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Xarelto (Rivaroxaban) ist ein Antikoagulans, das zur Vorbeugung und Behandlung von Blutgerinnseln durch Hemmung von Faktor Xa eingesetzt wird und das Risiko von Schlaganfall, tiefer Venenthrombose und Lungenembolie verringert.
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Xarelto (Wirkstoff: Rivaroxaban) ist ein orales Antikoagulans (Blutverdünner) aus der Gruppe der direkten Faktor‑Xa-Inhibitoren (DOAK). Es wird zur Prophylaxe und Behandlung von thromboembolischen Erkrankungen eingesetzt, wie der Vorbeugung von Schlaganfällen und systemischen Embolien bei nicht valvulärem Vorhofflimmern, der Behandlung tiefer Venenthrombosen (TVT) und Lungenembolien (LE) sowie der Prophylaxe von TVT nach Hüft- oder Kniegelenkersatzoperationen. Rivaroxaban hemmt hochselektiv und direkt den aktivierten Gerinnungsfaktor Xa (FXa) – unabhängig vom natürlichen Inhibitor Antithrombin. Die Hemmung von FXa unterbricht die Gerinnungskaskade auf zentraler Ebene, reduziert die Thrombinbildung und verhindert so die Entstehung von pathologischen Blutgerinnseln, ohne die primäre Wundheilung (durch intakte Thrombin-induzierte Plättchenaggregation) entscheidend zu beeinträchtigen.
Die übliche Dosis von Xarelto (Rivaroxaban) beträgt: Die Dosierung ist stark von der Indikation abhängig. Vorhofflimmern (Schlaganfallprophylaxe): 20 mg einmal täglich mit der Abendmahlzeit. Bei eingeschränkter Nierenfunktion (Kreatinin‑Clearance 15‑50 ml/min) wird eine Dosisreduktion auf 15 mg einmal täglich empfohlen.
Behandlung tiefer Venenthrombosen (TVT) und Lungenembolien (LE): Initial (Tag 1‑21) 15 mg zweimal täglich (Gesamttagesdosis 30 mg) zur Akutbehandlung, anschließend Weiterbehandlung mit 20 mg einmal täglich. Bei Patienten mit hohem Rezidivrisiko nach einer mindestens sechsmonatigen Therapie kann die Dosis zur verlängerten Rezidivprophylaxe auf 10 mg einmal täglich reduziert werden.
Prophylaxe nach Hüft‑/Kniegelenkersatz: 10 mg einmal täglich; die erste Dosis sollte 6‑10 Stunden nach der Operation eingenommen werden, sobald die Blutstillung gesichert ist. Die empfohlene Behandlungsdauer beträgt 5 Wochen (Hüfte) bzw. 2 Wochen (Knie).
Darreichungsform: Filmtabletten mit 10 mg, 15 mg und 20 mg Rivaroxaban.
Wirkungseintritt: Maximale Plasmakonzentrationen werden etwa 2‑4 Stunden nach oraler Gabe erreicht. Die antikoagulatorische Wirkung setzt innerhalb weniger Stunden ein.
Wirkdauer: Die mittlere terminale Plasmahalbwertszeit von Rivaroxaban beträgt bei jüngeren Erwachsenen etwa 7‑11 Stunden (bei älteren Patienten etwa 11‑13 Stunden). Bei zweimal täglicher Dosierung ist eine ausreichende Wirkung über den gesamten Tag gewährleistet.
Alkoholempfehlung: Während der Behandlung mit Xarelto sollte Alkohol in großen Mengen vermieden werden, da Alkohol die Blutgerinnung zusätzlich beeinträchtigen und das Blutungsrisiko erhöhen kann. Gelegentlicher, moderater Konsum (nicht mehr als ein Glas Wein oder Bier pro Tag) ist nach Rücksprache mit dem Arzt meist vertretbar.
Häufigste Nebenwirkungen: Die mit Abstand häufigste Nebenwirkung sind Blutungen, insbesondere Nasenbluten (bei bis zu 10 % der Patienten), Zahnfleischbluten, blaue Flecken (Ekchymosen), Blutergüsse, Magen‑Darm‑Blutungen (Blut im Stuhl, Teerstuhl), Blut im Urin (Hämaturie) und starke oder verlängerte Menstruationsblutungen. Weitere häufige Nebenwirkungen sind Anämie (Blutarmut), Schwindel, Kopfschmerzen und (in der Frühphase der TVT/LE‑Behandlung) Schmerzen in den Extremitäten.
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Allgemeine Informationen über Xarelto (Rivaroxaban)
- INN (Internationale Nicht‑Eigentumsbezeichnung): Rivaroxaban
- In Deutschland verfügbare Markennamen: Xarelto (Original), sowie zahlreiche Generika nach Patentablauf (z. B. Rivaroxaban‑1A Pharma, Rivaroxaban‑ratiopharm, Rivaroxaban STADA, Rivaroxaban Heumann, Rivaroxaban AL) seit August 2024.
- ATC‑Code: B01AF01 (direkter Faktor‑Xa‑Inhibitor)
- Darreichungsformen und Dosierungen: Filmtabletten (2,5 mg, 10 mg, 15 mg, 20 mg). Zusätzlich ist Granulat zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen (1 mg/ml) für pädiatrische Patienten erhältlich.
- Hersteller in Deutschland (Auswahl): Bayer Vital GmbH (Original‑Xarelto), sowie diverse Generika‑Hersteller (z. B. ratiopharm GmbH, STADAPHARM GmbH, Heumann Pharma GmbH & Co. KG, ALIUD Pharma GmbH, Hexal AG, 1A Pharma GmbH).
- Registrierungsstatus in Deutschland: Zugelassen
- OTC / Rx‑Klassifikation: Verschreibungspflichtig (Rezeptpflichtig, Rx)
Wirkmechanismus und Pharmakologie
Rivaroxaban ist ein hochselektiver, oraler, direkter Inhibitor des aktivierten Gerinnungsfaktors X (Faktor Xa) und gehört zur Klasse der direkten oralen Antikoagulanzien (DOAK). Im Gegensatz zu älteren Antikoagulanzien (wie Warfarin) wirkt Rivaroxaban unabhängig vom körpereigenen Inhibitor Antithrombin. Es bindet direkt und reversibel an das aktive Zentrum von Faktor Xa – sowohl an freies Faktor Xa als auch an Faktor Xa, der im Prothrombinasekomplex gebunden ist. Faktor Xa katalysiert die Umwandlung von Prothrombin in Thrombin, ein zentrales Enzym der Gerinnungskaskade. Durch die Inhibition von Faktor Xa wird die Thrombinbildung massiv reduziert, was die Entstehung von Blutgerinnseln (Thromben) sowohl im venösen als auch im arteriellen System verhindert. Rivaroxaban hat hingegen keinen direkten Einfluss auf die Thrombin-induzierte Plättchenaggregation, sodass die primäre Blutstillung (z. B. nach Verletzungen) weniger stark beeinträchtigt wird als unter direkten Thrombin‑Inhibitoren. Der Antikoagulationseffekt ist dosisabhängig und kann weder durch einen Quick‑Wert noch durch eine aPTT zuverlässig gemessen werden; bei Komplikationen steht jedoch ein kalibrierter Anti‑Faktor‑Xa‑Test zur Verfügung.
Anwendungsgebiete
- Vorhofflimmern (nicht valvulär): Prophylaxe von Schlaganfällen und systemischen Embolien bei erwachsenen Patienten mit nicht valvulärem Vorhofflimmern und einem oder mehreren Risikofaktoren (wie Herzinsuffizienz, Hypertonie, Alter ≥ 75 Jahre, Diabetes mellitus, vorangegangener Schlaganfall oder TIA).
- Venöse Thromboembolien (VTE): Behandlung tiefer Venenthrombosen (TVT) und Lungenembolien (LE) sowie Prophylaxe von Rezidiven (Verlängerung der Sekundärprophylaxe).
- Postoperative Thromboseprophylaxe: Prophylaxe venöser Thromboembolien bei Erwachsenen nach elektiven Hüft‑ oder Kniegelenkersatzoperationen (Totalendoprothesen).
- Akutes Koronarsyndrom (ACS, 2,5 mg): Prophylaxe atherothrombotischer Ereignisse (z. B. kardiovaskulärer Tod, Myokardinfarkt) nach akutem Koronarsyndrom bei Patienten mit erhöhten kardialen Biomarkern (in Kombination mit ASS allein oder ASS plus Clopidogrel/Ticlopidin).
Wichtige Warnungen und Einschränkungen
Risikogruppen
- Schwangerschaft und Stillzeit: Xarelto ist während der Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert, da Rivaroxaban die Plazenta passiert und in die Muttermilch übergeht; das Risiko für maternale und fetale Blutungen sowie teratogene Effekte können nicht ausgeschlossen werden.
- Niereninsuffizienz: Bei schwerer Niereninsuffizienz (Kreatinin‑Clearance unter 30 ml/min) ist der Rivaroxaban‑Spiegel signifikant erhöht (durchschnittlich das 1,6‑fache). Bei einer Kreatinin‑Clearance zwischen 15 und 29 ml/min ist Xarelto mit Vorsicht anzuwenden. Bei einer Kreatinin‑Clearance unter 15 ml/min wird die Anwendung nicht empfohlen (keine Daten).
- Leberinsuffizienz: Bei mittelschwerer bis schwerer Leberfunktionsstörung (Child‑Pugh B und C) oder bei hepatischer Koagulopathie (erhöhtes Blutungsrisiko) ist Xarelto kontraindiziert (fehlende Daten, erhöhte Rivaroxaban‑Exposition).
- Ältere Patienten (≥ 65 Jahre): Generell keine Dosisanpassung erforderlich, jedoch ist wegen des erhöhten Blutungsrisikos bei Älteren Vorsicht geboten.
- Patienten mit mechanischen Herzklappen oder mittel‑ bis hochgradiger Mitralstenose: Die Anwendung von Rivaroxaban ist in diesen Fällen kontraindiziert, da die Sicherheit und Wirksamkeit nicht belegt ist.
- Antiphospholipid‑Syndrom (APS): Bei Patienten mit Antiphospholipid‑Syndrom, insbesondere mit „Triple‑positivem“ Status, wird die Behandlung mit DOAKs (einschließlich Rivaroxaban) nicht empfohlen, da ein erhöhtes Risiko für rezidivierende thrombotische Ereignisse besteht.
- Patienten mit erhöhtem Blutungsrisiko: Zustände wie kürzlich aufgetretene schwere Blutung, Magen‑Darm‑Ulzera, maligne Neoplasien mit hohem Blutungsrisiko, frische Hirn‑ oder Rückenmarksverletzung, Augen‑, Hirn‑ oder Rückenmarks‑OP, bekannte Ösophagusvarizen, Gefäßmalformationen, Aneurysmen sowie gleichzeitige Antikoagulation mit anderen gerinnungshemmenden Medikamenten (außer bei Therapiewechsel) sind absolute Kontraindikationen.
Fahrtauglichkeit und Alkohol
Rivaroxaban kann Schwindel oder Kopfschmerzen verursachen, was die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigen kann. Alkohol sollte während der Behandlung mit Xarelto nur in sehr begrenzten Mengen und nach Rücksprache mit dem Arzt konsumiert werden, da Alkohol das Blutungsrisiko zusätzlich erhöhen und die gerinnungshemmende Wirkung verstärken kann.
Dosierungsanleitung
- Vorhofflimmern (Schlaganfallprophylaxe): Die Standarddosis beträgt 20 mg einmal täglich, eingenommen mit der Abendmahlzeit (bessere Bioverfügbarkeit). Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion (Kreatinin‑Clearance 15‑50 ml/min) wird eine Dosisreduktion auf 15 mg einmal täglich empfohlen.
- Behandlung von TVT und LE (Akutphase): 15 mg zweimal täglich über die ersten 21 Tage (Initialtherapie) – streng zu einer Mahlzeit einnehmen. Anschließend (ab Tag 22) Umstellung auf 20 mg einmal täglich zur Weiterbehandlung (Erhaltungstherapie).
- Verlängerte Rezidivprophylaxe (nach einer mindestens 6‑monatigen Therapie): Die empfohlene Dosis beträgt 10 mg einmal täglich. Bei Patienten mit hohem Rezidivrisiko kann die Dosis auf 20 mg einmal täglich erhöht werden.
- Postoperative VTE‑Prophylaxe (Hüft‑/Kniegelenkersatz): 10 mg einmal täglich; erste Gabe 6‑10 Stunden postoperativ (nach gesicherter Hämostase). Behandlungsdauer: 5 Wochen (Hüft‑TEP) bzw. 2 Wochen (Knie‑TEP).
- Art der Anwendung: Die Filmtabletten werden unzerkaut mit ausreichend Wasser zu einer Mahlzeit eingenommen. Die 10‑mg‑Tablette kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden, die höheren Dosierungen (15 mg/20 mg) sollten immer mit einer Mahlzeit (bzw. bei zweimal täglicher Einnahme mit jeder einzelnen Mahlzeit) eingenommen werden, um die Resorption und Bioverfügbarkeit zu optimieren. Bei Schluckbeschwerden können die Tabletten zerkleinert und mit Wasser oder Apfelmus gemischt eingenommen werden (unmittelbar vor der Anwendung).
- Vergessene Dosis: Bei einmal täglicher Einnahme (10 mg, 20 mg): die vergessene Dosis sofort nachholen, aber nicht die doppelte Menge einnehmen, um die vergessene Dosis auszugleichen. Bei zweimal täglicher Einnahme während der Initialphase (15 mg): die vergessene Dosis sofort einnehmen (es können auch zwei Tabletten auf einmal genommen werden, um die Tagesdosis von 30 mg zu erreichen), am nächsten Tag mit der regulären zweimal täglichen Einnahme fortfahren.
Nebenwirkungen und Kontraindikationen
Sehr häufige/häufige Nebenwirkungen (≥ 1/100 bis < 1/10)
- Hämorrhagien (Blutungen aller Art: Nasenbluten, Zahnfleischbluten, Hämatome (blaue Flecken), gastrointestinale Blutungen (Meläna, Hämatochezie), urogenitale Blutungen (Hämaturie, Menorrhagie)).
- Anämie (Blutarmut), Eisenmangelanämie.
- Schwindel, Kopfschmerzen.
- Postoperative Wundsekretion, Wundhämatom.
- Transaminasenerhöhung (GGT, ALAT, ASAT).
Gelegentliche Nebenwirkungen (≥ 1/1000 bis < 1/100)
- Tachykardie (Herzrasen), Hypotonie (niedriger Blutdruck).
- Hämoptyse (Bluthusten), Epistaxis (stärkere Nasenblutungen).
- Allergische Reaktionen (Urtikaria, Hautausschlag, Juckreiz).
- Ohnmacht (Synkope).
Seltene, schwerwiegende Nebenwirkungen (< 1/1000)
- Intrakranielle Blutung, intraokulare Blutung, retroperitoneale Blutung, intraartikuläre Blutung (Hämarthros).
- Schwere Hypersensitivitätsreaktionen (anaphylaktischer Schock, Angioödem).
- Thrombozytopenie, Agranulozytose, Panzytopenie (Blutbildveränderungen).
- Hepatitis, cholestatische Gelbsucht, Leberschädigung.
- Stevens‑Johnson‑Syndrom, DRESS‑Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse (Lyell‑Syndrom).
Absolute Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen sonstigen Bestandteil (z. B. Lactose).
- Aktive klinisch signifikante Blutung, Läsionen/Zustände mit hohem Blutungsrisiko (z. B. gastrointestinales Ulkus, Neoplasien mit Blutungsrisiko, frische Hirn‑/Rückenmarksverletzung, kürzliche Hirn‑/Rückenmarks‑/Augen‑OP, Ösophagusvarizen, vaskuläre Malformationen/Aneurysmen).
- Gleichzeitige Therapie mit anderen Antikoagulanzien (außer bei Therapiewechsel oder bei niedrigdosiertem Heparin zur Aufrechterhaltung eines offenen zentralvenösen/arteriellen Katheters).
- Mittelschwere bis schwere Leberfunktionsstörung (Child‑Pugh B/C) oder hepatische Koagulopathie.
- Schwangerschaft und Stillzeit.
- Mechanische Herzklappen (z. B. Ballonkappenprothese) oder mittel‑ bis hochgradige Mitralklappenstenose.
- Antiphospholipid‑Syndrom (insbesondere Triple‑positive APS).
- Kreatinin‑Clearance unter 15 ml/min (Niereninsuffizienz).
Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln
- Andere Antikoagulanzien (Cumarine (Warfarin, Phenprocoumon), Heparine, niedermolekulare Heparine, Fondaparinux, andere DOAK (Dabigatran, Apixaban, Edoxaban)): Erheblich erhöhtes Blutungsrisiko – gleichzeitige Anwendung ist kontraindiziert (Ausnahme: Therapiewechsel unter strenger Überwachung, minimal erforderliche Heparindosen zur Kathetererhaltung).
- Thrombozytenaggregationshemmer (ASS, Clopidogrel, Ticagrelor, Prasugrel) und NSAID (Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen, COX‑2‑Hemmer): Additives Blutungsrisiko – Kombination nur nach strenger Nutzen‑Risiko‑Abwägung; gleichzeitige Anwendung von ASS + Clopidogrel/Ticlopidin mit Rivaroxaban 2,5 mg ist im Rahmen der ACS‑Indikation zugelassen.
- Selektive Serotonin‑Wiederaufnahmehemmer (SSRI) / Serotonin‑Noradrenalin‑Wiederaufnahmehemmer (SNRI): Diese Antidepressiva erhöhen das Blutungsrisiko möglicherweise durch eine Hemmung der Thrombozytenfunktion (Vorsicht geboten).
- Starke CYP3A4‑Inhibitoren und P‑gp‑Inhibitoren (Ketoconazol, Itraconazol, Ritonavir, Clarithromycin, Erythromycin): Kombinierte P‑gp- und starke CYP3A4‑Hemmer können die Rivaroxaban‑Exposition signifikant erhöhen (bis zu Verdopplung) und das Blutungsrisiko steigern – Kombination vermeiden, wenn möglich.
- Starke CYP3A4‑Induktoren und P‑gp‑Induktoren (Rifampicin, Carbamazepin, Phenytoin, Phenobarbital, Johanniskraut (Hypericum perforatum)): Diese Substanzen können die Rivaroxaban‑Exposition erheblich reduzieren (bis zu 50 %), was die thromboembolische Wirkung vermindern kann – gleichzeitige Anwendung vermeiden.
- Antimykotika (Fluconazol, Voriconazol, Posaconazol): Vorsicht bei gleichzeitiger Gabe; keine dosisanpassende Empfehlung, aber Überwachung auf verstärkte Blutungsneigung.
Praktische Hinweise
- Einnahme mit einer Mahlzeit: Die 10‑mg‑Tablette kann mit oder ohne Nahrung eingenommen werden. Die Dosierungen 15 mg und 20 mg sollten stets mit einer Mahlzeit (vorzugsweise mit der Abendmahlzeit) eingenommen werden, um die Resorption und damit die Bioverfügbarkeit zu optimieren. Bei zweimal täglicher Gabe ist jede Einzeldosis mit einer (ggf. kleinen) Mahlzeit einzunehmen.
- Kontrolle und Überwachung: Ein routinemäßiges Gerinnungsmonitoring (Quick, aPTT) ist nicht erforderlich. Bei Verdacht auf Überdosierung oder in Notfallsituationen (präoperativ, Blutungskomplikation) kann ein spezifischer, kalibrierter Anti‑Faktor‑Xa‑Test durchgeführt werden.
- Blutungszeichen: Patienten sollten über Warnzeichen von Blutungen aufgeklärt werden: ungewöhnliche Blutergüsse, roter oder brauner Urin, schwarzer oder blutiger Stuhl, Bluthusten, Erbrechen von Blut (Kaffeesatzerbrechen), starke oder verlängerte Menstruationsblutung, unerklärliche Schmerzen/Schwellungen, Schwindel, Schwäche.
- Operationen / Eingriffe: Vor invasiven Eingriffen (Zahn‑, endoskopische, urologische Operationen) muss Rivaroxaban je nach Blutungsrisiko und Nierenfunktion für einen bestimmten Zeitraum (meist 24‑48 Stunden für geringes Risiko, 48‑72 Stunden bei höherem Risiko) pausiert werden. Der Arzt muss rechtzeitig informiert werden.
- Antidot: Im Falle einer schweren, lebensbedrohlichen Blutung oder Notfalloperation steht ein spezifisches Antidot (Andexanet alfa – Ondexxya) zur Verfügung, das die gerinnungshemmende Wirkung von Rivaroxaban sofort und spezifisch antagonisiert.
- Lagerung: Bei Raumtemperatur (15‑25 °C) in der Originalverpackung, trocken und vor Licht geschützt, außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren.
- Antikoagulanzien‑Ausweis: Patienten sollten immer einen aktuellen Antikoagulanzien‑Ausweis (auch DOAK‑Ausweis genannt) bei sich tragen, auf dem das Medikament, die Dosierung und die behandelnden Ärzte vermerkt sind.
Alternative Medikamente (bei Unverträglichkeit oder Kontraindikation)
- Apixaban (Eliquis): Direkter Faktor‑Xa‑Inhibitor mit ähnlichen Indikationen; wird bei Vorhofflimmern und VTE bevorzugt bei Niereninsuffizienz eingesetzt (etwas geringere renale Elimination).
- Edoxaban (Lixiana): Direkter Faktor‑Xa‑Inhibitor, ebenfalls zur Behandlung von TVT/LE sowie Schlaganfallprophylaxe bei Vorhofflimmern zugelassen.
- Dabigatran (Pradaxa): Direkter Thrombin‑Inhibitor (DOAK) mit ähnlichen Indikationen (Vorhofflimmern, VTE), aber anderen Interaktionsprofilen (wirkt über direkte Thrombinhemmung).
- Phenprocoumon (Marcumar) oder Warfarin: Vitamin‑K‑Antagonisten (Cumarin‑Derivate) – Standardtherapie der ersten Generation, jedoch mit geringerer therapeutischer Breite und regelmäßigen INR‑Kontrollen. Können bei Kontraindikationen gegen DOAKs oder bei mechanischen Herzklappen eingesetzt werden.
- Niedermolekulare Heparine (Enoxaparin – Clexane, Dalteparin – Fragmin): Subkutane Applikation, zur VTE‑Behandlung und ‑Prophylaxe; werden bei Niereninsuffizienz bevorzugt und bei Krebspatienten eingesetzt.
- Fondaparinux (Arixtra): Synthetischer Faktor‑Xa‑Inhibitor (indirekt über Antithrombin), nur parenteral, wird in der VTE‑Therapie manchmal als Alternative eingesetzt.
Klinische Wirksamkeit
Die Wirksamkeit und Sicherheit von Rivaroxaban wurden in großen, randomisierten, doppelblinden Phase‑III‑Studien nachgewiesen. Die ROCKET‑AF‑Studie (2009‑2011) mit über 14.000 Patienten mit nicht‑valvulärem Vorhofflimmern zeigte, dass Rivaroxaban 20 mg (bzw. 15 mg bei Niereninsuffizienz) bei der Schlaganfallprophylaxe mit dem Vitamin‑K‑Antagonisten Warfarin vergleichbar wirksam war (Non‑Inferiorität). In der Per‑Protokoll‑Analyse betrug die Ereignisrate für Schlaganfall und systemische Embolie 1,7 % pro Jahr unter Rivaroxaban versus 2,2 % pro Jahr unter Warfarin. Die Rate schwerer Blutungen war zwischen beiden Gruppen vergleichbar, jedoch traten unter Rivaroxaban weniger intrakranielle Blutungen (0,5 % vs. 0,7 %) und seltener tödliche Blutungen (0,2 % vs. 0,4 %) auf. In den EINSTEIN‑Studien (TVT/LE) zeigte Rivaroxaban (Initial 15 mg zweimal täglich für 3 Wochen, dann 20 mg einmal täglich) eine ähnliche Wirksamkeit wie das Standardtherapieregime (Enoxaparin überbrückt mit Warfarin), jedoch mit einer signifikant geringeren Rate an schweren Blutungen (z. B. kumulative schwere Blutungen: 8,1 % vs. 8,5 %). Die EINSTEIN‑Choice‑Studie (2017) belegte den Vorteil von 10 mg Rivaroxaban (und 20 mg Rivaroxaban) gegenüber Placebo zur Rezidivprophylaxe bei Patienten mit abgeschlossener VTE‑Therapie. Rivaroxaban ist in den deutschsprachigen Leitlinien (z. B. Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie) in allen zugelassenen Indikationen als ein Mittel der ersten Wahl für die langfristige orale Antikoagulation etabliert.
Wichtig: Xarelto (Rivaroxaban) ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel mit erhöhtem Blutungsrisiko. Die Anwendung darf nur nach strenger ärztlicher Indikationsstellung und Nutzen‑Risiko‑Abwägung (insbesondere bezüglich Nieren‑ und Leberfunktion, aktueller Blutungsneigung und Begleitmedikation) erfolgen. Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz (Kreatinin‑Clearance unter 30 ml/min) sowie mittelschwerer bis schwerer Leberfunktionsstörung (Child‑Pugh B/C) oder aktiver signifikanter Blutung dürfen Xarelto nicht erhalten. Es ist kein Routine‑Gerinnungsmonitoring erforderlich, jedoch muss jeder Patient über Warnzeichen von Blutungen aufgeklärt werden. Das Antidot (Andexanet alfa) ist in schweren Notfallsituationen verfügbar. Xarelto muss vor invasiven Eingriffen fachgerecht pausiert werden. Patientinnen im gebärfähigen Alter müssen eine zuverlässige Schwangerschaftsverhütung anwenden; während Schwangerschaft und Stillzeit ist die Anwendung kontraindiziert. Die vollständige Fachinformation und die Packungsbeilage sind zu beachten; verbindlich sind die Anweisungen des behandelnden Arztes. Dieses Informationsblatt ersetzt keine medizinische Beratung.
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