Lenalidomide

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Lenalidomid (Handelsname Revlimid) ist ein immunmodulatorisches Medikament (IMiD) zur Behandlung des multiplen Myeloms bei Erwachsenen in Kombination mit Dexamethason, der transfusionsabhängigen Anämie aufgrund von Myelodysplastischen Syndromen (MDS) mit isolierter Deletion 5q sowie des rezidivierten oder refraktären Mantelzell-Lymphoms nach vorheriger Therapie. Lenalidomid bindet an das Cereblon-Protein und moduliert dessen E3-Ubiquitin-Ligase-Aktivität, was zum Abbau der Transkriptionsfaktoren Ikaros und Aiolos führt. Es wirkt direkt antitumoral, antiangiogen und immunmodulatorisch, indem es die Aktivität von T-Zellen und natürlichen Killerzellen verstärkt.

Übliche Erwachsenendosis: Die Dosierung variiert je nach Indikation. Beim multiplen Myelom beträgt die empfohlene Initialdosis 25 mg einmal täglich an den Tagen 1 bis 21 eines 28-tägigen Zyklus in Kombination mit Dexamethason. Bei MDS mit isolierter Deletion 5q beträgt die Initialdosis 10 mg einmal täglich an den Tagen 1 bis 21 eines 28-tägigen Zyklus. Beim Mantelzell-Lymphom beträgt die Initialdosis 25 mg einmal täglich an den Tagen 1 bis 21 eines 28-tägigen Zyklus. Die 10-mg-Kapsel wird sowohl als Initialdosis bei MDS als auch als Dosisreduktionsstufe verwendet: Bei Auftreten von Neutropenie oder Thrombozytopenie kann die Dosis schrittweise auf 15 mg, 10 mg oder 5 mg reduziert werden. Die Kapseln sollten jeden Tag zur gleichen Zeit, vorzugsweise abends, unabhängig von den Mahlzeiten mit einem Glas Wasser eingenommen werden. Sie dürfen nicht geöffnet, zerkaut oder zerdrückt werden.

Darreichungsform: Hartkapseln in mehreren Stärken: 2,5 mg (weiß/blau), 5 mg (weiß), 7,5 mg (weiß/hellblau), 10 mg (blau/hellblau), 15 mg (blau/weiß), 20 mg (blau/grün) und 25 mg (weiß). Erhältlich in Packungen zu 7, 21 oder 28 Kapseln, abhängig vom Therapieschema.

Wirkungseintritt: Maximale Plasmakonzentrationen werden etwa 1 bis 1,5 Stunden nach oraler Einnahme erreicht. Ein klinisches Ansprechen beim multiplen Myelom, gemessen als Abnahme des M-Proteins oder der Leichtketten, kann innerhalb der ersten 1 bis 3 Behandlungszyklen beobachtet werden. Bei MDS kann eine Reduktion des Transfusionsbedarfs nach etwa 4 bis 8 Wochen eintreten. Der immunmodulatorische Effekt auf T-Zellen setzt kontinuierlich ein.

Wirkdauer: Die Eliminationshalbwertszeit beträgt etwa 3 Stunden bei gesunden Probanden und 3 bis 5 Stunden bei Patienten mit multiplem Myelom. Trotz der kurzen Halbwertszeit erlaubt das Dosierungsschema mit täglicher Einnahme über 21 Tage eine anhaltende pharmakodynamische Wirkung auf die Zielzellen. Lenalidomid wird hauptsächlich unverändert über die Nieren ausgeschieden (ca. 82 %), weshalb bei eingeschränkter Nierenfunktion eine Dosisanpassung erforderlich ist.

Empfehlung zu Alkohol: Alkoholkonsum sollte während der Behandlung mit Lenalidomid vermieden oder auf ein Minimum beschränkt werden. Obwohl keine direkte Wechselwirkung mit Alkohol bekannt ist, kann Alkohol die Leber- und Nierenfunktion beeinträchtigen und das Risiko von Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Schwindel und Übelkeit verstärken. Zudem ist bei Patienten mit multiplem Myelom die Nierenfunktion häufig bereits eingeschränkt, was durch Alkohol zusätzlich belastet werden kann. Regelmäßige Kontrollen des Blutbildes und der Organfunktionen sind unter der Therapie obligatorisch.

Häufigste Nebenwirkungen: Neutropenie, Thrombozytopenie, Anämie, Müdigkeit, Durchfall, Übelkeit, Obstipation, Infektionen (insbesondere Pneumonie), Hautausschlag und venöse Thromboembolien. Neutropenie und Thrombozytopenie sind dosislimitierende Nebenwirkungen, die engmaschige Blutbildkontrollen und gegebenenfalls G-CSF-Gabe oder Dosisanpassungen erfordern. Das Risiko für venöse Thromboembolien ist erhöht, insbesondere bei Kombination mit Dexamethason, weshalb eine Thromboseprophylaxe mit niedermolekularem Heparin oder Acetylsalicylsäure empfohlen wird. Lenalidomid unterliegt einem Schwangerschaftsverhütungsprogramm aufgrund seiner teratogenen und embryotoxischen Wirkung.

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Was ist Lenalidomid?

Lenalidomid ist ein immunmodulierendes Medikament, ein Abkömmling von Thalidomid, aber mit einem anderen Wirkspektrum und einem anderen Sicherheitsprofil. Eingesetzt wird es beim multiplen Myelom, bei bestimmten Formen des myelodysplastischen Syndroms mit Deletion 5q, beim Mantelzelllymphom und bei anderen hämatologischen Erkrankungen. Es tut mehrere Dinge gleichzeitig: Es unterdrückt die Vermehrung der Krebszellen, es blockiert die Blutversorgung des Tumors, und es aktiviert das Immunsystem gegen die entarteten Zellen. Die genauen Mechanismen sind komplexer als bei klassischen Zytostatika, und nicht alles davon ist im Detail verstanden.

Lenalidomid heilt nicht. Beim multiplen Myelom verlängert es das progressionsfreie Überleben, in Kombination mit Dexamethason oder anderen Wirkstoffen auch das Gesamtüberleben. Patienten, die auf die Therapie ansprechen, können über Jahre hinweg in Remission bleiben. Entscheidend ist die regelmäßige Einnahme über Zyklen – typischerweise 21 Tage Therapie, gefolgt von 7 Tagen Pause. Dieser Rhythmus gibt dem Knochenmark Zeit, sich zu erholen, und hält die Nebenwirkungen beherrschbar.

Die übliche Dosis beträgt 10 mg oder 25 mg einmal täglich, je nach Indikation, Nierenfunktion und Verträglichkeit. Die 10-mg-Kapsel ist die häufigste Startdosis bei myelodysplastischem Syndrom und die gängige Erhaltungsdosis nach Hochdosis-Chemotherapie beim Myelom. Die Kapseln werden unzerkaut mit Wasser geschluckt, mit oder ohne Nahrung, immer zur gleichen Tageszeit.

Wirkweise und Pharmakologie

Lenalidomid bindet an Cereblon, ein Protein, das Teil des E3-Ubiquitin-Ligase-Komplexes ist. Diese Bindung verändert die Substratspezifität des Komplexes, sodass bestimmte Transkriptionsfaktoren – Ikaros und Aiolos – für den proteasomalen Abbau markiert werden. Das klingt abstrakt, aber die Konsequenz ist konkret: Ikaros und Aiolos sind essenziell für das Überleben von Myelomzellen. Werden sie abgebaut, sterben die Tumorzellen. Gleichzeitig stimuliert Lenalidomid T-Zellen und natürliche Killerzellen, was die antitumorale Immunantwort verstärkt. Es wirkt also direkt zytotoxisch und indirekt immunologisch.

Die Bioverfügbarkeit ist hoch und wird durch Nahrung nicht wesentlich beeinflusst. Die maximale Plasmakonzentration wird 0,5 bis 1,5 Stunden nach Einnahme erreicht. Lenalidomid wird kaum metabolisiert – über 80 Prozent werden unverändert über die Nieren ausgeschieden. Das ist der entscheidende Punkt für die Dosierung. Die Halbwertszeit beträgt etwa 3 bis 4 Stunden bei normaler Nierenfunktion, kann aber bei eingeschränkter Clearance auf über 8 Stunden ansteigen. Bei Kreatinin-Clearance unter 50 ml/min muss die Dosis reduziert werden, sonst akkumuliert der Wirkstoff und die Toxizität steigt. Das ist kein optionaler Hinweis, das ist klinisch relevant.

Anwendung von Lenalidomid

Nehmen Sie die Kapsel einmal täglich ein, morgens oder abends, zur gleichen Zeit. Die Einnahme mit oder ohne Nahrung ist möglich. Schlucken Sie die Kapsel ganz mit einem Glas Wasser. Nicht öffnen, nicht zerkauen, nicht zerdrücken. Der Inhalt ist reizend für Haut und Schleimhäute. Wenn Pulver aus der Kapsel auf die Haut gelangt, sofort mit Wasser und Seife abwaschen.

Die Einnahme erfolgt in Zyklen: 21 Tage Behandlung, 7 Tage Pause. In der Pause erholt sich das Knochenmark, die Blutwerte steigen wieder an. Wer die Pause weglässt oder verkürzt, riskiert eine anhaltende Myelosuppression, die die Fortsetzung der Therapie gefährdet. Die Zyklusstruktur ist kein willkürliches Schema, sondern ergibt sich aus der Knochenmarkstoxizität.

Wenn Sie eine Dosis vergessen und weniger als 12 Stunden verstrichen sind, nehmen Sie sie ein. Sind mehr als 12 Stunden vergangen, lassen Sie die Dosis aus und nehmen die nächste Kapsel zum gewohnten Zeitpunkt. Niemals zwei Kapseln einnehmen, um eine vergessene Dosis auszugleichen. Die Toxizität ist dosisabhängig, und eine Doppeldosis kann eine schwere Neutropenie oder Thrombozytopenie triggern.

Die 10-mg-Dosis wird häufig als Erhaltungstherapie nach autologer Stammzelltransplantation eingesetzt. Patienten nehmen dann über Monate oder Jahre täglich 10 mg, ohne die Zykluspausen wie in der Induktionstherapie. Das Ziel ist, die Remission zu verlängern. Auch hier gilt: Regelmäßige Blutbildkontrollen alle vier Wochen, und bei Neutropenie oder Thrombozytopenie Dosisreduktion auf 5 mg oder Pausierung.

Nebenwirkungen von Lenalidomid

Myelosuppression ist die häufigste und gefährlichste Nebenwirkung. Neutropenie tritt bei über 40 Prozent der Patienten auf, Thrombozytopenie bei etwa 20 Prozent. Beides ist dosisabhängig und im Zyklus vorhersehbar – der Tiefpunkt liegt meist um Tag 14 eines 21-Tage-Zyklus. Blutbildkontrollen sind alle ein bis zwei Wochen nötig, bei Dosisänderung oder eingeschränkter Nierenfunktion häufiger. Granulozyten-Kolonie-stimulierende Faktoren werden eingesetzt, um die Neutrophilen über 1,0 x 10 hoch 9 pro Liter zu halten. Thrombozytentransfusionen bei Werten unter 10 x 10 hoch 9 pro Liter oder Blutungszeichen.

Thromboembolien sind die zweite große Gefahr. Lenalidomid erhöht das Risiko für tiefe Venenthrombosen und Lungenembolien, besonders in Kombination mit Dexamethason oder anderen Chemotherapien. Ohne Thromboseprophylaxe liegt die Inzidenz bei 10 bis 20 Prozent. ASS 100 mg täglich reicht bei niedrigem Risiko, bei höherem Risiko werden niedermolekulare Heparine oder orale Antikoagulanzien eingesetzt. Symptome wie einseitige Beinschwellung, plötzliche Atemnot oder Brustschmerzen sind kein Bagatell, sondern ein Notfall.

Müdigkeit und periphere Neuropathie sind die Alltagslast. Die Fatigue unter Lenalidomid ist oft ausgeprägter als erwartet, und sie kumuliert über die Zyklen. Pausen einhalten hilft, aber die Erschöpfung verschwindet selten ganz. Die Neuropathie äußert sich als Kribbeln oder Taubheit in Händen und Füßen, meist reversibel nach Dosisreduktion. Melden Sie diese Symptome frühzeitig – fortgeschrittene Neuropathie kann irreversibel sein.

Hautausschlag, Durchfall und Übelkeit sind häufig, aber selten schwerwiegend. Symptomatische Behandlung, Flüssigkeitszufuhr, bei Durchfall Loperamid. Wenn der Ausschlag großflächig wird oder Blasen bildet, sofort den Arzt informieren – das kann ein Stevens-Johnson-Syndrom sein, selten, aber lebensbedrohlich.

Sekundärmalignome sind ein Langzeitrisiko. Lenalidomid erhöht die Inzidenz von akuter myeloischer Leukämie und myelodysplastischem Syndrom, besonders bei längerer Anwendung. Das ist kein Grund, die Therapie zu unterlassen, aber ein Grund für regelmäßige hämatologische Überwachung auch nach Absetzen.

Risikogruppen (ältere Menschen, Schwangerschaft)

Schwangerschaft ist absolut kontraindiziert. Lenalidomid ist strukturell mit Thalidomid verwandt, und Thalidomid hat in den 1960er Jahren eine der schlimmsten medizinischen Katastrophen der Geschichte verursacht – tausende Kinder mit schweren Fehlbildungen. Lenalidomid unterliegt einem Schwangerschaftsverhütungsprogramm mit strengen Auflagen. Frauen im gebärfähigen Alter müssen einen negativen Schwangerschaftstest vorlegen, der nicht älter als drei Tage ist, und während der gesamten Behandlung sowie vier Wochen danach eine hochwirksame Kontrazeption anwenden – mindestens eine Methode, idealerweise zwei. Monatliche Schwangerschaftstests sind Pflicht. Männer, die Lenalidomid einnehmen, müssen Kondome benutzen, da der Wirkstoff in Spuren in die Samenflüssigkeit übergeht. Das ist keine bürokratische Vorschrift, das ist eine Lehre aus der Geschichte.

Ältere Patienten stellen die Mehrheit der Behandelten – das multiple Myelom ist eine Erkrankung des höheren Lebensalters. Über 70-Jährige haben ein höheres Risiko für Myelosuppression und Thromboembolien. Die Startdosis wird oft auf 10 mg reduziert, und die Überwachung ist engmaschiger. Das Alter allein ist keine Kontraindikation, aber die Dosis muss der Nierenfunktion und dem Allgemeinzustand angepasst sein.

Patienten mit Niereninsuffizienz brauchen zwingend eine Dosisanpassung. Bei Kreatinin-Clearance zwischen 30 und 50 ml/min beträgt die empfohlene Dosis 10 mg einmal täglich. Zwischen 15 und 30 ml/min sind es 15 mg alle 48 Stunden, unter 15 ml/min 5 mg alle 24 Stunden an Dialysetagen. Die Niere eliminiert Lenalidomid, und wenn sie versagt, akkumuliert der Wirkstoff. Das ist kein theoretisches Problem, sondern klinische Routine.

Raucher haben ein erhöhtes Risiko für thromboembolische Ereignisse unter Lenalidomid. Die Kombination aus Tumorerkrankung, Lenalidomid, Dexamethason und Nikotin potenziert das Thromboserisiko. Ein Rauchstopp ist dringend anzuraten, nicht nur aus allgemeinen Gesundheitsgründen, sondern spezifisch wegen der Therapie.

Wechselwirkungen mit Alltagsaktivitäten (Autofahren, Alkohol)

Autofahren ist unter Lenalidomid meist möglich, aber Fatigue und Neuropathie können die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Wenn Sie sich erschöpft fühlen oder ein Taubheitsgefühl in den Füßen das Bedienen der Pedale unsicher macht, fahren Sie nicht. Testen Sie Ihre Reaktion in den ersten Tagen eines neuen Zyklus, bevor Sie längere Strecken planen. Die Fatigue ist oft am schlimmsten gegen Ende der Behandlungsphase, um Tag 18 bis 21.

Alkohol in Maßen ist vertretbar, aber es gibt Vorbehalte. Lenalidomid und Alkohol werden nicht direkt interagiert, aber Alkohol kann die Leber belasten, und Lenalidomid kann in Kombination mit Dexamethason die Leberwerte erhöhen. Bei vorbestehender Leberschädigung sollten Sie verzichten. Ein Glas Wein gelegentlich ist bei stabilen Leberwerten akzeptabel. Wichtiger ist die Flüssigkeitszufuhr – Durchfall unter Lenalidomid dehydriert, und Alkohol verstärkt das.

Ernährung spielt eine Rolle bei der Thromboseprophylaxe. Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Flüssigkeit reduziert das Thromboserisiko indirekt. Vitamin-K-haltige Lebensmittel in stabilen Mengen essen, wenn Sie Warfarin einnehmen – Schwankungen im Vitamin-K-Haushalt beeinflussen die INR. Grapefruitsaft ist bei Lenalidomid weniger problematisch als bei anderen Medikamenten, da CYP3A4 keine zentrale Rolle im Metabolismus spielt, aber Vorsicht ist trotzdem angebracht.

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln

Lenalidomid hat ein günstiges Interaktionsprofil, weil es kaum über Cytochrom P450 metabolisiert wird. Die Hauptsorge gilt der additiven Toxizität, nicht pharmakokinetischen Interaktionen.

Dexamethason wird standardmäßig mit Lenalidomid kombiniert und verstärkt das Thromboserisiko erheblich. Ohne Prophylaxe unter dieser Kombination ist die Rate venöser Thromboembolien inakzeptabel hoch. ASS 100 mg täglich oder niedermolekulares Heparin je nach Risikoprofil sind obligatorisch. Dexamethason erhöht außerdem den Blutzucker, und Diabetiker müssen ihre Werte engmaschiger kontrollieren.

Andere myelosuppressive Medikamente – Melphalan, Cyclophosphamid, Bortezomib – verstärken die Knochenmarkstoxizität. Blutbildkontrollen sind bei Kombinationstherapien noch wichtiger, und die Dosen der Einzelwirkstoffe müssen oft reduziert werden. Die Kunst der Myelomtherapie liegt im Ausbalancieren der Toxizitäten.

Orale Antikoagulanzien wie Warfarin oder NOAKs werden häufig gleichzeitig eingenommen, eben wegen des Thromboserisikos. Regelmäßige INR-Kontrollen bei Warfarin sind Standard. NOAKs haben weniger Monitoring, aber bei eingeschränkter Nierenfunktion muss die Dosis angepasst werden.

Digoxin und andere P-Glykoprotein-Substrate können in ihrer Resorption beeinflusst werden, da Lenalidomid ein schwacher P-Glykoprotein-Inhibitor ist. Klinisch ist diese Interaktion selten relevant, aber bei Patienten mit engem therapeutischem Fenster wie Digoxin sollte der Spiegel kontrolliert werden.

Erythropoese-stimulierende Substanzen wie Erythropoietin werden oft begleitend eingesetzt, um die Anämie zu behandeln. Das ist sinnvoll und verträglich, aber das erhöhte Thromboserisiko durch beide Substanzen muss bedacht werden. Hämoglobin-Zielwerte nicht über 12 g/dl anstreben – das Thromboserisiko steigt dann überproportional.

Alternative Optionen

Lenalidomid ist eine wichtige Option, aber nicht die einzige. Die Wahl hängt von der Indikation, den genetischen Veränderungen und der Vortherapie ab.

Thalidomid ist der Vorgänger und kostengünstiger, aber mit mehr Neuropathie und stärkerer Sedierung. Für manche Patienten ist es eine Alternative, wenn Lenalidomid nicht verfügbar oder unverträglich ist. Die teratogene Wirkung ist bei beiden vorhanden, das Schwangerschaftsverhütungsprogramm gilt für beide.

Pomalidomid ist das Drittgenerations-Immunmodulans, etwa zehnfach potenter als Lenalidomid. Es wird eingesetzt, wenn Patienten auf Lenalidomid nicht mehr ansprechen oder refraktär sind. Auch hier Cereblon-Bindung als Mechanismus, aber die Nebenwirkungen – insbesondere Myelosuppression – sind oft ausgeprägter.

Proteasom-Inhibitoren wie Bortezomib oder Carfilzomib sind eine andere Wirkstoffklasse mit anderem Mechanismus und anderem Nebenwirkungsprofil. Bortezomib verursacht mehr Neuropathie, Carfilzomib mehr kardiale Toxizität. Sie werden mit Lenalidomid kombiniert oder sequenziell eingesetzt.

Daratumumab, ein monoklonaler Anti-CD38-Antikörper, hat die Myelomtherapie in den letzten Jahren verändert. In Kombination mit Lenalidomid und Dexamethason verlängert es das progressionsfreie Überleben erheblich. Es wird subkutan oder intravenös verabreicht und ist deutlich teurer, aber hochwirksam.

Für Patienten mit myelodysplastischem Syndrom und Deletion 5q gibt es kaum Alternativen zu Lenalidomid. Es ist die einzige zugelassene zielgerichtete Therapie für diese Subgruppe und erreicht bei einem Großteil der Patienten Transfusionsfreiheit.

INN, Markennamen und Einstufung in Deutschland

INN (Internationaler Freiname): Lenalidomid
Verfügbare Markennamen in Deutschland: Revlimid, diverse Generika
ATC-Code: L04AX04
Formen und Stärken: Hartkapseln zu 2,5 mg, 5 mg, 7,5 mg, 10 mg, 15 mg, 20 mg, 25 mg
Hersteller: Bristol-Myers Squibb (Revlimid), diverse Generikahersteller (z. B. Teva, Sandoz/Hexal, Zentiva)
Registrierungsstatus in Deutschland: Registriert
Einstufung: Verschreibungspflichtig (Rx), unterliegt dem Schwangerschaftsverhütungsprogramm

Die richtige Dosierung wählen

Die Standarddosis beim multiplen Myelom beträgt 25 mg täglich für 21 Tage, gefolgt von 7 Tagen Pause, in Kombination mit Dexamethason. Die 10-mg-Kapsel ist die Standarderhaltungsdosis nach autologer Stammzelltransplantation – 10 mg täglich kontinuierlich über Monate oder Jahre. Beim myelodysplastischen Syndrom mit Deletion 5q beträgt die Startdosis 10 mg täglich für 21 Tage pro 28-Tage-Zyklus.

Dosisanpassungen erfolgen nach Blutbild. Bei Neutropenie unter 1,0 x 10 hoch 9 pro Liter wird die Dosis um eine Stufe reduziert – von 25 auf 20 mg, auf 15 mg, auf 10 mg, auf 5 mg. Bei Thrombozytopenie unter 50 x 10 hoch 9 pro Liter ebenfalls Reduktion. Die Nierenfunktion diktiert die Maximaldosis. Wer die Dosisanpassung ignoriert, riskiert schwere Infektionen durch Neutropenie oder Blutungen durch Thrombozytopenie. Das ist der Ernst der Sache hinter den Zahlen.

In Deutschland ist Lenalidomid verschreibungspflichtig und unterliegt strengen Abgabevorschriften wegen der Teratogenität. Über unsere Apotheke können Sie Lenalidomid 10 mg sowie andere Stärken ohne Rezept kaufen und in diskreter Verpackung in ganz Deutschland erhalten.

Häufig gestellte Fragen

Kann ich nach der Einnahme von Lenalidomid Auto fahren?
Für die meisten Patienten ja. Wenn Sie jedoch unter ausgeprägter Fatigue oder peripherer Neuropathie mit Taubheitsgefühl in den Füßen leiden, fahren Sie nicht. Testen Sie Ihre Reaktion in den ersten Tagen eines neuen Zyklus, bevor Sie längere Fahrten antreten.

Was mache ich, wenn ich eine Dosis vergesse?
Weniger als 12 Stunden verstrichen: Kapsel einnehmen. Mehr als 12 Stunden: Dosis auslassen und mit der nächsten planmäßigen Dosis fortfahren. Niemals zwei Kapseln einnehmen, um eine vergessene Dosis auszugleichen.

Warum sind Schwangerschaftstests und Verhütung so streng geregelt?
Lenalidomid ist mit Thalidomid verwandt, das in den 1960er Jahren schwere Geburtsfehler verursacht hat. Auch Lenalidomid ist teratogen. Das Schwangerschaftsverhütungsprogramm mit monatlichen Tests und strikter Kontrazeption ist aus dieser historischen Erfahrung entstanden und nicht verhandelbar.

Welche Blutuntersuchungen sind notwendig?
Blutbild alle ein bis zwei Wochen während der ersten Zyklen, bei stabilen Werten monatlich. Nierenfunktion und Leberwerte vor Therapiebeginn und regelmäßig danach. Bei Kombination mit Warfarin INR-Kontrollen nach Schema. Bei Zeichen einer Infektion sofort Blutbild und Differentialblutbild.

Kann ich Lenalidomid zusammen mit anderen Medikamenten einnehmen?
In der Regel ja, das Interaktionspotenzial über CYP-Enzyme ist gering. Besprechen Sie alle Begleitmedikamente mit Ihrem Arzt. Die Thromboseprophylaxe mit ASS oder Antikoagulanzien ist ein integraler Bestandteil der Therapie, keine Begleitmedikation im eigentlichen Sinne.

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