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Flecainid ist ein Antiarrhythmikum, das zur Behandlung schwerer Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern oder paroxysmaler supraventrikulärer Tachykardie (PSVT) eingesetzt wird. Es hilft, die elektrische Aktivität des Herzens zu stabilisieren und einen normalen Rhythmus aufrechtzuerhalten.
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Flecainid wird zur Behandlung bestimmter Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern, Vorhofflattern und ventrikulärer Tachykardie eingesetzt. Das Medikament ist ein Antiarrhythmikum der Klasse IC, das die elektrischen Impulse im Herzen normalisiert und den Herzrhythmus wiederherstellt.
Übliche Dosis von Flecainid: 100–200 mg pro Tag, aufgeteilt in 2 Einnahmen (z. B. 50–100 mg zweimal täglich), abhängig von der Erkrankung und der Nierenfunktion.
Darreichungsform: Tablette.
Wirkungseintritt: innerhalb von 1–2 Stunden.
Wirkdauer: etwa 12–24 Stunden.
Alkoholempfehlung: Vermeiden Sie Alkohol und Grapefruit(saft) während der Anwendung (kann Nebenwirkungen verstärken und das Risiko für Herzrhythmusstörungen erhöhen).
Häufigste Nebenwirkungen: Schwindel, verschwommenes Sehen und Kurzatmigkeit.
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Allgemeine Informationen über Flecainid
- INN (Internationale Nicht-Eigentumsbezeichnung): Flecainid
- In Deutschland verfügbare Markennamen: Flecainid, Tambocor
- ATC-Code: C01BC04
- Darreichungsformen und Dosierungen: Tabletten (50 mg, 100 mg, 150 mg)
- Hersteller in Deutschland (Auswahl): Teva GmbH, Mylan Healthcare GmbH (Viatris), Sandoz Pharmaceuticals GmbH, ratiopharm GmbH, Hexal AG
- Registrierungsstatus in Deutschland: Zugelassen
- OTC / Rx‑Klassifikation: Verschreibungspflichtig (Rezeptpflichtig, Rx)
Wirkmechanismus und Pharmakologie
Flecainid gehört zur Klasse der Antiarrhythmika der Klasse IC. Es blockiert spannungsabhängige schnelle Natriumkanäle in den Herzmuskelzellen, was zu einer Verlangsamung der Erregungsleitung und einer Verlängerung der Aktionspotentialdauer führt. Dadurch werden supraventrikuläre Tachykardien (Vorhofflimmern, Vorhofflattern, AV-Reentry-Tachykardie) sowie ventrikuläre Tachyarrhythmien stabilisiert. Flecainid wird angewendet, wenn die Rhythmusstörungen symptomatisch sind oder ein Risiko für schwerwiegende Komplikationen besteht. Die Bioverfügbarkeit beträgt etwa 90–95 %, die Elimination erfolgt überwiegend hepatisch (CYP2D6) und renal.
Anwendungsgebiete
- Dokumentierte paroxysmale oder persistierende supraventrikuläre Tachykardien (insbesondere Vorhofflimmern und Vorhofflattern) bei fehlender struktureller Herzerkrankung
- AV-Reentry-Tachykardie (WPW-Syndrom) – wenn andere Therapien versagen
- Schwere symptomatische ventrikuläre Tachykardien (nur bei Ausschluss von ischämischen oder strukturellen Herzerkrankungen, streng nach CAST‑Kriterien)
- Off‑Label: gewisse fokale Vorhoftachykardien
Wichtige Warnungen und Einschränkungen
Risikogruppen
- Ältere Patienten (≥ 65 J.): Häufig verringerte Nierenfunktion – Dosisanpassung erforderlich (Initialdosis reduzieren, Kontrolle der Plasmakonzentration).
- Schwangerschaft: Flecainid passiert die Plazenta. Anwendung nur nach strenger Indikationsstellung (Nutzen-Risiko-Abwägung) unter fachärztlicher Kontrolle; keine großzügige Anwendung in der Schwangerschaft.
- Stillzeit: Flecainid geht in die Muttermilch über. Bei einer Tagesdosis von 200 mg erhält der Säugling etwa 1–2 % der gewichtsbezogenen Dosis. Eine Anwendung während der Stillzeit ist mit Vorsicht möglich, aber der Säugling sollte auf Bradykardie oder Unruhe beobachtet werden.
Fahrtauglichkeit und Alkohol
Flecainid kann Schwindel, Sehstörungen und Benommenheit verursachen – das Führen von Fahrzeugen oder das Bedienen von Maschinen ist beeinträchtigt. Alkohol verstärkt diese Effekte und erhöht das proarrhythmische Risiko. Grapefruit(saft) hemmt den Abbau über CYP3A4/CYP2D6 und führt zu erhöhten Spiegeln – strikt meiden.
Dosierungsanleitung
- Standard (Erwachsene): Initial 50 mg zweimal täglich (100 mg/Tag). Bei unzureichender Wirkung nach 4–5 Tagen Steigerung auf 100 mg zweimal täglich (200 mg/Tag). In Ausnahmefällen (therapeutisches Drug Monitoring) max. 150 mg zweimal täglich (300 mg/Tag) – jedoch bei strukturellen Herzerkrankungen kontraindiziert.
- Niereninsuffizienz (Kreatinin‑Clearance < 35 ml/min): Initial 50 mg einmal oder zweimal täglich, Spiegelkontrolle.
- Leberinsuffizienz (Child‑Pugh A/B): Reduzierte Initialdosis (50 mg 1‑2‑mal täglich).
- Kinder: Keine allgemeine Zulassung; nur in spezialisierten Zentren.
- Hinweis: Tabletten unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit einnehmen, unabhängig von den Mahlzeiten.
Nebenwirkungen und Kontraindikationen
Häufige Nebenwirkungen (1–10 %)
- Schwindel, Benommenheit, Sehstörungen (Verschwommensehen, Doppelbilder), Kopfschmerzen, Übelkeit, Müdigkeit, Kurzatmigkeit (Dyspnoe).
Gelegentliche Nebenwirkungen (0,1–1 %)
- Proarrhythmische Effekte (Verschlechterung bestehender Rhythmusstörungen, ventrikuläre Tachykardie, AV-Block), Synkope, Obstipation, Appetitverlust, Tremor, Parästhesien.
Seltene, schwerwiegende Nebenwirkungen (< 0,1 %)
- Interstitielle Pneumonitis, Leberfunktionsstörungen, Knochenmarksdepression (Leukopenie, Thrombozytopenie), Stevens‑Johnson‑Syndrom, Herzstillstand (bei vorbestehenden strukturellen Schäden).
Absolute Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit gegen Flecainid oder sonstige Bestandteile.
- Manifeste Herzinsuffizienz (NYHA III–IV).
- Kardiogener Schock.
- Schwere symptomatische Bradykardie (Herzfrequenz < 50/min).
- Elektrolytstörungen (Hypokaliämie, Hypermagnesiämie) – vor Beginn ausgleichen.
- Gleichzeitige Behandlung mit anderen Antiarrhythmika der Klasse I oder III (außer streng stationärer Kontrolle).
- Bekanntes Brugada‑Syndrom (Flecainid kann den ST‑Streckenanstieg provozieren).
- Signifikante strukturelle Herzerkrankung (Zustand nach Myokardinfarkt, linksventrikuläre Hypertrophie > 14 mm, Kardiomyopathie) – CAST‑Studie zeigte erhöhte Mortalität.
Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln
- CYP2D6‑Hemmer (Paroxetin, Fluoxetin, Chinidin, Terbinafin, Cimetidin, Diphenhydramin): Erhöhen Flecainid‑Spiegel bis 100 % – Dosis reduzieren, Spiegelkontrolle.
- Amiodaron: Steigert Flecainid‑Konzentration um 40–60 %; kombinierte Anwendung nur unter stationären Bedingungen.
- Andere Antiarrhythmika (Disopyramid, Propafenon, Verapamil): Additive negativ‑inotrope und proarrhythmische Effekte – kontraindiziert.
- Diuretika (Thiazide, Schleifendiuretika): Hypokaliämie verstärkt proarrhythmische Wirkung – Kaliumspiegel kontrollieren.
- Digoxin: Geringer Anstieg der Digoxin‑Spiegel möglich – Digoxin‑Spiegel überwachen.
- CYP2D6‑Induktoren (Rifampicin, Barbiturate, Carbamazepin, Johanniskraut): Senken Flecainid‑Konzentration – Dosisanpassung notwendig.
- Grapefruit‑Saft: Hemmt CYP3A4 und erhöht die Bioverfügbarkeit – meiden.
Praktische Hinweise
- Einnahme: Tabletten im 12‑Stunden‑Abstand (morgens und abends) einnehmen. Bei Vergessen einer Dosis: Nachholen, wenn es noch mindestens 6 Stunden bis zur nächsten Dosis ist; sonst auslassen. Keine doppelte Dosis.
- Regelmäßige Kontrollen: Vor Therapie und in der Initialphase EKG (QRS‑Verbreiterung, PQ‑Verlängerung), Nieren‑ und Leberwerte, Elektrolyte (Kalium, Magnesium). Bei Langzeittherapie alle 6–12 Monate Kontroll‑EKG und ggf. Spiegelbestimmung (therapeutischer Bereich ca. 0,2–1,0 mg/l).
- Lagerung: Bei Raumtemperatur (15–25 °C) in der Originalverpackung, trocken und lichtgeschützt. Außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren.
- Überdosierung: Äußert sich durch starke Verbreiterung des QRS‑Komplexes, AV‑Block, Bradykardie, Hypotonie, Herzstillstand. Bei Verdacht sofort Notruf 112. Es gibt kein Antidot – symptomatische Intensivtherapie (Natriumbicarbonat bei breitem QRS).
Alternative Medikamente (bei Unverträglichkeit oder Kontraindikation)
- Propafenon (Klasse IC): Ähnlicher Wirkmechanismus, jedoch stärkere negativ‑inotrope Komponente; ebenfalls kontraindiziert bei strukturellen Herzerkrankungen.
- Amiodaron (Klasse III): Breites Wirkungsspektrum, hohe Effektivität bei Vorhofflimmern und ventrikulären Tachykardien, aber ausgeprägte Organ‑Nebenwirkungen (Lunge, Schilddrüse, Leber, Hornhaut).
- Sotalol (Klasse II+III): Kombination aus Betablockade und Kaliumkanalblockade; risiko für Torsade‑de‑pointes‑Tachykardie (QT‑Zeit kontrollieren).
- Betablocker (Metoprolol, Bisoprolol): Wirksam bei adrenergen Tachykardien, jedoch weniger effektiv bei echten Reentry‑Tachykardien.
- Kalziumantagonisten (Verapamil, Diltiazem): Nur bei supraventrikulären Tachykardien, nicht bei ventrikulären Arrhythmien.
- Katheterablation: Kurativ bei vielen fokalen und Reentry‑Tachykardien (WPW, AV‑Knoten‑Reentry, typisches Vorhofflattern).
Klinische Wirksamkeit
Flecainid ist gut untersucht für die medikamentöse Rhythmuskontrolle bei Vorhofflimmern. In placebokontrollierten Studien konnte die Zeit bis zum ersten Rezidiv von Vorhofflimmern signifikant verlängert werden (Therapieerfolgsrate ca. 60–70 % nach 6 Monaten). Bei der akuten Terminierung von Vorhofflimmern zeigt intravenöses Flecainid eine Konversionsrate von über 80 % innerhalb von 60–90 Minuten. Bei ventrikulären Tachykardien ohne strukturelle Herzerkrankung (rechtsventrikuläre Ausflusstrakt‑Tachykardie) ist Flecainid wirksam, jedoch wegen der CAST‑Studie (1989) streng kontraindiziert bei Patienten mit vorausgegangenem Myokardinfarkt oder linksventrikulärer Ejektionsfraktion unter 40 %. In dieser Studie führte Flecainid im Vergleich zu Placebo zu einer 2,5‑fach höheren Mortalität. Daher ist die Auswahl der Patienten entscheidend: Nur bei „gesundem Herzen“ (keine signifikante Ischämie, keine Hypertrophie, keine Kardiomyopathie) ist Flecainid sicher. Therapeutisches Drug Monitoring (Spiegel 0,2–1,0 mg/l) verbessert die Sicherheit.
Wichtig: Flecainid ist ein verschreibungspflichtiges Antiarrhythmikum mit einem engen therapeutischen Fenster und einem signifikanten proarrhythmischen Risiko, insbesondere bei Patienten mit strukturellen Herzerkrankungen, eingeschränkter linksventrikulärer Funktion oder ischämischer Herzkrankheit. Vor der ersten Einnahme ist eine gründliche kardiologische Abklärung (Echokardiographie, ggf. Belastungs‑EKG, Langzeit‑EKG, Ausschluss eines Brugada‑Syndroms) zwingend erforderlich. Die Anwendung darf nur unter regelmäßiger ärztlicher Kontrolle (EKG, Elektrolyte, Nierenfunktion) erfolgen. Eine Selbstbehandlung ist wegen des Risikos plötzlicher ventrikulärer Tachyarrhythmien (Torsade de pointes oder Kammerflimmern) lebensgefährlich. Flecainid darf niemals zusammen mit anderen Klasse‑I‑ oder Klasse‑III‑Antiarrhythmika eingenommen werden. Bei neu auftretender Atemnot, Palpitationen, Schwindel mit Synkopen oder Sehstörungen ist sofort ein Arzt aufzusuchen. Dieses Informationsblatt ersetzt nicht die aktuelle Fach‑ und Gebrauchsinformation; verbindlich sind die Anweisungen des behandelnden Kardiologen.
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