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Topiramat wird zur Behandlung von Krampfanfällen, Epilepsie bei Kindern und Erwachsenen sowie zur Vorbeugung von Migräne und bestimmten psychiatrischen Erkrankungen eingesetzt.
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Topiramat ist ein antikonvulsiver Wirkstoff, der in der Behandlung verschiedener Formen der Epilepsie sowie zur Prophylaxe von Migräne-Kopfschmerzen bei Erwachsenen eingesetzt wird. Die antiepileptische Wirkung entfaltet sich über multiple Mechanismen, wie die Verstärkung der Aktivität des hemmenden Neurotransmitters GABA, die Blockade spannungsabhängiger Natriumkanäle und eine antagonistische Wirkung an AMPA/Kainat-Subtypen der Glutamatrezeptoren. Bei der Migräneprophylaxe wird ein Einfluss auf die neuronale Übererregbarkeit und eine Normalisierung der zentralen Schmerzverarbeitung diskutiert, jedoch ist der genaue Mechanismus nicht vollständig geklärt.
Die übliche Dosis von Topiramat beträgt: Zur Behandlung der Epilepsie (Monotherapie bei Erwachsenen) wird eine Einschleichtherapie mit zunächst 25 mg einmal täglich abends über eine Woche empfohlen. Anschließend erfolgt eine schrittweise Dosissteigerung in 1- bis 2-wöchigen Intervallen um 25 bis 50 mg pro Tag, verteilt auf 2 Dosen. Die empfohlene initiale Zieldosis liegt bei 100 bis 200 mg pro Tag, die maximale Tagesdosis beträgt 500 mg, in refraktären Fällen auch bis zu 1000 mg pro Tag. Für die Migräneprophylaxe bei Erwachsenen wird mit 25 mg einmal täglich begonnen und die Dosis in 25-mg-Schritten alle 14 Tage auf eine übliche Zieldosis von 100 mg pro Tag (verteilt auf 2 Dosen) gesteigert.
Darreichungsform: Filmtabletten mit den Wirkstärken 25 mg, 50 mg, 100 mg und 200 mg.
Wirkungseintritt: Maximale Plasmakonzentrationen werden etwa 2 Stunden nach oraler Gabe erreicht.
Wirkdauer: Die Plasmahalbwertszeit beträgt etwa 21 Stunden.
Alkoholempfehlung: Da Alkohol die dämpfende Wirkung von Topiramat auf das zentrale Nervensystem verstärken und das Risiko für unerwünschte Wirkungen wie Schwindel und Benommenheit erhöhen kann, sollte auf Alkoholkonsum während der Behandlung verzichtet werden.
Häufigste Nebenwirkungen: Zu den sehr häufigen und häufigen Nebenwirkungen (kann mehr als 1 von 10 bzw. bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen) zählen Gewichtsverlust (50-48%), Parästhesien (Kribbelparästhesien in Händen, Füßen, um den Mund) sowie kognitive Störungen wie Wortfindungsstörungen, Gedächtnisstörungen, Konzentrationsstörungen, Verwirrtheit, gefolgt von Müdigkeit, Schwindel, Übelkeit und Geschmacksveränderungen (metallischer Geschmack bei kohlensäurehaltigen Getränken).
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Allgemeine Informationen über Topiramat
- INN (Internationale Nicht-Eigentumsbezeichnung): Topiramat
- In Deutschland verfügbare Markennamen: Topimax (Original), Topiramat-1A Pharma, Topiramat-ratiopharm, Topiramat STADA, Topiramat Heumann, Topiramat AL sowie zahlreiche weitere Generika.
- ATC‑Code: N03AX11
- Darreichungsformen und Dosierungen (oral): Filmtabletten (25 mg, 50 mg, 100 mg, 200 mg). Ausländische Kapselformulierung (15 mg, 25 mg, 50 mg) in Deutschland nicht ohne Weiteres verfügbar.
- Hersteller in Deutschland (Auswahl): 1A Pharma GmbH, ratiopharm GmbH, STADA Arzneimittel AG, Heumann Pharma GmbH & Co. KG, ALIUD Pharma GmbH, Glenmark Arzneimittel GmbH.
- Registrierungsstatus in Deutschland: Zugelassen.
- OTC / Rx‑Klassifikation: Verschreibungspflichtig (Rezeptpflichtig, Rx).
Wirkmechanismus und Pharmakologie
Der genaue Wirkmechanismus von Topiramat ist nicht vollständig geklärt, jedoch liegen präklinische Hinweise auf mehrere, möglicherweise synergistische pharmakologische Eigenschaften vor. Auf elektrophysiologischer und biochemischer Ebene zeigt Topiramat bei pharmakologisch relevanten Konzentrationen folgende Effekte: (a) Blockade spannungsabhängiger Natriumkanäle, (b) Verstärkung der GABA-A-Rezeptor-vermittelten inhibitorischen Aktivität, (c) antagonisterende Wirkung auf den AMPA/Kainat-Subtyp der exzitatorischen Glutamatrezeptoren und (d) eine schwache Hemmung des Enzyms Carboanhydrase (insbesondere der Isoenzyme II und IV). Die antiepileptische Wirksamkeit von Topiramat wurde im Tiermodell (MES-Test, verschiedene Epilepsiemodelle) nachgewiesen. Die Pharmakokinetik ist linear und dosisproportional über einen Bereich von 200 bis 800 mg/Tag. Die orale Bioverfügbarkeit ist mit etwa 80 % hoch und wird durch Nahrungsaufnahme nicht beeinflusst. Nach Resorption werden maximale Plasmakonzentrationen etwa 2 Stunden nach der Einnahme erreicht. Die Plasmahalbwertszeit beträgt etwa 21 Stunden, sodass ein Steady State nach etwa 4 Tagen erreicht wird. Die geringe Plasmaeiweißbindung (15‑41 %) und die vorwiegend renale Ausscheidung unterscheiden das pharmakokinetische Profil von vielen anderen Antiepileptika und machen eine Routinemessung der Plasmakonzentration überflüssig. Topiramat induziert arzneimittelmetabolisierende Enzyme nicht und hat zwei klinisch irrelevante inaktive Metaboliten.
Anwendungsgebiete
- Epilepsie: Topiramat ist als Monotherapie bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab sechs Jahren mit fokalen Krampfanfällen (mit oder ohne sekundäre Generalisierung) und primär generalisierten tonisch-klonischen Anfällen zugelassen. Darüber hinaus wird es als Zusatztherapie bei Kindern ab zwei Jahren, Jugendlichen und Erwachsenen mit fokalen Anfällen, primär generalisierten tonisch-klonischen Anfällen sowie zur Behandlung von Anfällen im Rahmen des Lennox-Gastaut-Syndroms eingesetzt.
- Migräneprophylaxe: Bei Erwachsenen ist Topiramat zur Prophylaxe von Migräne-Kopfschmerzen nach sorgfältiger Abwägung möglicher alternativer Behandlungsmethoden zugelassen. Das Arzneimittel ist nicht für die Akutbehandlung eines Migräneanfalls vorgesehen.
Wichtige Warnungen und Einschränkungen
Risikogruppen
- Frauen im gebärfähigen Alter und Schwangerschaft: Unter der Behandlung mit Topiramat wurde über schwerwiegende angeborene Fehlbildungen (insbesondere Lippen-Kiefer-Gaumenspalten) bei Neugeborenen von mit Topiramat behandelten Müttern berichtet. Topiramat ist daher kontraindiziert zur Migräneprophylaxe während der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter, die keine hochwirksame Verhütungsmethode anwenden. Bei Epilepsie darf eine Behandlung nur dann eingesetzt werden, wenn nach Ausschöpfung aller Alternativen der individuelle Nutzen das Risiko überwiegt und eine zuverlässige Kontrazeption sichergestellt ist.
- Stillzeit: Topiramat geht in die Muttermilch über. Eine Entscheidung über die Anwendung in der Stillzeit erfordert eine strenge Nutzen‑Risiko‑Abwägung unter Berücksichtigung der Dosis, des Nutzens für die Mutter und des potenziellen Risikos für den gestillten Säugling.
- Kinder unter 6 Jahren (Epilepsie-Monotherapie) / Kinder unter 2 Jahren (Zusatztherapie): Die Sicherheit und Wirksamkeit ist nicht ausreichend belegt, die Anwendung wird nicht empfohlen.
- Patienten mit Nieren- oder Leberinsuffizienz: Bei eingeschränkter Nierenfunktion (Kreatinin-Clearance unter 70 ml/min/1,73 m²) ist die Dosis aufgrund einer verminderten Clearance und verlängerten Halbwertszeit zu reduzieren. Bei schwerer Leberinsuffizienz ist ebenfalls eine Dosisanpassung (Erhöhung des Dosisintervalls) erforderlich.
- Ältere Patienten (über 65 Jahre): Die Dosierung ist aufgrund der möglichen Nierenfunktionseinschränkung anzupassen; es werden keine prinzipiell anderen Reaktionen als bei jüngeren Erwachsenen erwartet, doch besteht erhöhte Empfindlichkeit gegenüber kognitiven Nebenwirkungen.
- Patienten mit Neigung zu Nierensteinen (Nephrolithiasis): Vor Behandlungsbeginn sollte eine entsprechende Disposition (Hyperkalziurie, Steine in der Anamnese) abgeklärt werden. Während der Therapie ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sicherzustellen.
- Patienten mit Engwinkelglaukom (akute Myopie und sekundärer Glaukomanfall): In seltenen Fällen wurde die Entwicklung eines akuten Glaukoms mit myopischem Syndrom (<1/10000) beobachtet; bei plötzlicher Verschlechterung der Sehschärfe, Augenschmerzen ist die Behandlung sofort abzusetzen.
Fahrtauglichkeit und Alkohol
Topiramat kann Schwindel, verschwommenes Sehen, Somnolenz, Konzentrations- und Koordinationsstörungen verursachen, die die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen erheblich beeinträchtigen können. Alkohol verstärkt diese ZNS-dämpfenden Wirkungen und erhöht das Risiko unerwünschter Ereignisse, einschließlich der Gefahr von Krampfanfällen bei Alkoholentzug. Während der Behandlung ist der Konsum von Alkohol strikt zu vermeiden.
Dosierungsanleitung
- Epilepsie (Monotherapie bei Erwachsenen): Die Behandlung wird einschleichend mit 25 mg einmal täglich (abends) über 7 Tage begonnen. Anschließend ist eine Dosissteigerung in 1- bis 2-wöchentlichen Intervallen um 25‑50 mg/Tag (verteilt auf 2 Dosen) vorgesehen. Die empfohlene initiale Zieldosis beträgt 100‑200 mg/Tag, aufgeteilt auf 2 Dosen. Die maximale Tagesdosis ist 500 mg; bei refraktären Formen der Epilepsie können unter strenger Überwachung bis zu 1000 mg/Tag erforderlich sein.
- Epilepsie (Zusatztherapie bei Erwachsenen): Initial 25‑50 mg/Tag abends für eine Woche; die Dosissteigerung erfolgt in 25‑50 mg-Schritten in 1- bis 2‑wöchentlichen Abständen (Zieldosis 200‑400 mg/Tag, auf zwei Dosen verteilt).
- Migräneprophylaxe (Erwachsene): Beginn mit 25 mg einmal täglich (abends) über eine Woche. Anschließend wird die Dosis in 25-mg-Schritten alle 14 Tage bis zur Zieldosis (100 mg/Tag) gesteigert; die Dosis kann (je nach Nutzen und Verträglichkeit) auf 50‑200 mg/Tag (aufgeteilt in zwei Dosen) eingestellt werden.
- Art der Anwendung: Tabletten unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit zu den Mahlzeiten einnehmen (nahrungsunabhängig). Die Filmtabletten nicht teilen.
- Kinder (Epilepsie-Monotherapie ab 6 Jahre): Initial 0,5‑1 mg/kg KG/Tag abends für 1 Woche; danach Steigerung in 0,5‑1 mg/kg KG‑Schritten in 1- bis 2‑wöchentlichen Intervallen, auf 2 Dosen aufgeteilt, bis die wirksame Dosis erreicht ist (2‑9 mg/kg KG/Tag).
- Absetzen: Ein abruptes Absetzen kann zu einer Zunahme der Anfallshäufigkeit führen. Die Dosis muss über mehrere Wochen bis Monate ausschleichend reduziert werden.
Nebenwirkungen und Kontraindikationen
Sehr häufige/häufige Nebenwirkungen (≥ 1/10 bis < 1/10)
- Gewichtsabnahme (bis zu 50 % der Patienten)
- Parästhesien (Kribbelparästhesien in Händen, Füßen, um den Mund, Inzidenz 31‑48 %)
- Kognitive Störungen (Wortfindungsstörungen, Gedächtnisstörungen, Konzentrationsstörungen, Verwirrtheit, 13‑20 %)
- Müdigkeit, Schwindel, Schläfrigkeit, Benommenheit, Ataxie (Koordinationsstörungen)
- Geschmacksstörungen (metallischer Geschmack bei kohlensäurehaltigen Getränken)
- Übelkeit, Verminderter Appetit
Gelegentliche Nebenwirkungen (1/1000 bis < 1/100)
- Depression, Stimmungsschwankungen, Angst, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit, Agitiertheit
- Visuelle Beeinträchtigungen (verschwommenes Sehen, Doppelbilder)
- Exanthem, Haarausfall
- Metabolische Azidose (in Zusammenhang mit Carboanhydrase‑Hemmung)
Seltene, schwerwiegende Nebenwirkungen (< 1/1000)
- Akutes Engwinkelglaukom mit myopischem Syndrom (Notfall – sofortige augenärztliche Abklärung notwendig)
- Nierensteine (Nephrolithiasis – bei ersten Anzeichen erhöhte Flüssigkeitszufuhr)
- Schwere Hautreaktionen: Stevens‑Johnson‑Syndrom (SJS), toxische epidermale Nekrolyse (TEN)
- Hyperammonämie mit oder ohne Enzephalopathie, insbesondere bei gleichzeitiger Therapie mit Valproinsäure
- Selbstmordgedanken oder suizidales Verhalten (bei allen Antiepileptika)
Absolute Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen sonstigen Bestandteil (z. B. Lactose).
- Migräneprophylaxe: Schwangerschaft, Frauen im gebärfähigen Alter ohne hochwirksame Kontrazeption.
- Gleichzeitige Anwendung anderer Carboanhydrase‑Hemmer (z. B. Acetazolamid).
Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln
- Orale Kontrazeptiva: Topiramat kann bei Dosen über 200 mg/Tag die Wirksamkeit der hormonellen Verhütung durch Enzyminduktion beeinträchtigen (verstärkter Abbau der Gestagene). Bei einer höheren Dosis wird der Einsatz einer Barrieremethode oder einer nicht-hormonellen Kontrazeption empfohlen.
- Phenytoin, Carbamazepin, Phenobarbital, Primidon, Valproinsäure (Antiepileptika): Diese antiepileptischen Wirkstoffe können die Topiramat‑Plasmaspiegel (durch Induktion der Leberenzyme bzw. in geringerem Maße durch verminderte renale Ausscheidung von Topiramat) senken.
- Digoxin: In Einzelfällen wurde unter Topiramat ein Abfall der Digoxin‑Plasmaspiegel beobachtet (Kontrolle der Digoxin‑Spiegel zu Therapiebeginn und -ende).
- Lithium: Bei gleichzeitiger Anwendung wurden erhöhte Lithium‑Spiegel mit Symptomen einer Lithium‑Intoxikation beschrieben (regelmäßige Spiegelkontrolle).
- Metformin: Topiramat kann die Metformin‑Clearance reduzieren; Blutzuckerselbstkontrolle durchführen (Risiko einer metabolischen Azidose).
- Hydrochlorothiazid: Erhöht das Risiko einer Hyperkalzämie durch additive Wirkung bei der Carboanhydrase‑Hemmung.
Praktische Hinweise
- Einnahme und Hydrierung: Um die geringe Neigung zur Bildung von Nierensteinen (Nephrolithiasis) zu minimieren, sollte während der gesamten Therapie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (mindestens 1,5‑2 Liter pro Tag) geachtet werden.
- Gewichtsüberwachung: Wegen des Risikos eines unerwünschten Gewichtsverlustes (insbesondere bei Kindern und Jugendlichen) sollte das Körpergewicht regelmäßig kontrolliert werden.
- Kognitive Nebenwirkungen: Bei Auftreten von Wortfindungsstörungen, Konzentrationsstörungen oder Benommenheit ist unter Umständen eine Dosisreduktion oder der Wechsel des Präparates erforderlich.
- Einnahme mit kohlensäurehaltigen Getränken: Topiramat kann einen unangenehmen metallischen Geschmack beim Genuss kohlensäurehaltiger Getränke (z. B. Mineralwasser, Cola) verursachen.
- Vergessene Dosis: Wenn Sie eine Dosis vergessen haben, holen Sie diese nach, sobald Sie daran denken. Ist es jedoch fast Zeit für die nächste Dosis (weniger als 6 Stunden bis zur nächsten planmäßigen Einnahme), lassen Sie die vergessene Dosis aus. Nehmen Sie nicht die doppelte Menge ein.
- Lagerung: Bei Raumtemperatur (15‑25 °C) in der Originalverpackung, trocken und vor Licht geschützt, außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren.
Alternative Medikamente (bei Unverträglichkeit oder Kontraindikation)
- Levetiracetam (z. B. Keppra): Antiepileptikum mit einem günstigen kognitiven Nebenwirkungsprofil, Mittel der ersten Wahl bei fokalen und generalisierten Epilepsien, ohne die kognitiven Einschränkungen wie unter Topiramat.
- Lamotrigin (z. B. Lamictal): Breites antikonvulsives Spektrum, besonders geeignet bei fokalen Anfällen und generalisierten Epilepsien; sehr geringe kognitive Beeinträchtigung.
- Propranolol (Beta‑Blocker): Mittel der ersten Wahl in der Migräneprophylaxe mit einer besseren Evidenzlage und günstigerem Nebenwirkungsprofil bei Patienten ohne kardiale Kontraindikationen.
- Valproinsäure (Depakine): Wirksame Alternative bei generalisierten Epilepsien und Migräneprophylaxe, jedoch teratogenes Risiko und häufige Gewichtszunahme.
- Topiramat in niedriger Dosierung (bis 25‑50 mg/Tag): Für Patienten, die die höhere Dosis nicht vertragen, kann eine niedrige Dosis als Migräneprophylaxe ausreichend wirksam sein und zu weniger kognitiven Nebenwirkungen führen.
- Botulinumtoxin A (Botox): Zugelassen zur Behandlung der chronischen Migräne bei Erwachsenen (Kopfschmerztage an mehr als 15 Tagen pro Monat über 3 Monate).
Klinische Wirksamkeit
Die antiepileptische Wirksamkeit von Topiramat wurde in mehreren großen randomisierten, placebokontrollierten Studien belegt. In einer doppelblinden Vergleichsstudie an Patienten mit therapierefraktärer Epilepsie (Zusatztherapie) erzielte eine flexible Dosierung von 200‑400 mg/Tag eine mediane Anfallsreduktion von 45‑48 %, verglichen mit 11‑13 % unter Placebo. Bei der Migräneprophylaxe wurde die Wirksamkeit von Topiramat in drei großen placebokontrollierten Studien über 26‑28 Wochen an insgesamt über 1.400 Patienten nachgewiesen. Im Dosisbereich von 50‑200 mg/Tag war der primäre Endpunkt (Reduktion der Migräneattacken pro Monat um im Schnitt 1,5‑2,5 Tage) und die Reduktion der monatlichen Kopfschmerztage um etwa 50% (Responderrate) statistisch signifikant besser als unter Placebo. Die meisten Leitlinien (Deutsche Gesellschaft für Neurologie) empfehlen Topiramat zur Migräneprophylaxe der ersten Wahl bei Patienten mit häufigen Migräneattacken, wenn Betablocker nicht vertragen werden. In der Epilepsiebehandlung stellt Topiramat insbesondere bei fokalen und generalisierten tonisch-klonischen Anfällen eine wirksame Alternative dar, ist aber aufgrund seines Nebenwirkungsprofils (kognitive Störungen, Gewichtsabnahme) nicht Mittel der ersten Wahl bei neu diagnostizierter Epilepsie.
Wichtig: Topiramat ist ein verschreibungspflichtiges Antikonvulsivum, das wegen der Risiken schwerwiegender teratogener Effekte (bei Frauen im gebärfähigen Alter) und seltener, aber bedrohlicher Nebenwirkungen (akutes Glaukom, Nephrolithiasis, SJS/TEN) nur unter strenger ärztlicher Kontrolle angewendet werden darf. Vor Einleitung einer Therapie müssen eine vollständige epileptologische und neurologische Diagnostik sowie die Kontrolle der Nieren‑ und Leberwerte erfolgen. Während der Behandlung sind regelmässige Kontrollen des Körpergewichts, des Blutbildes und bei Risikopatienten des Säure‑Basen‑Status und eine jährliche augenärztliche Untersuchung erforderlich. Die Anwendung einer hochwirksamen Verhütungsmethode ist bei Frauen im gebärfähigen Alter zwingend vorgeschrieben. Die Therapie darf nicht abrupt abgesetzt werden, da sonst Anfallsrezidive oder eine anhaltende Verschlechterung der Migräne auftreten können. Die vollständige Fachinformation und die Packungsbeilage sind zu beachten; verbindlich sind die Anweisungen des behandelnden Arztes. Dieses Informationsblatt ersetzt keine ärztliche Beratung.
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