Nortriptyline

Generic Nortriptyline (Nortriptyline Hydrochloride)

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Nortriptylin ist ein Medikament, das zur Behandlung von Depression angewendet wird.

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Nortriptylin wird zur Behandlung von Depressionen bei Erwachsenen eingesetzt. Es gehört zur Gruppe der trizyklischen Antidepressiva (TZA) und wirkt, indem es die Konzentration der natürlichen Botenstoffe Noradrenalin und Serotonin im Gehirn erhöht. Diese Botenstoffe spielen eine wichtige Rolle bei der Regulierung von Stimmung und Emotionen. Durch die Wiederherstellung des Gleichgewichts dieser Substanzen verbessert Nortriptylin die Stimmung, hebt die Antriebslosigkeit auf und reduziert Angszustände im Rahmen einer depressiven Erkrankung.

Die übliche Dosis von Nortriptylin beträgt: Erwachsene nehmen zu Beginn der Behandlung 25 mg einmal täglich ein, vorzugsweise abends. Die Dosis kann vom Arzt schrittweise auf eine Erhaltungsdosis von 75 mg bis maximal 150 mg pro Tag erhöht werden. Die Tagesgesamtdosis kann auch auf zwei Einzelgaben (morgens und abends) aufgeteilt werden.
Darreichungsform: Filmtabletten (10 mg, 25 mg, 50 mg, 75 mg) und Kapseln (10 mg, 25 mg, 50 mg, 75 mg).
Wirkungseintritt: Die stimmungsaufhellende Wirkbeginnt in der Regel erst nach 2 bis 4 Wochen. Die volle therapeutische Wirkung stellt sich meist nach etwa 6 Wochen regelmäßiger Einnahme ein.
Wirkdauer: Die Plasmahalbwertszeit beträgt etwa 18 bis 44 Stunden.
Alkoholempfehlung: Alkohol verstärkt die sedierende (beruhigende) Wirkung von Nortriptylin erheblich und sollte während der gesamten Behandlung vermieden werden.
Häufigste Nebenwirkungen: Mundtrockenheit, Verstopfung, Schläfrigkeit, Schwindel, Benommenheit, verschwommenes Sehen und Gewichtszunahme.

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Allgemeine Informationen über Nortriptylin

  • INN (Internationale Nicht-Eigentumsbezeichnung): Nortriptylin
  • In Deutschland verfügbare Markennamen: Nortrilen (Lundbeck GmbH), Nortriptylin Glenmark, Nortriptylin-ratiopharm, Nortriptylin STADA, Nortriptylin Heumann, Nortriptylin AL. Weitere ausländische Markennamen sind Pamelor und Aventyl HCl.
  • ATC-Code: N06AA10
  • Darreichungsformen und Dosierungen: Filmtabletten (10 mg, 25 mg, 50 mg, 75 mg), Kapseln (10 mg, 25 mg, 50 mg, 75 mg) und Lösung zum Einnehmen (10 mg/5 ml).
  • Hersteller in Deutschland (Auswahl): Lundbeck GmbH (Nortrilen), Glenmark Arzneimittel GmbH, ratiopharm GmbH, STADAPHARM GmbH, Heumann Pharma GmbH & Co. KG, ALIUD Pharma GmbH, Hexal AG.
  • Registrierungsstatus in Deutschland: Zugelassen
  • OTC / Rx‑Klassifikation: Verschreibungspflichtig (Rezeptpflichtig, Rx)

Wirkmechanismus und Pharmakologie

Nortriptylin gehört zur Wirkstoffklasse der trizyklischen Antidepressiva (TZA). Die Antidepressiva dieser Gruppe hemmen die Wiederaufnahme (Reuptake) der Neurotransmitter Noradrenalin und Serotonin aus dem synaptischen Spalt zurück in die präsynaptische Nervenzelle. Dadurch erhöht sich die Konzentration dieser Botenstoffe im synaptischen Spalt und im Zentralnervensystem. Diese Botenstoffe sind maßgeblich an der Signalübertragung zwischen Nervenzellen im limbischen System und im Hirnstamm beteiligt, die für die Regulierung von Stimmung, Antrieb und Emotionen verantwortlich sind.

Nortriptylin wird nach oraler Gabe gut resorbiert, unterliegt jedoch einem ausgeprägten First-Pass-Metabolismus in der Leber, hauptsächlich über das Enzym CYP2D6. Die Plasmahalbwertszeit liegt zwischen 18 und 44 Stunden. Die Ausscheidung erfolgt über die Nieren.

Anwendungsgebiete

  • Behandlung von depressiven Erkrankungen (Major Depression) bei Erwachsenen.
  • Off-Label: Behandlung von neuropathischen Schmerzen (Nervenschmerzen, z. B. postherpetische Neuralgie).
  • Off-Label: Als Hilfsmittel zur Raucherentwöhnung (die Therapie beginnt mit einer geringen Dosis, die etwa 10-28 Tage vor dem angestrebten Rauchstopp einschleichend gesteigert wird).
  • Off-Label: Behandlung einer nächtlichen Bettnässens bei Kindern (Enuresis nocturna).
  • Off-Label: Behandlung funktioneller Magen-Darm-Störungen, wie beim Reizdarmsyndrom, und zur Prophylaxe von Migräne.

Wichtige Warnungen und Einschränkungen

Risikogruppen

  • Kinder und Jugendliche (unter 18 Jahren): Die Sicherheit und Wirksamkeit ist nicht belegt. Nortriptylin soll bei Kindern und Jugendlichen nicht angewendet werden. In kontrollierten Studien wurde ein erhöhtes Risiko für suizidales Verhalten (Selbstmordgedanken und -versuche) und Feindseligkeit beobachtet.
  • Ältere Patienten (≥ 65 J.): Ältere Menschen benötigen oft eine deutlich geringere Dosis (die Hälfte der Erwachsenendosis) und zeigen ein erhöhtes Risiko für anticholinerge Nebenwirkungen (Mundtrockenheit, Verstopfung, Harnverhalt, Verwirrtheit) sowie für orthostatische Hypotonie (Blutdruckabfall beim Aufstehen) mit Sturzgefahr.
  • Schwangerschaft: Die Anwendung im ersten und letzten Schwangerschaftsdrittel sollte vermieden werden. Nach hohen Dosen kurz vor der Geburt können beim Neugeborenen Entzugserscheinungen (Herz- und Atemprobleme, Unruhe, Ein- und Durchschlafstörungen) auftreten.
  • Stillzeit: Der Wirkstoff und seine Stoffwechselprodukte gehen in die Muttermilch über. Daher wird in der Stillzeit von der Einnahme abgeraten. Ist die Behandlung zwingend erforderlich, muss abgestillt werden.
  • Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Zustand nach Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen, AV-Block): Hier bestehen absolute Kontraindikationen.
  • Patienten mit Leber- oder Niereninsuffizienz: Eine Dosisanpassung durch den Arzt ist notwendig.

Fahrtauglichkeit und Alkohol

Nortriptylin beeinträchtigt die Fahrtüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen erheblich, vor allem zu Beginn der Therapie. Die Teilnahme am Straßenverkehr sollte für die ersten Behandlungstage unterbleiben. Alkohol verstärkt diese Effekte in gefährlichem Maße und ist daher zu vermeiden.

Dosierungsanleitung

  • Erwachsene – Depression: Die Behandlung wird einschleichend begonnen, um Nebenwirkungen zu minimieren. Initialdosis: 25 mg einmal täglich abends. Bei Bedarf kann die Dosis schrittweise auf eine Erhaltungsdosis von 75 mg pro Tag erhöht werden (z. B. als 25 mg morgens und 50 mg abends). In schweren Fällen kann die maximale Dosis auf 150 mg pro Tag gesteigert werden. Nach klinischer Besserung sollten die Patienten die Medikation noch mindestens 6 bis 9 Monate lang fortsetzen, um ein Wiederauftreten der Depression zu verhindern.
  • Ältere Patienten: Niedrigere Dosierung empfohlen, z. B. 25 mg einmal täglich abends.
  • Neuropathische Schmerzen (Off-Label): Beginn mit 10-25 mg abends, Steigerung nach 3-5 Tagen auf 25-50 mg, ggf. bis zu einer Maximaldosis von 150 mg/Tag.
  • Absetzen der Medikation: Nortriptylin darf nicht abrupt abgesetzt werden. Die Dosis ist über einige Wochen schrittweise zu reduzieren, um Absetzsymptome (Unruhe, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit) zu vermeiden.

Nebenwirkungen und Kontraindikationen

Sehr häufige Nebenwirkungen (mehr als 1/10)

  • Mundtrockenheit
  • Verstopfung
  • Schwitzen (vermehrtes Schwitzen)

Häufige Nebenwirkungen (1/100 bis weniger als 1/10)

  • Schläfrigkeit, Benommenheit, Koordinationsstörungen
  • Schwindel, Kopfschmerzen, Tremor (Zittern)
  • Verschwommenes Sehen, Akkommodationsstörungen
  • Beschleunigter Herzschlag (Tachykardie), Herzklopfen (Palpitationen)
  • Orthostatische Hypotonie (Blutdruckabfall beim Aufstehen)
  • Übelkeit, Appetitsteigerung,
  • Gewichtszunahme

Seltene, schwerwiegende Nebenwirkungen (weniger als 1/1000)

  • QT‑Verlängerung im EKG mit dem Risiko für gefährliche Herzrhythmusstörungen (Torsade de pointes).
  • Harnverhalt (besonders bei Männern mit einer Prostatavergrößerung).
  • Krampfanfälle (bei Patienten mit Epilepsie oder entsprechender Vorbelastung).
  • Verwirrtheit, Halluzinationen (insbesondere bei älteren Menschen).
  • Paradoxe Reaktionen (Unruhe, Erregung, Schlaflosigkeit).

Absolute Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegen Nortriptylin oder einen der sonstigen Bestandteile (z. B. Lactose).
  • Kürzlich überstandener Herzinfarkt (Akutphase), Dekompensierte Herzinsuffizienz, Erregungsleitungsstörungen (AV-Block II. oder III. Grades).
  • Gleichzeitige Anwendung von MAO‑Hemmern oder eine Behandlung mit einem MAO‑Hemmer innerhalb der letzten 14 Tage.
  • Akute Vergiftung mit Alkohol, Schlafmitteln, Schmerzmitteln oder Psychopharmaka.
  • Akutes Harnverhalten (Harnverhalt), akute Verwirrtheitszustände, unbehandeltes Engwinkelglaukom (grüner Star).

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln

  • MAO‑Hemmer (z. B. Tranylcypromin, Phenelzin, Selegilin): Gefahr einer serotonergen Krise (Hypertonie, Tachykardie, Krämpfe). Ein Abstand von mindestens 14 Tagen zwischen den Therapien ist zwingend erforderlich.
  • Serotonerge Substanzen (SSRI wie Fluoxetin/Paroxetin, SNRI, Triptane, Tramadol, Johanniskraut): Erhöhtes Risiko für ein Serotonin-Syndrom (Agitiertheit, Verwirrtheit, Muskelzuckungen, Schweißausbrüche, Fieber).
  • Andere ZNS-dämpfende Arzneimittel (Benzodiazepine, Opioide, Neuroleptika, andere Antidepressiva, Muskelrelaxanzien, Antihistaminika der ersten Generation): Additive Verstärkung der sedierenden und anticholinergen Wirkungen (extreme Müdigkeit, Verwirrtheit, Atemdepression).
  • Medikamente, die den Nortriptylin-Spiegel erhöhen (CYP2D6-Hemmer: Bupropion, Chinidin, Sertralin, Paroxetin, Fluoxetin, Terbinafin): Gefahr der Akkumulation und verstärkter Nebenwirkungen.
  • QT-verlängernde Medikamente (Antiarrhythmika Klasse IA/III, bestimmte Antibiotika (Erythromycin, Moxifloxacin), Antipsychotika (Haloperidol, Pimozid)) sowie Diuretika, die zu Kaliummangel führen können: Deutlich erhöhtes Risiko für schwere Herzrhythmusstörungen (Torsade de pointes).
  • Valproinsäure (Antiepileptikum): Erhöhung des Nortriptylin-Spiegels, klinische Überwachung empfohlen.
  • Sympathomimetika (Adrenalin, Noradrenalin, Pseudoephedrin): Verstärkung der blutdrucksteigernden Wirkung. Antihypertensiva (Clonidin, Guanethidin): Abschwächung der blutdrucksenkenden Wirkung mit Gefahr einer Blutdruckkrise (Rebound-Phänomen).
  • Cimetidin (Mittel gegen Sodbrennen): Kann zu erhöhten Nortriptylin-Spiegeln führen; ggfs. auf ein anderes Magenmittel umstellen.

Praktische Hinweise

  • Einnahme: Die Tabletten werden unzerkaut mit reichlich Flüssigkeit (z. B. einem Glas Wasser) eingenommen, unabhängig von den Mahlzeiten. Die abendliche Dosis sollte etwa 1‑2 Stunden vor dem Schlafengehen eingenommen werden, um Tagesmüdigkeit zu vermeiden. Bei einer Aufteilung der Tagesdosis (morgens und abends) sollte die geringere Dosis am Morgen und die höhere Dosis am Abend eingenommen werden.
  • Therapietreue: Da der Wirkungseintritt langsam ist, ist es sehr wichtig, Nortriptylin auch in den ersten Wochen der Behandlung regelmäßig und ohne Unterbrechung einzunehmen. Setzen Sie das Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt ab.
  • Vergessene Dosis: Wenn Sie eine Dosis vergessen haben, holen Sie diese nach, sofern noch mindestens 6 Stunden bis zur nächsten Einnahme verbleiben. Andernfalls lassen Sie die vergessene Dosis aus. Nehmen Sie nicht die doppelte Dosis ein.
  • Regelmäßige Überwachung: Vor Behandlungsbeginn und während der ersten Wochen sind regelmäßige ärztliche Kontrolluntersuchungen erforderlich, insbesondere ein EKG zur Prüfung der QT‑Zeit, Blutdruckkontrollen, Bestimmung der Leber- und Nierenwerte.
  • Mundtrockenheit: Lutschen Sie zuckerfreie Bonbons, kauen Sie zuckerfreien Kaugummi oder trinken Sie häufiger Wasser, um die Mundtrockenheit zu lindern.
  • Lagerung: Bei Raumtemperatur (15‑25 °C) in der Originalverpackung, trocken und vor Licht geschützt, außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren.

Alternative Medikamente (bei Unverträglichkeit oder Kontraindikation)

  • Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) wie Sertralin, Citalopram, Escitalopram: Die moderneren SSRI sind heute in der Regel die Mittel der ersten Wahl bei Depressionen und Angststörungen. Sie weisen ein geringeres Ausmaß an anticholinergen Nebenwirkungen und eine deutlich geringere kardiale Toxizität auf, sind aber ebenfalls verschreibungspflichtig.
  • Andere trizyklische Antidepressiva (Amitriptylin, Doxepin): Ähnliches Wirkspektrum, aber unterschiedliches Nebenwirkungsprofil (z. B. stärkere Sedierung). Sie kommen insbesondere bei Schlafstörungen oder chronischen Schmerzzuständen zum Einsatz.
  • Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) wie Duloxetin, Venlafaxin: Sie werden bevorzugt bei Depressionen mit Begleitschmerz (z. B. neuropathischen Schmerzen) eingesetzt.
  • Bei neuropathischen Schmerzen: Gabapentin oder Pregabalin (wirken über Spannungsabhängige Kalziumkanäle) und werden bevorzugt bei postherpetischer Neuralgie oder diabetischer Neuropathie eingesetzt.
  • Bei Raucherentwöhnung: Vareniclin oder bupropionhaltige Medikamente, die in der Regel besser vertragen werden und eine höhere Erfolgsquote aufweisen.

Klinische Wirksamkeit

Die antidepressive Wirksamkeit von Nortriptylin ist in zahlreichen Studien und einer Meta-Analyse für die Behandlung der Major Depression bei Erwachsenen als signifikant besser als Placebo belegt. Die Rückfallquote unter Nortriptylin ist signifikant niedriger als unter Placebo. Die Behandlungssicherheit nimmt mit zunehmendem Lebensalter ab, da die anticholinergen Nebenwirkungen sowie das Risiko für kardiale Ereignisse signifikant ansteigen. Alle TCAs, einschließlich Nortriptylin, sind rezeptpflichtig und unterliegen in Deutschland der Verschreibungspflicht. In den USA stuft die Food and Drug Administration (FDA) Nortriptylin als Wirkstoff mit einem engen therapeutischen Fenster (narrow therapeutic index) ein.

Wichtig: Nortriptylin ist ein verschreibungspflichtiges trizyklisches Antidepressivum. Die Selbstmedikation ist lebensgefährlich, da es bei Überdosierung zu schweren Herzrhythmusstörungen, Krampfanfällen, Koma und Tod kommen kann. Eine abrupte Beendigung der Behandlung kann zu schweren Entzugserscheinungen (Rebound-Phänomen) führen. Vor allem zu Beginn der Behandlung besteht ein erhöhtes Risiko für suizidale Gedanken und Handlungen – Achten Sie auf plötzliche Stimmungsverschlechterungen, Impulsivität oder Feindseligkeit und informieren Sie unverzüglich Ihren Arzt. Die gleichzeitige Einnahme von Alkohol ist während der gesamten Behandlung strikt zu vermeiden. Nortriptylin darf nicht zusammen mit MAO‑Hemmern eingenommen werden. Die vollständige Fachinformation des Arzneimittels ist zu beachten. Dieses Informationsblatt ersetzt nicht die ärztliche Beratung; ausschließlich der behandelnde Arzt kann die Indikation stellen, die Dosis bestimmen und die erforderlichen EKG- und Labor‑Kontrollen veranlassen.


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