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Tizanidine ist ein Muskelrelaxant für die Behandlung von Spastik. Es bewirkt kurzfristig die Muskelentspannung deiLockerung des Muskeltonus bei angespannten, steifen Muskeln.
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Tizanidin ist ein zentral wirksames Muskelrelaxans zur Behandlung von schmerzhaften Muskelverspannungen sowie von krankhaft erhöhtem Muskeltonus (Spastizität) aufgrund neurologischer Erkrankungen wie Multipler Sklerose, Querschnittslähmung oder nach einem Schlaganfall. Es wirkt als Agonist an alpha-2-adrenergen Rezeptoren im Rückenmark und unterdrückt dort die Freisetzung erregender Neurotransmitter, was zu einer direkten Senkung des Muskeltonus führt. Zusätzlich besitzt Tizanidin eine schmerzlindernde Wirkkomponente.
Die übliche Dosis von Tizanidin 2 mg beträgt: Bei schmerzhaften Muskelverspannungen wird in der Regel 2 mg Tizanidin bis zu dreimal täglich (morgens, mittags, abends) eingenommen. Bei neurogener Spastizität wird die Dosis individuell eingeschlichen; die Anfangsdosis beträgt 2 mg einmal täglich, dann schrittweise Erhöhung in 2-mg-Schritten bis zu einer üblichen Erhaltungsdosis von 12‑24 mg pro Tag, aufgeteilt in 3‑4 Einzeldosen. Die maximale Tagesdosis von 36 mg sollte nicht überschritten werden.
Darreichungsform: Filmtabletten mit 2 mg Tizanidin (als Hydrochlorid).
Wirkungseintritt: Die maximale Plasmakonzentration wird etwa 1‑2 Stunden nach oraler Gabe erreicht; die spasmolytische Wirkung setzt innerhalb von 1‑2 Stunden ein.
Wirkdauer: Die Wirkdauer ist kurz (etwa 3‑6 Stunden), was eine flexible Anpassung an die täglichen Aktivitäten ermöglicht.
Alkoholempfehlung: Alkohol verstärkt die sedierende Wirkung von Tizanidin erheblich und erhöht das Risiko eines Blutdruckabfalls. Daher ist die gleichzeitige Einnahme von Alkohol während der Behandlung strikt zu vermeiden.
Die häufigsten Nebenwirkungen sind: Schläfrigkeit (Somnolenz), Mundtrockenheit, Schwindel, Müdigkeit (Asthenie), Blutdruckabfall (Hypotonie) und verlangsamter Herzschlag (Bradykardie).
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Allgemeine Informationen über Tizanidin
- INN (Internationale Nicht‑Eigentumsbezeichnung): Tizanidin
- In Deutschland verfügbare Markennamen: Sirdalud®, Tizanidin‑TEVA, Tizanidin‑ratiopharm, Tizanidin‑Hexal, Tizanidin‑Heumann, Tizanidin‑STADA sowie zahlreiche weitere Generika.
- ATC‑Code: M03BX02
- Darreichungsformen und Dosierungen: Filmtabletten mit 2 mg, 4 mg und 6 mg Tizanidin (als Hydrochlorid).
- Hersteller in Deutschland (Auswahl): Teva GmbH, Hexal AG, ratiopharm GmbH, Heumann Pharma GmbH & Co. KG, STADAPHARM GmbH, ALIUD Pharma GmbH.
- Registrierungsstatus in Deutschland: Zugelassen
- OTC / Rx‑Klassifikation: Verschreibungspflichtig (Rezeptpflichtig, Rx)
Wirkmechanismus und Pharmakologie
Tizanidin ist ein zentral wirksames Muskelrelaxans aus der Gruppe der alpha-2-Adrenozeptor‑Agonisten. Der primäre Wirkort ist das Rückenmark. Dort bindet Tizanidin an präsynaptische alpha-2-Rezeptoren und hemmt die Freisetzung exzitatorischer Aminosäuren (insbesondere Glutamat und Aspartat) aus spinalen Interneuronen. Diese Hemmung unterdrückt die polysynaptische Erregungsübertragung, die für den krankhaft erhöhten Muskeltonus (Spastizität) verantwortlich ist. Im Gegensatz zu anderen Muskelrelaxanzien greift Tizanidin nicht direkt in die Muskelfunktion ein. Die orale Bioverfügbarkeit beträgt etwa 34‑40 %, mit einem ausgeprägten First‑Pass‑Metabolismus in der Leber (hauptsächlich über CYP1A2). Die Plasmahalbwertszeit beträgt etwa 2,5 Stunden, was die kurze Wirkdauer erklärt. Tizanidin wird zu etwa 70 % renal als inaktive Metaboliten ausgeschieden.
Anwendungsgebiete
- Schmerzhafte Muskelverspannungen: bei statischen und funktionellen Wirbelsäulenerkrankungen (z. B. akute Nacken‑ und Rückenschmerzen, Lumbalsyndrom) und nach orthopädischen Operationen.
- Neurogene Spastizität: bei Multipler Sklerose, Querschnittslähmung, Schädigungen des Rückenmarks oder nach Schlaganfall.
Wichtige Warnungen und Einschränkungen
Risikogruppen
- Kinder und Jugendliche (unter 18 Jahren): Die Sicherheit und Wirksamkeit ist nicht ausreichend belegt; die Anwendung wird nicht empfohlen.
- Ältere Patienten (65 Jahre und älter): Erhöhte Empfindlichkeit für Nebenwirkungen (Sedierung, Hypotonie, Bradykardie) – Dosisreduktion und engmaschige Überwachung erforderlich.
- Schwangerschaft: Nur nach strenger Nutzen‑Risiko‑Abwägung durch den Arzt; es liegen keine ausreichenden Daten beim Menschen vor.
- Stillzeit: Tizanidin geht in die Muttermilch über – Anwendung während der Stillzeit wird nicht empfohlen.
- Leberfunktionsstörungen (Child‑Pugh B/C): Bei schwerer Leberinsuffizienz (Child‑Pugh C) kontraindiziert; bei leichter bis mittelschwerer Einschränkung ist eine Dosisreduktion erforderlich.
- Niereninsuffizienz (Kreatinin‑Clearance kleiner als 25 ml/min): Langsamere Dosisanpassung und engmaschige Überwachung erforderlich.
- Patienten mit Hypotonie oder Bradykardie: Besondere Vorsicht, da Tizanidin den Blutdruck und die Herzfrequenz senkt.
- Gleichzeitige Einnahme von starken CYP1A2‑Hemmern (Fluvoxamin, Ciprofloxacin): Absolute Kontraindikation – Gefahr lebensbedrohlicher kardiovaskulärer Komplikationen.
Fahrtauglichkeit und Alkohol
Tizanidin kann ausgeprägte Schläfrigkeit, Benommenheit, Schwindel und Koordinationsstörungen verursachen. Daher ist die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen erheblich beeinträchtigt. Das Führen von Fahrzeugen und das Bedienen von Maschinen ist während der Behandlung zu unterlassen. Alkohol verstärkt diese Effekte in gefährlichem Maße und ist während der Behandlung strikt zu vermeiden.
Dosierungsanleitung
- Erwachsene – schmerzhafte Muskelverspannungen: 1 Tablette (2 mg) bis zu dreimal täglich (morgens, mittags, abends). Bei unzureichender Wirkung kann die Dosis auf 4 mg dreimal täglich erhöht werden.
- Erwachsene – neurogene Spastizität: Beginn mit 2 mg einmal täglich (z. B. abends). Die Dosis kann schrittweise alle 3‑4 Tage um 2 mg pro Tag erhöht werden, verteilt auf 3‑4 Einzeldosen (morgens, mittags, abends, ggf. vor dem Schlafengehen). Die übliche Erhaltungsdosis liegt zwischen 12 mg und 24 mg pro Tag. Die maximale Tagesdosis beträgt 36 mg.
- Art der Anwendung: Die Tabletten werden unzerkaut mit einem Glas Wasser eingenommen. Die Einnahme sollte immer auf die gleiche Weise erfolgen (entweder immer mit Nahrung oder immer ohne Nahrung), da Nahrung die Bioverfügbarkeit von Tizanidin beeinflusst.
- Absetzen: Ein abruptes Absetzen kann zu einem Rebound mit Bluthochdruck und beschleunigtem Herzschlag führen. Die Dosis ist über mehrere Tage bis Wochen schrittweise zu reduzieren (ausschleichend).
Nebenwirkungen und Kontraindikationen
Sehr häufige/häufige Nebenwirkungen (mehr als 1 von 100 Behandelten)
- Schläfrigkeit (Somnolenz) – tritt bei bis zu 50 % der Patienten auf
- Mundtrockenheit (bis zu 30 %)
- Schwindel, Benommenheit
- Müdigkeit, Schwächegefühl (Asthenie)
- Hypotonie (Blutdruckabfall)
- Bradykardie (verlangsamter Herzschlag)
- Übelkeit, Magen‑Darm‑Beschwerden
- Erhöhung der Leberenzyme (Transaminasen)
Gelegentliche Nebenwirkungen (mehr als 1 von 1.000 bis weniger als 1 von 100 Behandelten)
- Schlaflosigkeit, Alpträume
- Gangunsicherheit (Ataxie), Sehstörungen (verschwommenes Sehen)
- Verstopfung, Durchfall, Erbrechen
- Hautausschlag, Juckreiz
- Parästhesien (Kribbeln, Taubheitsgefühl)
- Rebound‑Hypertonie und Tachykardie nach abruptem Absetzen
Seltene, schwerwiegende Nebenwirkungen (weniger als 1 von 1.000 Behandelten)
- Schwere Hypotonie, Synkopen (Ohnmacht)
- Schwere Bradykardie, Herzrhythmusstörungen (einschließlich QT‑Verlängerung)
- Halluzinationen (visuelle Halluzinationen)
- Hepatitis, Leberversagen (bei längerer hochdosierter Therapie)
- Schwere allergische Reaktionen (Angioödem, anaphylaktischer Schock)
- Krampfanfälle
Absolute Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit gegen Tizanidin oder einen sonstigen Bestandteil (z. B. Lactose).
- Gleichzeitige Anwendung von starken CYP1A2‑Hemmern (Fluvoxamin, Ciprofloxacin).
- Schwere Leberfunktionsstörung (Child‑Pugh C).
- Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.
Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln
- Starke CYP1A2‑Hemmer (Fluvoxamin, Ciprofloxacin): Absolute Kontraindikation – massive Erhöhung der Tizanidin‑Spiegel (bis zu 30‑fach) mit lebensbedrohlicher Hypotonie, Bradykardie, Synkopen.
- Andere CYP1A2‑Inhibitoren (Amiodaron, Propafenon, Mexiletin, Cimetidin, Norfloxacin, orale Kontrazeptiva, Ticlopidin): Gleichzeitige Anwendung nicht empfohlen (erhöhte Tizanidin‑Spiegel).
- Antihypertensiva (blutdrucksenkende Mittel, Diuretika, Betablocker): Additive blutdrucksenkende Wirkung – verstärktes Risiko für Hypotonie und Bradykardie.
- Zentral dämpfende Substanzen (Alkohol, Benzodiazepine, Opioide, Barbiturate, andere Muskelrelaxanzien, Antihistaminika der ersten Generation, Neuroleptika): Verstärkung der sedierenden Wirkung (Schläfrigkeit, Benommenheit, Atemdepression).
- Rifampicin (CYP1A2‑Induktor): Senkt den Tizanidin‑Spiegel – mögliche Wirkungsabnahme.
- Rauchen (Zigarettenrauch): Bei starken Rauchern (mehr als 10 Zigaretten pro Tag) kann der Tizanidin‑Spiegel um etwa 30 % reduziert sein.
- QT‑verlängernde Arzneimittel (Antiarrhythmika Klasse IA/III, Makrolide, Fluorchinolone, Antipsychotika, trizyklische Antidepressiva): Additive QT‑Verlängerung möglich – gleichzeitige Gabe wird nicht empfohlen.
Praktische Hinweise
- Einnahme: Tabletten mit einem Glas Wasser unzerkaut einnehmen. Um eine gleichbleibende Bioverfügbarkeit zu gewährleisten, sollte die Einnahme entweder immer mit Nahrung oder immer ohne Nahrung erfolgen. Wechsel zwischen den beiden Modi können zu unerwünschten Wirkungsschwankungen führen.
- Leberfunktionskontrollen: Vor Therapiebeginn und bei Tagesdosen von 12 mg oder höher sind monatliche Kontrollen der Leberenzyme (ALT, AST) in den ersten 4 Monaten und danach regelmäßig erforderlich.
- Blutdruck‑ und Puls‑Monitoring: Regelmäßige Kontrollen des Blutdrucks und der Herzfrequenz sind insbesondere bei Risikopatienten angezeigt.
- Vergessene Dosis: Wenn Sie eine Dosis vergessen haben, holen Sie diese nach, sofern noch mindestens 4 Stunden bis zur nächsten Einnahme verbleichen. Andernfalls lassen Sie die vergessene Dosis aus. Keine doppelte Dosis einnehmen.
- Absetzen: Beenden Sie die Behandlung nicht abrupt. Reduzieren Sie die Dosis über mehrere Tage bis Wochen schrittweise, um einen Rebound mit Bluthochdruck und Tachykardie zu vermeiden.
- Lagerung: Bei Raumtemperatur (15‑25 °C) in der Originalverpackung, trocken und vor Licht geschützt, außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren.
- Überdosierung: Symptome sind starke Schläfrigkeit, Koma, Bradykardie, Hypotonie, QT‑Verlängerung, Atemdepression, Krampfanfälle. Bei Verdacht sofort einen Arzt aufsuchen (Notruf 112).
Alternative Medikamente (bei Unverträglichkeit oder Kontraindikation)
- Baclofen (Lioresal): Zentral wirksames Muskelrelaxans über GABA‑B‑Rezeptoren, bevorzugt bei neurogener Spastizität (Multiple Sklerose, Querschnittslähmung). Weniger sedierend, aber höheres Risiko für Muskelschwäche.
- Tolperison (Mydocalm): Zentral und peripher wirksames Muskelrelaxans, eingesetzt bei schmerzhaften Muskelverspannungen des Bewegungsapparats. Geringeres Sedierungsprofil als Tizanidin.
- Dantrolen (Dantrium): Direkt auf die Skelettmuskulatur wirkend, hemmt die Kalziumfreisetzung. Bei schwerer, therapierefraktärer Spastizität, jedoch mit erheblichem Hepatotoxizitätsrisiko.
- Metaxalon (Skelaxin): In Deutschland nicht zugelassen, wird in den USA bei Muskelverspannungen eingesetzt.
- Orale Analgetika (NSAR wie Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen): Bei milden, rein schmerzhaften Muskelverspannungen ohne ausgeprägte Spastik eine Alternative (insbesondere bei unkomplizierten Rückenschmerzen).
- Physiotherapie (Krankengymnastik, Dehnungsübungen, Massagen): Grundlegende nicht‑medikamentöse Maßnahmen, die mit der medikamentösen Therapie kombiniert werden können.
Klinische Wirksamkeit
Tizanidin ist seit über 25 Jahren klinisch etabliert. In placebokontrollierten Studien bei neurogener Spastizität (z. B. bei Multipler Sklerose) zeigte Tizanidin eine signifikante Verbesserung des Ashworth‑Spastizitäts‑Scores (Reduktion um durchschnittlich 1,2 Punkte gegenüber 0,5 Punkten unter Placebo). Die Wirkdauer beträgt 3‑6 Stunden, was eine flexible Anpassung an die täglichen Aktivitäten ermöglicht. Im Vergleich zu Baclofen ist Tizanidin in der spasmolytischen Potenz ähnlich, verursacht jedoch häufiger Schläfrigkeit (40‑50 %) und Mundtrockenheit (30‑50 %). Bei schmerzhaften Muskelverspannungen des Bewegungsapparats ist Tizanidin wirksamer als Placebo und in der Muskelrelaxation NSAR überlegen, jedoch nicht in der alleinigen Schmerzlinderung. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2019 bestätigte die Wirksamkeit von Tizanidin bei neurogener Spastizität, hob jedoch das ungünstige Nebenwirkungsprofil hervor. Aufgrund der hohen Sedierungsrate ist Tizanidin ein Medikament der zweiten Wahl zur Spastizitätsbehandlung, insbesondere wenn unter Baclofen keine ausreichende Wirkung erzielt wird oder unerwünschte Wirkungen auftreten.
Wichtig: Tizanidin ist ein verschreibungspflichtiges Muskelrelaxans mit erheblichem Risiko für Sedierung, Hypotonie, Bradykardie und Leberschäden (bei hochdosierter Langzeittherapie). Die Behandlung darf nur unter regelmäßiger ärztlicher Kontrolle (Blutdruck, Herzfrequenz, Leberfunktion) erfolgen. Vor der ersten Einnahme muss eine gründliche ärztliche Abklärung (Leber‑, Nieren‑, Herz‑Kreislauf‑Erkrankungen) durchgeführt werden. Die gleichzeitige Einnahme von starken CYP1A2‑Hemmern (Fluvoxamin, Ciprofloxacin) ist absolut kontraindiziert. Aufgrund der starken Schläfrigkeit ist die Teilnahme am Straßenverkehr während der gesamten Behandlung untersagt. Alkoholkonsum ist strikt zu vermeiden. Ein abruptes Absetzen kann zu einer Rebound‑Hypertonie führen – die Dosis ist ausschleichend zu reduzieren. Die vollständige Fachinformation und die Packungsbeilage sind zu beachten; verbindlich sind die Anweisungen des behandelnden Arztes. Dieses Informationsblatt ersetzt keine ärztliche Beratung.
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