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Rifampicin (auch als Rifampin bezeichnet, Handelsname Rifa®, Eremfat® oder generisch) ist ein bakterizides Antibiotikum aus der Klasse der Rifamycine zur Behandlung der Tuberkulose in Kombination mit anderen Antituberkulotika, der Lepra, schwerer Staphylokokken-Infektionen, der Brucellose sowie zur Prophylaxe der Meningokokken-Meningitis bei asymptomatischen Trägern. Rifampicin hemmt selektiv die DNA-abhängige RNA-Polymerase in Bakterien, indem es an die Beta-Untereinheit des Enzyms bindet und so die Transkription und damit die bakterielle Proteinsynthese blockiert. Es wirkt bakterizid gegen extra- und intrazellulär gelegene Mykobakterien und ein breites Spektrum grampositiver und gramnegativer Erreger. Aufgrund der raschen Resistenzentwicklung bei Monotherapie wird Rifampicin stets in Kombination mit anderen Antituberkulotika wie Isoniazid, Pyrazinamid und Ethambutol eingesetzt.
Übliche Erwachsenendosis: Die Dosierung richtet sich nach dem Körpergewicht und der Indikation. Bei Tuberkulose beträgt die Standarddosis 10 mg pro kg Körpergewicht einmal täglich, maximal 600 mg pro Tag. Die 150-mg-Kapsel dient der pädiatrischen Dosierung und der flexiblen Dosisanpassung bei Patienten mit niedrigerem Körpergewicht. Die 300-mg-Kapsel ist die Standarddosis für Erwachsene mit einem Körpergewicht unter 50 kg (2 Kapseln à 300 mg ergeben die übliche Tagesdosis von 600 mg). Die 450-mg-Tablette wird häufig als Kombinationspräparat mit Isoniazid eingesetzt. Die 600-mg-Tablette ist die höchste Einzeldosis für Erwachsene über 50 kg Körpergewicht. Rifampicin wird einmal täglich, vorzugsweise morgens auf nüchternen Magen, mindestens 30 bis 60 Minuten vor dem Frühstück, unzerkaut mit einem Glas Wasser eingenommen. Die Einnahme mit Nahrung reduziert die Resorption erheblich. Bei intermittierender Therapie (2- bis 3-mal wöchentlich) können höhere Dosen von 600 bis 900 mg verabreicht werden. Bei Meningokokken-Prophylaxe beträgt die Dosis 600 mg zweimal täglich über 2 Tage oder 600 mg einmal täglich über 4 Tage. Bei schwerer Leberfunktionsstörung ist eine Dosisreduktion erforderlich. Die Behandlungsdauer bei Tuberkulose beträgt in der Regel 6 Monate im Rahmen der Standard-Vierfachtherapie, wobei Rifampicin über die gesamte Dauer gegeben wird.
Darreichungsform: Hartkapseln oder Filmtabletten in mehreren Stärken: 150 mg (rot/orange, länglich), 300 mg (rot/orange, länglich), 450 mg (rot/orange, länglich) und 600 mg (rot/orange, länglich). Erhältlich in Packungen zu 30, 50, 100 und 500 Kapseln/Tabletten. Zusätzlich als Sirup (100 mg/5 ml) und als Infusionslösung verfügbar. Fixkombinationen mit Isoniazid (z. B. Rifinah® 150/100 mg oder 300/150 mg) und mit Isoniazid plus Pyrazinamid (Rifater®) sind für die Tuberkulosetherapie erhältlich.
Wirkungseintritt: Maximale Plasmakonzentrationen werden etwa 2 bis 4 Stunden nach oraler Einnahme auf nüchternen Magen erreicht. Die bakterizide Wirkung setzt unmittelbar nach Erreichen therapeutischer Konzentrationen ein. Eine klinische Besserung der Tuberkulosesymptome wie Fieber, Nachtschweiß und Husten tritt innerhalb von 1 bis 2 Wochen nach Therapiebeginn ein. Die Sputumkonversion (Negativwerden des Sputums) wird bei adäquater Kombinationstherapie typischerweise nach 4 bis 8 Wochen erreicht.
Wirkdauer: Die Eliminationshalbwertszeit von Rifampicin beträgt initial etwa 2 bis 5 Stunden und verkürzt sich im Laufe der Therapie auf etwa 1 bis 2 Stunden aufgrund einer ausgeprägten Autoinduktion des hepatischen Metabolismus über CYP3A4 und andere Cytochrom-P450-Enzyme. Trotz der kurzen Halbwertszeit ist die einmal tägliche Gabe aufgrund des postantibiotischen Effekts und der hohen intrazellulären Konzentrationen ausreichend. Rifampicin wird extensiv in der Leber metabolisiert und überwiegend über die Galle und die Fäzes, zu einem geringeren Anteil renal ausgeschieden. Aufgrund der starken Enzyminduktion beschleunigt Rifampicin den Abbau zahlreicher anderer Medikamente und kann deren Wirksamkeit erheblich reduzieren.
Empfehlung zu Alkohol: Alkoholkonsum muss während der Behandlung mit Rifampicin strikt vermieden werden. Rifampicin ist potenziell hepatotoxisch und kann schwere Leberschäden, Leberversagen und Todesfälle verursachen, insbesondere bei vorbestehender Lebererkrankung oder Kombination mit anderen hepatotoxischen Antituberkulotika wie Isoniazid und Pyrazinamid. Alkohol potenziert die Lebertoxizität von Rifampicin erheblich und erhöht das Risiko für schwere Leberschäden. Regelmäßige Kontrollen der Leberfunktion (ALT, AST, Bilirubin) sind vor Therapiebeginn, alle 2 bis 4 Wochen während der ersten 2 Monate und danach monatlich obligatorisch. Patienten mit chronischem Alkoholabusus haben ein stark erhöhtes Risiko für schwere Hepatotoxizität und müssen engmaschig überwacht werden.
Häufigste Nebenwirkungen: Orange-rote Verfärbung von Urin, Tränenflüssigkeit, Schweiß, Speichel und Sputum ist sehr häufig, harmlos und obligater Hinweis auf die Einnahme des Medikaments. Kontaktlinsen können sich dauerhaft verfärben. Gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit und Durchfall sind häufig und können durch Einnahme auf nüchternen Magen reduziert werden. Hepatotoxizität mit Transaminasenerhöhungen, Cholestase und in seltenen Fällen schwerer Hepatitis ist die klinisch bedeutsamste Nebenwirkung. Allergische Reaktionen wie Urtikaria, Angioödem, Flush und Pruritus treten gelegentlich auf. Grippeähnliches Syndrom mit Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen kann bei intermittierender Therapie auftreten. Thrombozytopenie, hämolytische Anämie und akutes Nierenversagen sind seltene, aber schwerwiegende immunologisch vermittelte Nebenwirkungen. Rifampicin ist ein potenter Induktor von CYP3A4, CYP2C9, CYP2C19 und CYP2D6 und führt zu klinisch bedeutsamen Wechselwirkungen mit zahlreichen Medikamenten, einschließlich oraler Kontrazeptiva, Antikoagulanzien, Antidiabetika, Kortikosteroiden, Antiepileptika, Proteaseinhibitoren und Methadon. Während der Rifampicin-Therapie müssen alternative, nicht-hormonelle Verhütungsmethoden verwendet werden. Rifampicin ist kontraindiziert bei akuter Hepatitis, schwerer Leberinsuffizienz und gleichzeitiger Anwendung von Ritonavir oder Saquinavir.
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Was ist Rifampicin?
Rifampicin ist ein bakterizides Antibiotikum aus der Gruppe der Ansamycine und das Rückgrat der Tuberkulosetherapie. Es tötet Mycobacterium tuberculosis, indem es die DNA-abhängige RNA-Polymerase der Bakterien blockiert. Kein RNA-Aufbau, keine Proteinbiosynthese, kein Bakterienwachstum. Diese Blockade ist so effektiv, dass eine Tuberkulosebehandlung ohne Rifampicin doppelt so lange dauert und schlechtere Ergebnisse liefert. Daneben wirkt es gegen Staphylokokken, insbesondere bei Fremdkörperinfektionen, und wird als Kombinationspartner bei Biofilm-bildenden Erregern eingesetzt, wenn andere Antibiotika allein nicht durchdringen. Es ist auch das Mittel der Wahl zur Prophylaxe bei Meningokokken-Kontaktpersonen und deckt ein Spektrum ab, das von Lepra bis zu atypischen Mykobakterien reicht.
Die Wirkung setzt innerhalb von Stunden ein, aber bei Tuberkulose ist das kein kurzer Kampf. Die Therapie dauert Monate, anfangs mit einer Vierfachkombination aus Rifampicin, Isoniazid, Pyrazinamid und Ethambutol, später nur noch mit Rifampicin und Isoniazid. Rifampicin hat einen einzigartigen postantibiotischen Effekt und tötet selbst ruhende Bakterien ab, die andere Mittel verschlafen. Die Symptome bessern sich nach zwei bis vier Wochen, aber das Medikament muss mindestens sechs Monate lang genommen werden, sonst überleben die Persister und die Tuberkulose flammt wieder auf.
Die Dosis richtet sich nach dem Körpergewicht und der Indikation. Für Tuberkulose sind es 10 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht einmal täglich, maximal 600 Milligramm. Die 150-mg-, 300-mg- und 450-mg-Kapseln dienen der gewichtsadaptierten Dosierung, die 600-mg-Tablette ist die praktische Standardstärke für die meisten Erwachsenen. Rifampicin wird morgens auf nüchternen Magen eingenommen, mindestens eine Stunde vor dem Frühstück, mit einem Glas Wasser. Das ist nicht optional. Nahrung, besonders fettreiche, halbiert die Resorption und macht eine wirksame Therapie zu einer Placebobehandlung.
Wirkweise und Pharmakologie
Rifampicin bindet fest an die Beta-Untereinheit der bakteriellen DNA-abhängigen RNA-Polymerase und blockiert den Initiationsschritt der Transkription. Es verhindert, dass das Enzym den DNA-Strang öffnet und die RNA-Synthese beginnt. Menschliche RNA-Polymerasen sind strukturell anders und werden von Rifampicin nicht erkannt, was die selektive Toxizität für Bakterien erklärt. Die Blockade ist irreversibel und bakterizid, selbst bei langsam wachsenden Keimen im sauren Milieu von tuberkulösen Granulomen, wo andere Antibiotika oft scheitern. Zusätzlich penetriert Rifampicin intrazellulär und tötet Mykobakterien, die sich in Makrophagen verstecken. Kein anderes Antituberkulotikum hat diese Kombination aus extrazellulärer und intrazellulärer Aktivität in diesem Ausmaß.
Die Pharmakokinetik ist komplex und klinisch hoch relevant. Rifampicin wird nach oraler Einnahme im Dünndarm resorbiert, die maximale Plasmakonzentration wird nach etwa zwei bis vier Stunden erreicht. Die Bioverfügbarkeit beträgt auf nüchternen Magen etwa 90 Prozent, fällt aber mit Nahrung auf 50 Prozent oder weniger ab. Deshalb die strikte Nüchternheitsregel. Rifampicin verteilt sich exzellent in alle Gewebe, einschließlich Liquor, Knochen und Käseherden, und färbt dabei alle Körperflüssigkeiten orange-rot – Urin, Tränen, Speichel, Schweiß und sogar Sperma. Das ist harmlos, aber jeder Patient muss vorher gewarnt werden, sonst landet er in Panik in der Notaufnahme, weil er denkt, er blute aus allen Öffnungen. Rifampicin wird hepatisch metabolisiert und induziert dabei massiv das Cytochrom-P450-System, vor allem CYP3A4, sowie Phase-II-Enzyme und Transporter wie P-Glykoprotein. Die Halbwertszeit beträgt anfangs etwa drei bis vier Stunden, verkürzt sich aber durch die Autoinduktion nach einigen Wochen auf etwa zwei Stunden. Die Ausscheidung erfolgt überwiegend über die Galle, ein kleiner Teil renal. Bei Leberfunktionsstörungen ist die Dosis zu reduzieren, bei schwerer Leberinsuffizienz ist Rifampicin kontraindiziert.
Anwendung von Rifampicin
Nehmen Sie die Kapsel oder Tablette morgens auf nüchternen Magen ein, mit einem vollen Glas Wasser. Mindestens eine Stunde vor dem Frühstück, besser zwei. Kein Kaffee, kein Tee, kein Saft direkt vorher oder nachher. Wenn der Magen rebelliert, kann ein kleiner Zwieback oder ein trockenes Brot kurz nach der Einnahme helfen, aber die Resorption leidet dann, und der Arzt muss die Dosis möglicherweise anpassen. Die Kapseln ganz schlucken, nicht öffnen, nicht kauen. Für Kinder und Patienten mit Schluckstörungen gibt es eine Suspension, die nach dem gleichen nüchternen Schema gegeben wird. Die Dosis für Tuberkulose beträgt 10 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht einmal täglich. Ein 60-Kilogramm-Patient bekommt 600 Milligramm, also eine 600-mg-Tablette oder zwei 300-mg-Kapseln. Die 150-mg- und 450-mg-Stärken erlauben präzise Anpassungen bei Unter- und Übergewicht oder bei reduzierter Dosis wegen Leberproblemen. Die Maximaldosis liegt bei 600 Milligramm pro Tag, in Ausnahmefällen bei 900 Milligramm, aber das muss der Arzt entscheiden und die Leberwerte engmaschig kontrollieren.
Wenn Sie eine Dosis vergessen haben und es weniger als sechs Stunden her ist, nehmen Sie sie ein. Ist es länger her, lassen Sie die vergessene Dosis aus und nehmen die nächste planmäßige Dosis am nächsten Morgen. Verdoppeln Sie niemals die Dosis. Eine doppelte Dosis von 1200 Milligramm auf einmal überfordert die Leber und kann zu schwerer Übelkeit, Erbrechen und einem massiven Transaminasenanstieg führen. Die Therapie der Tuberkulose dauert sechs Monate und darf nicht vorzeitig abgebrochen werden. Wer nach zwei Monaten aufhört, weil der Husten weg ist, züchtet multiresistente Keime heran und verliert am Ende mehr, als er gewonnen hat. Rifampicin ist immer Teil einer Kombinationstherapie, nie allein, weil die Resistenzentwicklung sonst innerhalb von Wochen einsetzt.
Nebenwirkungen von Rifampicin
Orange-rote Verfärbung aller Körperflüssigkeiten ist universell und harmlos. Urin, Tränen, Speichel, Schweiß – alles färbt sich rostrot. Weiche Kontaktlinsen können dauerhaft verfärbt werden und sollten während der Therapie durch Brillen ersetzt werden. Die Tränenflüssigkeit kann die Wäsche verfärben, und Patienten sollten helle Kleidung nicht direkt anlegen, bevor das Medikament resorbiert ist. Dies ist kein Grund zur Panik, sondern ein Zeichen, dass der Wirkstoff im Körper ist und arbeitet.
Lebertoxizität ist die gefährlichste Nebenwirkung und der Hauptgrund für Therapieabbrüche. Transaminasen steigen bei etwa 10 bis 20 Prozent der Patienten an, meist mild und asymptomatisch, aber bei etwa 1 bis 2 Prozent entwickelt sich eine schwere Hepatitis mit Ikterus, Übelkeit und Erbrechen. Die Leberwerte müssen vor Therapiebeginn und dann alle zwei bis vier Wochen kontrolliert werden. Bei einem Anstieg der Transaminasen über das Dreifache des oberen Normwerts wird die Dosis reduziert oder das Medikament pausiert. Isoniazid, der Standardpartner von Rifampicin, ist ebenfalls hepatotoxisch, und die Kombination potenziert das Risiko. Alkohol ist während der gesamten Therapie absolut kontraindiziert, weil er die Lebertoxizität vervielfacht und die Compliance ruiniert. Ein einziges Glas Wein zu einer Rifampicin-Dosis kann eine Hepatitis triggern, die sonst nicht aufgetreten wäre.
Gastrointestinale Beschwerden – Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen – sind häufig und meist mild. Die Einnahme auf nüchternen Magen verschlimmert sie anfangs, aber nach einigen Tagen gewöhnt sich der Magen daran. Bei starker Übelkeit kann die Dosis auf zwei Mal täglich aufgeteilt oder mit einem leichten Snack eingenommen werden, aber die Resorption sinkt dann. Grippeähnliche Symptome – Fieber, Schüttelfrost, Gliederschmerzen – treten vor allem bei intermittierender Einnahme auf und sind ein immunologisches Phänomen. Rifampicin sollte täglich eingenommen werden, nicht nur an einigen Tagen der Woche, um diese Reaktion zu vermeiden. Thrombozytopenie und hämolytische Anämie sind seltene, aber ernste immunologische Nebenwirkungen, die das sofortige Absetzen erfordern.
Risikogruppen (ältere Menschen, Schwangerschaft)
Schwangerschaft und Stillzeit – Rifampicin passiert die Plazenta und geht in die Muttermilch über, aber die Tuberkulose selbst ist für Mutter und Fötus weit gefährlicher als das Medikament. Rifampicin gilt in der Schwangerschaft als das sicherste Erstlinien-Antituberkulotikum und wird in der Standarddosierung gegeben. Vitamin K sollte am Ende der Schwangerschaft prophylaktisch gegeben werden, weil Rifampicin die hepatische Synthese von Gerinnungsfaktoren beeinträchtigen kann und das Risiko für Nachgeburtsblutungen erhöht. Stillen: Rifampicin geht in die Muttermilch über, aber die Menge ist gering, und ein Risiko für den Säugling ist nicht belegt. Der gestillte Säugling kann orange-rote Tränen und Urin haben, was harmlos ist, aber die Eltern sollten gewarnt werden. Stillen ist unter Rifampicin vertretbar.
Ältere Patienten über 65 Jahre vertragen Rifampicin in der Regel gut, aber die Leberfunktion ist im Alter oft eingeschränkt, und die Dosis sollte am unteren Ende des gewichtsadaptierten Bereichs liegen. Die Leberwerte müssen engmaschiger kontrolliert werden, und Alkohol ist noch strikter zu meiden als bei jüngeren Patienten. Patienten mit vorbestehender Lebererkrankung oder chronischer Hepatitis sollten Rifampicin nur erhalten, wenn es keine Alternative gibt, und dann unter strengster hepatologischer Überwachung. Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz benötigen keine Dosisanpassung, da Rifampicin überwiegend hepatisch eliminiert wird, aber die orange-rote Verfärbung des Urins ist dann weniger sichtbar und der Patient sollte über die fehlende Verfärbung informiert werden, um Verwirrung zu vermeiden.
Wechselwirkungen mit Alltagsaktivitäten (Autofahren, Alkohol)
Autofahren ist unter Rifampicin meist möglich, aber die grippeähnlichen Symptome und der Schwindel können die Fahrtüchtigkeit in den ersten Tagen beeinträchtigen. Testen Sie Ihre Reaktion, bevor Sie längere Strecken fahren. Die orange-roten Tränen können die Sicht trüben, wenn sie auf die Brille oder die Kontaktlinsen tropfen, und das Sichtfeld verschlechtern. Weiche Kontaktlinsen sollten während der Therapie nicht getragen werden. Alkohol ist absolut und zu jedem Zeitpunkt der Therapie verboten. Die Leber hat unter Rifampicin und Isoniazid genug zu tun, und Alkohol ist das Benzin, das aus einem kleinen Transaminasenanstieg eine schwere Hepatitis macht. Wer unter Rifampicin Alkohol trinkt, spielt mit seiner Leber. Es gibt keine Ausnahme, kein Glas Wein zum Abendessen, kein Bier zur Feier des Tages. Die sechs Monate sind lang, aber die Alternative ist eine Lebertransplantation.
Orale Kontrazeptiva – Rifampicin induziert CYP3A4 und beschleunigt den Abbau von Östrogenen und Gestagenen so stark, dass die Pille innerhalb von Tagen unwirksam wird. Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Therapie und für einen Monat danach eine nicht-hormonelle Verhütungsmethode anwenden, Kondome oder eine Kupferspirale. Die Pille allein ist keine Verhütung mehr, und ungewollte Schwangerschaften unter Rifampicin sind dokumentiert. Das muss jeder Arzt, der Rifampicin verschreibt, der Patientin sagen.
Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln
Rifampicin ist der stärkste klinisch relevante CYP-Induktor, den es gibt. Es induziert CYP3A4, CYP2C9, CYP2C19, CYP1A2 und Phase-II-Enzyme sowie P-Glykoprotein. Das bedeutet, dass es den Abbau fast aller Medikamente beschleunigt, die über diese Systeme metabolisiert werden, und deren Wirksamkeit drastisch reduziert. Die Liste ist lang, aber die wichtigsten sind: orale Kontrazeptiva, Warfarin, Cortison und andere Kortikosteroide, Methadon, Antidiabetika, Antiepileptika, HIV-Medikamente wie Proteaseinhibitoren und Integrasehemmer, Antimykotika wie Ketoconazol und Itraconazol, und viele mehr. Jeder Patient unter Rifampicin muss die gesamte Begleitmedikation überprüfen lassen, und die Dosen müssen meist erhöht oder die Medikamente gewechselt werden. Das ist keine bürokratische Übung, sondern überlebenswichtig. Ein HIV-Patient, der Rifampicin für Tuberkulose bekommt und dessen antiretrovirale Therapie nicht angepasst wird, entwickelt innerhalb von Wochen eine virologische Resistenz und verliert die Kontrolle über das Virus.
Isoniazid, Pyrazinamid und Ethambutol sind die Standardpartner in der Tuberkulosetherapie und werden mit Rifampicin kombiniert. Die Kombination ist synergistisch und reduziert die Resistenzentwicklung, aber sie potenziert auch die Lebertoxizität. Leberwerte müssen regelmäßig kontrolliert werden. Paracetamol – Rifampicin induziert die Bildung des toxischen Paracetamol-Metaboliten und kann bei Überdosierung die Leber schneller schädigen. Paracetamol in therapeutischen Dosen ist sicher, aber die Maximaldosis von 4 Gramm pro Tag sollte strikt eingehalten werden. Kortikosteroide – Rifampicin beschleunigt den Abbau von Prednison und Dexamethason so stark, dass die Dosis oft verdoppelt oder verdreifacht werden muss. Patienten mit Asthma oder rheumatischen Erkrankungen müssen ihre Kortisondosis in Absprache mit dem Arzt anpassen.
Alternative Optionen
Rifampicin ist der Standard für die Tuberkulosetherapie, aber es gibt Alternativen, wenn es nicht vertragen wird oder Resistenzen vorliegen.
Rifabutin ist ein verwandtes Ansamycin mit ähnlichem Wirkspektrum, aber schwächerer CYP-Induktion. Es wird vor allem bei HIV-Patienten eingesetzt, die gleichzeitig Proteaseinhibitoren erhalten, weil es weniger Wechselwirkungen verursacht. Der Nachteil: höhere Kosten, mehr gastrointestinale Nebenwirkungen und eine etwas geringere Wirksamkeit gegen Mycobacterium tuberculosis. Für Patienten mit Rifampicin-Unverträglichkeit oder schweren CYP-Wechselwirkungen ist Rifabutin die erste Alternative.
Isoniazid ist das zweite Erstlinien-Antituberkulotikum und wird immer mit Rifampicin kombiniert. Allein ist es zu schwach und zu resistenzgefährdet. Bei Rifampicin-Resistenz oder -Unverträglichkeit muss das gesamte Regime umgestellt werden, und die Therapiedauer verlängert sich auf 18 Monate mit Zweitlinien-Medikamenten wie Moxifloxacin, Levofloxacin, Amikacin und Linezolid. Diese Zweitlinien-Therapie ist toxischer und weniger wirksam, und die Compliance ist das entscheidende Problem.
Rifampicin-freie Regime – bei multiresistenter Tuberkulose, die auch gegen Rifampicin resistent ist, werden Kombinationen aus Fluorchinolonen, injizierbaren Aminoglykosiden, Ethionamid, Cycloserin und anderen Reservemedikamenten eingesetzt. Diese Regime sind teuer, toxisch und erfordern monatelange Injektionen, aber sie sind die letzte Option, bevor die Tuberkulose unbehandelbar wird.
INN, Markennamen und Einstufung in Deutschland
INN (Internationaler Freiname): Rifampicin
Verfügbare Markennamen in Deutschland: Rifa (Grünenthal), Rifampicin-ratiopharm, Rifampicin HEXAL, Rifampicin AbZ und weitere Generika. Rifampin ist die englische Bezeichnung, in Deutschland wird der Wirkstoff Rifampicin genannt.
ATC-Code: J04AB02
Formen und Stärken: Hartkapseln zu 150 mg, 300 mg und 450 mg; Filmtabletten zu 600 mg; Saft für Kinder
Hersteller: Grünenthal (Rifa), diverse Generikahersteller
Registrierungsstatus in Deutschland: Registriert
Einstufung: Verschreibungspflichtig (Rx)
Die richtige Dosierung wählen
Die Tuberkulose-Dosis beträgt 10 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht einmal täglich, maximal 600 Milligramm. Die 150-mg-, 300-mg- und 450-mg-Kapseln erlauben eine präzise gewichtsadaptierte Dosierung, die 600-mg-Tablette ist die praktische Standardstärke für die meisten Erwachsenen. Morgens nüchtern einnehmen, mit einem Glas Wasser. Die Leberwerte müssen vor Therapiebeginn und dann alle zwei bis vier Wochen kontrolliert werden. Bei Leberinsuffizienz die Dosis reduzieren, bei schwerer Leberinsuffizienz Rifampicin absetzen und auf ein alternatives Regime wechseln.
Die Therapie der Tuberkulose dauert sechs Monate und darf nicht vorzeitig abgebrochen werden. Die Kombination mit Isoniazid, Pyrazinamid und Ethambutol in der Initialphase ist Standard, gefolgt von Rifampicin und Isoniazid allein in der Stabilisierungsphase. Rifampicin muss täglich eingenommen werden, nicht intermittierend, um grippeähnliche Immunreaktionen und Resistenzentwicklung zu vermeiden. Alle Körperflüssigkeiten werden orange-rot, und das ist harmlos. Orale Kontrazeptiva sind während der gesamten Therapie und einen Monat danach unwirksam.
In Deutschland ist Rifampicin verschreibungspflichtig. Über unsere Apotheke können Sie Rifampicin 150 mg, 300 mg, 450 mg und 600 mg ohne Rezept kaufen und in diskreter Verpackung in ganz Deutschland erhalten.
Häufig gestellte Fragen
Kann ich nach der Einnahme von Rifampicin Auto fahren?
Meist ja. Grippeähnliche Symptome und Schwindel können in den ersten Tagen die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Testen Sie Ihre Reaktion, und fahren Sie nicht, wenn Sie sich unwohl fühlen. Die orange-roten Tränen können die Sicht trüben, wenn sie auf die Brille tropfen.
Was mache ich, wenn ich eine Dosis vergesse?
Weniger als sechs Stunden her: Kapsel einnehmen. Länger als sechs Stunden: Dosis auslassen und am nächsten Morgen mit der normalen Dosis fortfahren. Verdoppeln Sie nicht.
Warum ist mein Urin orange-rot?
Das ist ein harmloser Effekt des Rifampicins und zeigt, dass der Wirkstoff im Körper ist. Alle Körperflüssigkeiten können sich verfärben, auch Tränen und Schweiß. Weiche Kontaktlinsen können dauerhaft fleckig werden und sollten durch eine Brille ersetzt werden.
Darf ich unter Rifampicin Alkohol trinken?
Nein, absolut nicht. Rifampicin und Isoniazid belasten die Leber schwer, und Alkohol kann eine lebensbedrohliche Hepatitis auslösen. Während der gesamten sechsmonatigen Therapie müssen Sie auf Alkohol verzichten, ohne Ausnahme.
Kann ich Rifampicin mit meinen anderen Medikamenten einnehmen?
Rifampicin ist ein starker Enzyminduktor und beschleunigt den Abbau vieler Medikamente. Besprechen Sie alle Begleitmedikamente mit Ihrem Arzt, auch rezeptfreie Präparate. Die Pille wird unwirksam, und Sie müssen eine nicht-hormonelle Verhütungsmethode anwenden.
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