Mirtazapine

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Mirtazapin ist ein Antidepressivum, das zur Behandlung von schweren Depressionen und damit verbundenen Erkrankungen wie Angstzuständen und Schlaflosigkeit eingesetzt wird. Es verbessert die Stimmung durch die Ausbalancierung von Botenstoffen im Gehirn und fördert zudem einen besseren Schlaf und Appetit. Aufgrund seiner sedierenden Wirkung wird es normalerweise abends eingenommen. Die regelmäßige Anwendung gemäß Verschreibung trägt zur Verbesserung des emotionalen Wohlbefindens und der Lebensqualität bei.

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Mirtazapin ist ein Antidepressivum der tetrazyklischen Gruppe, das in Deutschland zur Behandlung einer akuten unipolaren depressiven Episode zugelassen ist. Es wirkt als sogenanntes NaSSA (noradrenerges und spezifisch serotonerges Antidepressivum), indem es die Konzentration der stimmungs- und antriebsrelevanten Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin im Gehirn erhöht.

Die übliche Dosis von Mirtazapin beträgt: Die Standard-Startdosis für Erwachsene liegt bei 15 bis 30 mg einmal täglich. Die Dosis kann alle 1 bis 2 Wochen schrittweise gesteigert werden, die Maximaldosis beträgt 45 mg pro Tag.
Darreichungsform: Mirtazapin ist in Deutschland als Filmtabletten sowie als Schmelztabletten erhältlich.
Wirkungseintritt: Die depressive Symptomatik bessert sich im Allgemeinen innerhalb von 1 bis 2 Wochen. Die Einstellung des vollen Therapieerfolges ist meist nach 2 bis 4 Wochen zu erwarten.
Wirkdauer: Die Plasmahalbwertszeit von Mirtazapin beträgt etwa 20 bis 40 Stunden, sodass eine einmal tägliche Einnahme ausreichend ist.
Alkoholempfehlung: Alkohol kann die dämpfende (sedierende) Wirkung des Medikaments erheblich verstärken; während der Behandlung sollte daher gänzlich auf Alkohol verzichtet werden.
Häufigste Nebenwirkungen: Bei mehr als 10 Prozent der Behandelten treten gesteigerter Appetit, Gewichtszunahme, Schläfrigkeit, Sedierung, Kopfschmerzen und ein trockener Mund auf.

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Allgemeine Informationen über Mirtazapin

  • INN (Internationale Nicht-Eigentumsbezeichnung): Mirtazapin
  • In Deutschland verfügbare Markennamen: Mirtazapin-1A Pharma®, Mirtazapin Heumann®, Mirtazapin ratiopharm®, Mirtazapin STADA®, Mirtalich® sowie zahlreiche weitere Generika.
  • ATC-Code: N06AX11
  • Darreichungsformen und Dosierungen (oral): Filmtabletten (15 mg, 30 mg, 45 mg), Schmelztabletten und orale Lösung zur besseren Einnahmefähigkeit.
  • Hersteller in Deutschland (Auswahl): Hexal AG, ratiopharm GmbH, Heumann Pharma GmbH & Co. KG, 1A Pharma GmbH, STADAPHARM GmbH und weitere.
  • Registrierungsstatus in Deutschland: Zugelassen.
  • OTC / Rx‑Klassifikation: Verschreibungspflichtig (Rezeptpflichtig, Rx).

Wirkmechanismus und Pharmakologie

Mirtazapin zählt zur Wirkstoffgruppe der tetrazyklischen Antidepressiva und wird den spezifisch noradrenergen serotonergen Antidepressiva (NaSSA) zugeordnet. Es wirkt zentral als Alpha-2-Antagonist und verstärkt dadurch die noradrenerge und serotonerge Neurotransmission: Es blockiert präsynaptische α2-adrenerge Rezeptoren, wodurch die negative Rückkopplung unterdrückt und vermehrt Noradrenalin ausgeschüttet wird. Dies führt zu einer höheren Aktivität im noradrenergen System.

Im Vergleich zu anderen Antidepressiva wie Amitriptylin weist Mirtazapin eine deutliche anxiolytische und schlaffördernde Wirkung auf. Die sedierende Wirkung von Mirtazapin wird durch die Hemmung von Histamin-Rezeptoren (H1-Rezeptoren) vermittelt, die eine Blockade des Schlaf-Wach-Rhythmus bewirkt. Daher wird der Wirkstoff nicht nur bei Depressionen, sondern auch off-label bei Schlafstörungen eingesetzt. Zudem hat Mirtazapin praktisch keine anticholinerge Wirkung und beeinflusst das kardiovaskuläre System in therapeutischen Dosen kaum.

Anwendungsgebiete

  • Akute Behandlung und Rückfallprophylaxe unipolarer depressiver Episoden bei Erwachsenen.
  • Off‑Label: Behandlung von Angsterkrankungen, Panikstörungen sowie Schlafstörungen.

Wichtige Warnungen und Einschränkungen

Risikogruppen

  • Kinder und Jugendliche (unter 18 Jahren): Die Wirksamkeit ist nicht nachgewiesen, die Anwendung wird nicht empfohlen; in Studien wurde ein erhöhtes Risiko für selbstverletzendes Verhalten beobachtet.
  • Ältere Patienten (65 Jahre und älter): Die Dosierung entspricht der für Erwachsene, Dosiserhöhungen sollten jedoch besonders engmaschig überwacht werden.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Die Sicherheit ist nicht ausreichend belegt. Eine Anwendung sollte nur nach strenger Nutzen‑Risiko‑Abwägung erfolgen.
  • Patienten mit Leber- oder Nierenfunktionsstörungen (Kreatinin-Clearance < 40 ml/min): Die Ausscheidung ist möglicherweise reduziert, daher ist Vorsicht geboten und eine niedrigere Dosis zu erwägen.
  • Bipolare Störung: Vor Therapiebeginn ist auf eine bipolare Störung zu screenen, da Mirtazapin manische Phasen auslösen kann.

Fahrtauglichkeit und Alkohol

Mirtazapin kann die Fahrtüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen erheblich beeinträchtigen. Alkohol verstärkt die sedierende Wirkung in gefährlichem Maße und sollte daher strikt vermieden werden.

Dosierungsanleitung

  • Einschleichende Erhöhung und Maximaldosis: Falls nötig, kann die Dosis alle 1-2 Wochen gesteigert werden, maximal bis 45 mg Mirtazapin pro Tag. Ein Therapieabbruch sollte wegen möglicher Absetzsymptome (Schlaflosigkeit, Unruhe) schrittweise (ausschleichend) erfolgen.
  • Ältere Patienten und spezielle Patientengruppen: Die Dosierung entspricht der für Erwachsene. Bei bekannter Leber‑, Niereninsuffizienz oder Herzerkrankung ist eine engmaschige Überwachung und gegebenenfalls eine reduzierte Dosis erforderlich.
  • Art der Anwendung: Die Tabletten werden einmal täglich vorzugsweise abends vor dem Schlafengehen unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen.

Nebenwirkungen und Kontraindikationen

Sehr häufige Nebenwirkungen (≥ 1/10 behandelte Patienten)

  • Gewichtszunahme
  • Steigerung des Appetits
  • Schläfrigkeit und Sedierung (dosisabhängig)
  • Trockener Mund

Häufige Nebenwirkungen (≥ 1/100 bis < 1/10)

  • Schwindel, Kopfschmerzen, Tremor, Lethargie, Alpträume, Verwirrung oder Angst
  • Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung
  • Orthostatische Hypotonie (Blutdruckabfall beim Aufstehen)
  • Periphere Ödeme, Gelenk‑, Muskel‑ und Rückenschmerzen sowie Hautausschläge

Seltene, schwerwiegende Nebenwirkungen (< 1/1000)

  • Granulozytopenie, Agranulozytose, aplastische Anämie
  • Inadäquate ADH‑Sekretion (SIADH) mit Hyponatriämie
  • Serotonin‑Syndrom (bei gleichzeitiger Einnahme serotonerger Substanzen mit Symptomen wie Agitation, Fieber, Muskelrigor)
  • Schwere Hautreaktionen wie Stevens‑Johnson‑Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse, DRESS‑Syndrom
  • Manische Episoden, Krampfanfälle, gesteigerte Suizidalität (insbesondere bei Therapiebeginn und jungen Erwachsenen)

Absolute Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegen Mirtazapin oder einen sonstigen Bestandteil.
  • Gleichzeitige Anwendung von Monoaminooxidase‑Hemmern (MAO‑Hemmern) oder innerhalb von 14 Tagen nach deren Absetzen.
  • Patienten mit bekannter allergischer Reaktion auf Mirtazapin.
  • Schwere Leber‑ oder Nierenfunktionsstörungen (Kreatinin‑Clearance < 30 ml/min) – die Anwendung ist kontraindiziert oder nur mit extrem reduzierter Dosis möglich.

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln

  • MAO‑Hemmer: Schwere und lebensbedrohliche Wechselwirkungen (Serotonin‑Syndrom, hypertensive Krise). Ein Abstand von mindestens 14 Tagen zwischen den Therapien ist zwingend erforderlich.
  • Serotonerge Substanzen (SSRI, SNRI, Triptane, Tramadol, Lithium, Johanniskraut): Erhöhtes Risiko für ein Serotonin‑Syndrom – gleichzeitige Anwendung vermeiden.
  • Zentral dämpfende Substanzen (Benzodiazepine, Opioide, Neuroleptika, Antihistaminika der ersten Generation, Alkohol): Additive Verstärkung der sedierenden Wirkung – darf nicht gemeinsam eingenommen werden.
  • CYP3A4‑Induktoren (Carbamazepin, Phenytoin, Rifampicin, Johanniskraut): Beschleunigen den Abbau von Mirtazapin, was zu erniedrigten Plasmaspiegeln und verminderter Wirksamkeit führen kann.
  • CYP3A4‑Hemmer (Ketoconazol, Itraconazol, Clarithromycin, Cimetidin, Fluvoxamin): Können den Mirtazapin‑Spiegel erhöhen – Überwachung auf verstärkte Nebenwirkungen empfohlen.
  • Warfarin und orale Antikoagulanzien: Mirtazapin kann die gerinnungshemmende Wirkung verstärken – regelmäßige INR‑Kontrollen sind erforderlich.

Praktische Hinweise

  • Einnahme und Lagerung: Die Tabletten sollten einmal täglich zur gleichen Zeit (vorzugsweise abends) eingenommen werden, um starke Tagesmüdigkeit zu vermeiden. Bei Raumtemperatur (15–25 °C) trocken und vor Licht geschützt in der Originalverpackung aufbewahren.
  • Vergessene Dosis: Wenn Sie eine Dosis vergessen haben, holen Sie diese nach, sofern noch mindestens 8 Stunden bis zur nächsten Einnahme verbleiben. Andernfalls lassen Sie die Dosis aus und setzen Sie die Einnahme zur gewohnten Zeit fort – keine doppelte Dosis einnehmen.
  • Ausschleichendes Absetzen: Das abrupte Absetzen von Mirtazapin kann zu Schlafstörungen, Unruhe, Angst, Reizbarkeit und Übelkeit führen. Die Dosis sollte über mehrere Wochen (idealerweise 2‑4 Wochen) in kleinen Schritten reduziert werden.
  • Therapiedauer: Eine akute depressive Episode sollte mindestens 6 Monate (Erhaltungstherapie) behandelt werden, um Rückfällen vorzubeugen.
  • Therapieresistenz: Falls sich trotz ausreichender Dosierung (z. B. 45 mg/Tag) nach 4–8 Wochen keine klinische Besserung zeigt, sollte die Therapie schrittweise beendet und eine andere Behandlungsstrategie gewählt werden.

Alternative Medikamente (bei Unverträglichkeit oder Kontraindikation)

  • Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI): Sertralin, Citalopram, Escitalopram – Mittel der ersten Wahl mit geringer Sedierung, jedoch häufiger auftretenden sexuellen Funktionsstörungen.
  • Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI): Venlafaxin, Duloxetin – bei schweren Depressionen mit Schmerzsymptomatik, ebenfalls wenig sedierend.
  • Bupropion: Noradrenalin-Dopamin-Wiederaufnahmehemmer (NDRI) – bei atypischen Depressionen mit Antriebsmangel und Müdigkeit, aber kein sedierender Effekt.
  • Amitriptylin und andere trizyklische Antidepressiva (TZA): Wirksam, aber mit stärker ausgeprägten anticholinergen Nebenwirkungen (Mundtrockenheit, Harnverhalt) und kardialer Toxizität bei Überdosierung.
  • Trazodon: Sedierendes Antidepressivum, oft bei Schlafstörungen eingesetzt, ebenfalls mit geringem Risiko für sexuelle Funktionsstörungen.
  • Agomelatin: Melatoninrezeptor-Agonist, wirkt auf den zirkadianen Rhythmus, keine Sedierung, geringe sexuelle Nebenwirkungen, jedoch erforderliche Leberwertkontrollen.

Klinische Wirksamkeit

Mirtazapin ist klinisch gut untersucht. In placebokontrollierten Zulassungsstudien führte die Behandlung über einen Zeitraum von 4-6 Wochen zu einer signifikanten Überlegenheit gegenüber Placebo. Es zeigte eine Wirksamkeit, die mit der von SSRI (z. B. Paroxetin, Fluoxetin) und TZA (z. B. Amitriptylin) vergleichbar ist, jedoch mit einem unterschiedlichen Nebenwirkungsprofil. Bei Patienten mit schweren Depressionen, Insomnie und Angstzuständen ist Mirtazapin aufgrund seiner sedierenden Wirkung besonders geeignet. Der Wirkungseintritt bezüglich der Schlafverbesserung ist bereits innerhalb weniger Behandlungstage bemerkenswert, während die vollständige antidepressive Wirkung nach etwa 2-4 Wochen eintritt. Mirtazapin ist auch in der Kombinationstherapie mit anderen Antidepressiva (z. B. SSRI) wirksam und gilt als Option bei Therapieresistenz.

Wichtig: Mirtazapin ist ein verschreibungspflichtiges Antidepressivum, das nicht ohne ärztliche Aufsicht eingenommen werden darf. Bei plötzlicher Verschlechterung der Stimmung, Auftreten von Suizidgedanken oder ungewöhnlichen Verhaltensänderungen (insbesondere zu Beginn der Therapie oder bei Dosisänderungen) ist sofort ein Arzt aufzusuchen. Die gleichzeitige Einnahme von Alkohol ist strikt zu vermeiden. Patienten mit Epilepsie, Beeinträchtigung des Knochenmarks oder akuten manischen Phasen dürfen Mirtazapin nur unter strenger ärztlicher Überwachung erhalten. Bei einer geplanten Operation oder Zahnbehandlung ist der Arzt über die Einnahme von Mirtazapin zu informieren, um Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu vermeiden. Vor dem Absetzen ist eine schrittweise Reduzierung (ausschleichendes Absetzen) zwingend erforderlich. Die vollständige Fachinformation und die Packungsbeilage sind zu beachten; verbindlich sind die Anweisungen des behandelnden Arztes.


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