Darunavir

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Darunavir ist ein orales antiretrovirales Medikament zur Behandlung der HIV‑1‑Infektion, das durch Hemmung des Protease‑Enzyms die Vermehrung des Virus verhindert und die Viruslast senkt.

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Darunavir wird zur Behandlung der HIV‑1‑Infektion bei Erwachsenen und Kindern (ab 3 Jahren) in Kombination mit Ritonavir (oder Cobicistat) und anderen antiretroviralen Arzneimitteln eingesetzt. Das Medikament ist ein Proteasehemmer der zweiten Generation, der die Spaltung viraler Polyproteine blockiert und so unreife, nicht infektiöse Viruspartikel entstehen lässt.
Die übliche Dosierung von Darunavir für Erwachsene beträgt 800 mg (zwei 400‑mg‑Tabletten) einmal täglich zusammen mit 100 mg Ritonavir oder 150 mg Cobicistat bei behandlungsnaiven Patienten. Bei vorbehandelten Patienten mit bestimmten Resistenzen beträgt die Dosis 600 mg zweimal täglich zusammen mit 100 mg Ritonavir.
Die Darreichungsform ist Filmtabletten (75 mg, 150 mg, 600 mg, 800 mg) oder eine Suspension zum Einnehmen (100 mg/ml).
Die Wirkung des Medikaments beginnt innerhalb weniger Wochen, eine vollständige Unterdrückung der Viruslast wird meist nach 12‑24 Wochen erreicht.
Die Wirkdauer beträgt 24 Stunden (einmal tägliche Gabe) bzw. 12 Stunden (zweimal tägliche Gabe).
Alkoholkonsum wird während der Behandlung nicht empfohlen, da er die Leberfunktion beeinträchtigen kann.
Die häufigsten Nebenwirkungen sind Durchfall, Übelkeit, Kopfschmerzen, Hautausschlag und erhöhte Blutfette.
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Allgemeine Informationen zu Darunavir

  • INN (Internationaler Freiname): Darunavir (als Ethanolat)
  • In Deutschland verfügbare Markennamen: Prezista®, generische Produkte
  • ATC‑Code: J05AE10
  • Darreichungsformen und Dosierungen: Filmtabletten – 75 mg, 150 mg, 600 mg, 800 mg; Suspension zum Einnehmen – 100 mg/ml
  • Hersteller in Deutschland: Janssen‑Cilag GmbH (Janssen Pharmaceuticals), Generikahersteller
  • Zulassungsstatus in Deutschland: Zugelassen
  • OTC / Rx‑Klassifizierung: Verschreibungspflichtig (Rx)

Wirkmechanismus und Pharmakologie

Darunavir ist ein Proteasehemmer der zweiten Generation, der selektiv die HIV‑Protease hemmt. Es bindet an die aktive Stelle des Enzyms und verhindert die Spaltung der viralen Gag‑Pol‑Polyproteine. Dadurch werden unreife, nicht infektiöse Viruspartikel gebildet. Darunavir wird immer zusammen mit einem pharmakokinetischen Booster (Ritonavir oder Cobicistat) angewendet, der den hepatischen Abbau über CYP3A4 hemmt und so ausreichend hohe Wirkstoffspiegel ermöglicht. Darunavir hat eine hohe genetische Resistenzbarriere und ist auch gegen viele Proteaseinhibitor‑resistente Stämme wirksam.

Anwendungsgebiete

Darunavir ist in Kombination mit Ritonavir (oder Cobicistat) und anderen antiretroviralen Arzneimitteln zur Behandlung der HIV‑1‑Infektion bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab 3 Jahren (mit einem Körpergewicht von mindestens 10 kg) indiziert. Es wird sowohl bei antiretroviral naiven Patienten als auch bei vorbehandelten Patienten (mit nachgewiesener Resistenz gegen andere Proteaseinhibitoren oder Nukleosid‑Analoga) eingesetzt. Aufgrund seiner Wirksamkeit und guten Verträglichkeit ist Darunavir in den aktuellen Leitlinien eine bevorzugte Option, insbesondere bei Patienten mit Resistenzen oder in der Schwangerschaft.

Wichtige Warnhinweise und Einschränkungen

Risikogruppen
Ältere Patienten: Keine spezifische Dosisanpassung, jedoch häufiger begleitende Leber‑ oder Nierenerkrankungen.
Schwangerschaft: Darunavir kann während der Schwangerschaft angewendet werden, wenn der Nutzen das Risiko überwiegt. Während des zweiten und dritten Trimesters kann eine höhere Dosierung erforderlich sein (600 mg zweimal täglich + Ritonavir 100 mg zweimal täglich).
Stillzeit: Darunavir geht in die Muttermilch über. HIV‑infizierte Mütter sollten nicht stillen, um eine HIV‑Übertragung zu vermeiden.

Verkehrstüchtigkeit und Alkohol
Fahren: Kann Schwindel oder Benommenheit verursachen – Vorsicht beim Führen von Fahrzeugen oder Bedienen von Maschinen.
Alkohol: Alkoholkonsum sollte vermieden werden, da er die Leberfunktion beeinträchtigen und das Risiko einer Pankreatitis erhöhen kann.

Dosierungsanleitung

Standarddosierungen
- Behandlungsnaive Erwachsene (und Kinder ≥3 Jahre, ≥10 kg, ohne bekannte Resistenzmutationen): 800 mg (zwei 400‑mg‑Tabletten) einmal täglich zusammen mit 100 mg Ritonavir oder 150 mg Cobicistat, mit einer Mahlzeit.
- Vorbehandelte Erwachsene mit einer oder mehreren Darunavir‑Resistenzmutationen oder unklarem Resistenzstatus: 600 mg (zwei 300‑mg‑Tabletten) zweimal täglich zusammen mit 100 mg Ritonavir zweimal täglich, mit einer Mahlzeit.
- Kinder (ab 3 Jahren, ≥10 kg): Gewichtsadaptierte Dosierung (siehe Fachinformation).
- Bei gleichzeitiger Anwendung von Efavirenz, Etravirin, Nevirapin, Fosamprenavir/Ritonavir, Tipranavir/Ritonavir: Dosisanpassungen sind komplex; immer Fachinformation konsultieren.
Die Tabletten sind im Ganzen zu schlucken; die Suspension kann bei Schluckbeschwerden verwendet werden.

Besondere Patientengruppen
Bei leichter bis mittelschwerer Niereninsuffizienz (eGFR ≥30 ml/min) ist keine Dosisanpassung erforderlich. Bei schwerer Niereninsuffizienz (eGFR

Nebenwirkungen und Kontraindikationen

Häufige Nebenwirkungen:
- Durchfall (bis zu 20%)
- Übelkeit, Erbrechen
- Kopfschmerzen
- Hautausschlag (meist mild bis mittelschwer, tritt häufig in den ersten Wochen auf)
- Hypertriglyceridämie, Hypercholesterinämie
- Erhöhung der Leberwerte (ALT, AST)
- Lipodystrophie (Fettumverteilung)

Schwerwiegende Nebenwirkungen (ärztliche Hilfe erforderlich):
- Schwere Hautreaktionen (Stevens‑Johnson‑Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse, DRESS‑Syndrom) – bei Auftreten sofort absetzen.
- Hepatotoxizität (akute Hepatitis, Leberversagen) – besonders bei Patienten mit chronischer Hepatitis B oder C.
- Pankreatitis (selten)
- QT‑Verlängerung (selten)
- Hyperglykämie, Diabetes mellitus (bei bestehender Prädisposition)
- Immunrekonstitutionssyndrom (bei Therapiebeginn)

Absolute Kontraindikationen:
- Überempfindlichkeit gegen Darunavir, Ritonavir oder einen sonstigen Bestandteil.
- Schwere Leberinsuffizienz (Child‑Pugh C).
- Gleichzeitige Anwendung mit Arzneimitteln, die stark von CYP3A4 abhängig sind und bei denen erhöhte Plasmaspiegel zu schweren Nebenwirkungen führen können (z. B. Alfuzosin, Amiodaron, Astemizol, Cisaprid, Dihydroergotamin, Ergotamin, Lovastatin, Simvastatin, Pimozid, Midazolam (oral), Triazolam, Sildenafil (für pulmonale Hypertonie)).

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Bedeutsame Wechselwirkungen bestehen mit:
- Rifampicin, Carbamazepin, Phenobarbital, Phenytoin, Johanniskraut: Reduzieren die Darunavir‑Spiegel erheblich – kontraindiziert.
- Statine (Lovastatin, Simvastatin): Kontraindiziert (erhöhtes Risiko für Myopathie/Rhabdomyolyse). Atorvastatin, Rosuvastatin mit Vorsicht, niedrigste Dosis.
- Amiodaron, Chinidin, Antiarrhythmika: Erhöhte Spiegel – Kardiomonitoring.
- Orale Kontrazeptiva (Ethinylestradiol): Spiegel können vermindert sein – alternative Verhütungsmethode.
- Kortikosteroide (z. B. Fluticason, Budesonid): Erhöhte Kortikoidspiegel – Cushing‑Syndrom möglich.
- Antikoagulanzien (Warfarin, Phenprocoumon): Gerinnungswerte überwachen.
- Didanosin: Getrennte Einnahme (mindestens 1 Stunde vor oder 2 Stunden nach Darunavir/Ritonavir).
- Protonenpumpenhemmer (Omeprazol, Pantoprazol): Vermindern die Resorption von Darunavir – getrennte Einnahme nicht notwendig, aber Klinische Überwachung.

Praktische Hinweise

Einnahme
Darunavir muss immer zusammen mit Ritonavir (oder Cobicistat) eingenommen werden, niemals allein. Die Tabletten sollten mit einer Mahlzeit (vorzugsweise einer fettreichen Mahlzeit) eingenommen werden, um die Resorption zu verbessern. Die Tabletten sind im Ganzen zu schlucken, nicht zu kauen oder zu zerkleinern. Die Suspension kann bei Schluckbeschwerden verwendet werden. Wenn eine Dosis vergessen wurde, nehmen Sie sie ein, sobald Sie sich daran erinnern, es sei denn, es sind weniger als 6 Stunden bis zur nächsten Dosis (bei zweimal täglicher Gabe) oder weniger als 12 Stunden (bei einmal täglicher Gabe); dann überspringen Sie die vergessene Dosis. Brechen Sie die Behandlung nicht ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt ab.

Überwachung
Vor Therapiebeginn und während der Behandlung sind regelmäßige Kontrollen erforderlich:
- HIV‑Viruslast (alle 3‑6 Monate)
- CD4‑Zellzahl (alle 3‑6 Monate)
- Leberfunktion (ALT, AST, Bilirubin) – vor Therapie, dann alle 3‑6 Monate
- Lipidprofil (Cholesterin, Triglyceride) – vor Therapie, dann nach 3‑6 Monaten
- Nierenfunktion (Kreatinin, eGFR)
- Klinische Überwachung auf Hautausschlag (besonders in den ersten Wochen).

Lagerung
Bei Raumtemperatur (20‑25°C) lagern, vor Feuchtigkeit und Hitze schützen. In der Originalverpackung aufbewahren, außerhalb der Reichweite von Kindern.

Alternative Medikamente

  • Atazanavir (Reyataz) + Ritonavir: Proteasehemmer, gut verträglich, jedoch Hyperbilirubinämie.
  • Lopinavir/Ritonavir (Kaletra): Proteasehemmer der ersten Generation, mehr gastrointestinale Nebenwirkungen.
  • Dolutegravir (Tivicay): Integrasehemmer, einmal täglich, geringere Wechselwirkungen.
  • Bictegravir (in Biktarvy): Moderne Einmal‑täglich‑Kombination.
  • Rilpivirin (Edurant): NNRTI, aber nur bei niedriger Viruslast und CD4 >200/μl geeignet.

Klinische Wirksamkeit

In klinischen Studien (ARTEMIS, TITAN, ODYSSEY) erreichten mit Darunavir/Ritonavir behandelte Patienten hohe virologische Suppressionsraten (über 80% nach 48 Wochen bei behandlungsnaiven Patienten). Bei vorbehandelten Patienten mit multiplen Proteaseinhibitor‑Resistenzmutationen lag die Ansprechrate bei etwa 70%. Darunavir hat eine hohe genetische Resistenzbarriere und wird in den deutschen Leitlinien als bevorzugte Proteaseinhibitor‑Option für Patienten mit Resistenzen oder in der Schwangerschaft empfohlen. Die einmal tägliche Dosierung verbessert die Adhärenz.

Wichtig: Darunavir erfordert eine ärztliche Überwachung und darf nur auf Verschreibung angewendet werden. Eine HIV‑Therapie darf nicht eigenmächtig unterbrochen werden, da dies zu einem Wiederaufflammen der Virusvermehrung und Resistenzentwicklung führen kann. Bei Auftreten von schweren Nebenwirkungen (insbesondere Hautausschlag, Gelbsucht, Bauchschmerzen) suchen Sie sofort einen Arzt auf. Informieren Sie Ihren Arzt über alle Medikamente, insbesondere über Rifampicin und pflanzliche Präparate (Johanniskraut), vor Beginn der Behandlung.


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