Packungsbeilage sind zu beachten; verbindlich sind die Anweisungen des behandelnden Arztes. Dieses Informationsblatt ersetzt keine ärztliche Beratung.


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